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Überall Gänsekot in Frankfurt: Stadt sieht keine Möglichkeit zur Jagd

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Von: Stefanie Wehr

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Gäste des Licht- und Luftbads Niederrad beschweren sich über die Vielzahl an Kanadagänse, die die Wiese verunreinigen.
Gäste des Licht- und Luftbads Niederrad beschweren sich über die Vielzahl an Kanadagänse, die die Wiese verunreinigen. © Michael Faust

Sie sind eine Plage in Frankfurt: Nil- und Kanadagänse. Auch im Licht- und Luftbad Niederrad sind sie anzutreffen. Die Stadt sieht keine Handhabe gegen die Gänse.

Niederrad – Bürgerinnen und Bürger beschweren sich häufig über zu viel Vogelkot am südlichen Mainufer von Sachsenhausen bis Niederrad. Unschön sieht es teilweise im Licht- und Luftbad in Niederrad aus, wo sich Mensch – und Tier – normalerweise gern zum Entspannen auf die Wiesen legen und sich am Ufer aufhalten. Da es dort sehr trocken ist, hat der Platz bei den menschlichen Gästen an Beliebtheit eingebüßt. Umso mehr Nil- und Kanadagänse lassen sich offenbar dort nieder.

Und sie hinterlassen Federn und Vogelkot. „Im Licht- und Luftbad ist alles voller Dreck“, schimpft ein Leser. Er gibt an, kürzlich dort spazieren gewesen zu sein. Die Zustände seien schockierend, sagt er: „Es gab Unmengen von Kanadagänsen, die dort grasten, der gesamte Rasen war vollgekotet. Man konnte die Wiese nicht betreten, entsprechend wenige Leute hielten sich dort auf. Einfach ekelhaft“, so der Leser. Die Stadt Frankfurt lasse dies einfach geschehen und tue nichts gegen die Ausbreitung der Vögel. „Armes Frankfurt“, beklagt er.

Keine Jagd auf Gänse in Frankfurt

In der Tat habe ihm Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) auf Anfrage mitgeteilt, dass man nichts gegen die Tiere unternehmen könne, schon gar nicht sie bejagen. In einem Antwortbrief an den Leser schrieb Heilig: „Ich kann Ihre persönlichen Einschätzungen der Sachlage und Ihren Ärger nachvollziehen und auch ich bedauere, dass unsere Grünflächen durch Gänsekot verunreinigt sind. Leider haben wir keine angemessene Möglichkeit, diese wildlebenden Tiere zu vergrämen und müssen uns mit ihren Hinterlassenschaften zurechtfinden.“

Auf Anfrage bestätigt die Sprecherin des Grünflächenamts, Lena Berneburg: „Eine Bejagung am Mainufer kommt aus Sicherheitsaspekten nicht infrage und ist nicht genehmigungsfähig. Das Mainufer liegt im sogenannten befriedeten Bereich, in dem die Jagd mit der Waffe untersagt ist. Hinzu kommen gesetzliche Regelungen, insbesondere aus dem Naturschutz, so dass eine Verringerung der Population auf diese Weise nicht möglich ist.“

Nil- und Kanadagänse in Frankfurt: Stadt erarbeitete Konzept

Doch es muss ja nicht gleich die Jagdwaffe sein. Vergrämungsmaßnahmen im Ostpark sollen ja zumindest teilweise gewirkt haben, gibt auch die Stadt immer wieder an. 2018 erarbeitete die Verwaltung ein Konzept, um städtische Parkanlagen von Gänsen zu befreien. Zunächst wurde dies nur als Einzelmaßnahme im Ostpark umgesetzt. Vor allem gilt die Bitte, die Tiere nicht zu füttern. Mit schwimmenden Ketten auf dem Wasser und Zäunen am Ufer sollte den Vögeln der Zugang aufs Land erschwert werden.

Mittlerweile kommen nahezu überall im Frankfurter Stadtgebiet verschiedene Gänsearten in den Grünanlagen vor.

Lena Berneburg, Sprecherin des Grünflächenamts

Das soll geholfen haben: Seit Umsetzung der Maßnahmen sei die Population im Ostpark um 37 Prozent zurückgegangen: „Nach Einschätzung des Ornithologen haben sich insbesondere Nil- und Kanadagans andere Standorte für die Mauser und Brut gesucht. Der Grund ist die erschwerte Erreichbarkeit der Äsungsflächen“, heißt es in einer Mitteilung der Stadt.

Plage in Frankfurt: Wasservögel nicht füttern

Wie viele Gänse sich am südlichen Mainufer aufhalten, sei hingegen nicht bekannt, sagt Lena Berneburg. Klar sei, dass es mehr sind als früher: „Mittlerweile kommen nahezu überall im Frankfurter Stadtgebiet verschiedene Gänsearten in den Grünanlagen vor, bevorzugt dort, wo es Zugang zu Wasserflächen gibt.“ Die Vögel verhielten sich sehr mobil und wechselten immer wieder den Aufenthaltsort.

Dass die Populationen der Gänse stark wachsen, sei nicht nur durch das Fehlen natürlicher Feinde in der Stadt bedingt, „sondern insbesondere durch den Umstand, dass die Tiere verbotenerweise und aus falsch verstandener Tierliebe gefüttert werden“, sagt die Sprecherin. Das Füttern von Gänsen wie auch Tauben und anderen Wildvögeln ist in Frankfurt verboten. Weil vielen Menschen die Tiere leid tun, füttern sie sie trotzdem. Tierschützer:innen wie die Helfer:innen vom Taubenprojekt halten das Mitleid mit den Tieren für „menschlich“. (Stefanie Wehr)

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