+
Stefanie Then, Angela Wolf, Simone Krämer, Monika Nicol und Jürgen Croll (v.l.) engagieren sich im Quartier. 

Niederrad

Niederrad: Ein Treffpunkt fehlt im Lyoner Quartier

Eine Initiative will die Neu-Bewohner der ehemaligen Bürostadt zusammenbringen und besser vernetzen. Sie ist auf der Suche nach einem Begegnungsort.

Das Lyoner Quartier ist in den Köpfen vieler Niederräder noch als Bürostadt abgespeichert, in der nach Feierabend die Straßen ausgestorben sind. Doch inzwischen wohnen hier mehr als 1500 Menschen. 10 000 sollen es in Zukunft einmal sein. Zudem arbeiten gut 25 000 Menschen im Quartier. Ein Großteil sind Pendler, die mit dem Auto kommen. Oft herrscht Stau. Ohnehin ist die Bürostadt noch immer voll auf den Autoverkehr ausgerichtet. „Es gibt keinen einzigen Fahrradweg“, sagt die Stadtbezirksvorsteherin Stefanie Then (SPD). Auch Spielplätze fehlen noch, genauso wie Cafés und Restaurants, die auch abends geöffnet sind.

Doch was viel schwerer wiegt: Die Neu-Niederräder sind gefühlt vom Ortskern abgeschnitten. „Die Bahnlinie ist eine Trennung zwischen Alt-Niederrad und der Bürostadt“, sagt Simone Krämer, Gemeindereferentin von St. Jakobus. Was fehle, sei ein Begegnungsraum, für Treffen und Veranstaltungen, um Menschen zusammen zu bringen und in ihrem Alltag unterstützen.

Um das zu ändern, hat sich schon vor einiger Zeit eine Arbeitsgruppe gebildet. Die katholische Gemeinde St. Jakobus ist vertreten, das Quartiersmanagement, der Sportverein TSG Niederrad und die SPD-Ortsgruppe. Ziel ist es, das Lyoner Quartier zu beleben, „die Leute auf die Straße zu locken und miteinander bekannt zu machen“, sagt Then.

Krämer wäre es am liebsten, einen Raum anzumieten. Beim Bistum Limburg hat sie dafür finanzielle Unterstützung beantragt. „Es wird aber schwierig werden, etwas Bezahlbares zu finden“, befürchtet sie. Ein Raum in der Ladenzeile eines Wohnhauses, das in der Saonestraße gebaut werden soll, wäre ideal. Darin sollen nach Auflage der Stadt Geschäfte Platz finden.

Die Kirche, so Krämer, möchte den Neubewohnern helfen, sich zurechtzufinden. Viele von ihnen seien Singles, manche nur während der Woche da. „Aber auch junge Familien ziehen her, die Bewohnerschaft ist international, viele arbeiten am Flughafen oder in der Uniklinik – oder eben im Lyoner Quartier selbst. Aber wir wollen es genauer wissen, eine aussagekräftige Bewohnerbefragung machen“, sagt Krämer.

„Wenn es keinen festen Begegnungsort gibt, könnte man einen mobilen herrichten“, überlegt Krämer. Etwa ein Tiny-Haus oder einen mobilen Kaffeewagen. Nach Feierabend oder am Wochenende könnten sich die Leute dort treffen. Einen solchen mobilen „Wagen“ soll es bald geben. Quartiersmanagerin Angela Wolf will mit einem umgebauten Lastenfahrrad, dem „Nieder-Rad“ im Frühjahr losziehen und Menschen gezielt ansprechen. Denn auch sie möchte wissen: „Was brauchen die Leute dort?“

Im Lastenrad möchte sie Kaffee und Kuchen transportieren, zu einem gemütlichen Plausch, vielleicht mit Gästen aus der Stadtpolitik, einladen. „Ich möchte eine Brücke zu den bestehenden Angeboten in Niederrad bauen und die Neu-Bewohner dazu einladen, auch den Ortskern für sich zu entdecken und zu nutzen“, sagt Wolf. Ein großes Fest im Frühjahr oder Sommer schwebt Then vor, vielleicht auf dem Gelände des TSG. Der Vereinsvorsitzende Jürgen Croll hätte nichts dagegen. Er könnte die Neu-Bewohner dann gleich auf das Angebot des Vereins aufmerksam machen.

Then plant auch eine Broschüre, die den Zugezogenen Vereine, Kirchen und Angebote nahebringt. Sie wünscht sich, „dass die TSG Niederrad ertüchtigt wird, um ihr Gelände auf Vordermann zu bringen. Denn die TSG ist der einzige alt-eingesessene Sportverein im Lyoner Quartier.“ Ideal wären laut Then auch eine neue Sporthalle, die von vielen Vereinen genutzt werden kann, – und ein Hallenbad.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare