Claudia Vetter-Jung ist die neue Pfarrerin in der Paul-Gerhardt-Gemeinde in Niederrad.
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Claudia Vetter-Jung ist die neue Pfarrerin in der Paul-Gerhardt-Gemeinde in Niederrad.

Niederrad

Niederrad: Pfarrerin mit Schatzkiste

  • vonGernot Gottwals
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Claudia Vetter-Jung ist die neue Pfarrerin in der Paul-Gerhardt-Gemeinde. Die 57-Jährige folgt Angelika Detrez, die sich im Oktober in den Ruhestand verabschiedet hat. 

Seit mehr als 20 Jahren ist Claudia Vetter-Jung im Rhein-Main-Gebiet zu Hause. Doch ihre erste Frankfurter Pfarrstelle hat sie erst im Juni in der Paul-Gerhardt-Gemeinde übernommen. „Nach 19 Jahren Alten- und Krankenseelsorge freue ich mich jetzt wieder auf eine lebendige Gemeinde“, sagt die 57-Jährige. Sie ist die Nachfolgerin von Angelika Detrez, die im Oktober in den Ruhestand gegangen ist.

„Niederrad passt gerade jetzt in mehrfacher Hinsicht ziemlich gut“, sagt Vetter-Jung. Zum einen freue sie sich auf die Zusammenarbeit mit ihrer Kollegin Anja Bode, mit der sie sich wunderbar ergänze: Bode setzt ihren Schwerpunkt mehr auf die Kinder- und Jugendarbeit, Vetter-Jung eher auf die Angebote der praktischen Arbeit und Seelsorge für die Erwachsenen. „Und das fügt sich gut in einem Stadtteil, in dem die Geborgenheit ebenso wichtig ist wie das politisch-historische Engagement“, sagt sie im Hinblick auf die jüngste Verlegung mehrerer Stolpersteine.

Vetter-Jung übernimmt vor allem Projekte und Angebote in der Erwachsenen- und Seniorenarbeit, wozu die Gruppe „55+", von Gerhard Pfahl ebenso gehört wie die Theatergruppe der „AlterNaiven“, der Mittagstisch und die Ausflüge für die Senioren.

„Sehr wichtig ist auch die von Frau Detrez gegründete Diakonische Bürgerstiftung Niederrad, die ältere und bedürftige Menschen unterstützt, damit sie am kulturellen Leben teilhaben können“, sagt Vetter-Jung. Verstärken möchte sie die Angebote für Demenz, denn mit diesem Fachgebiet hat sie sich besonders in der Alten- und Krankenseelsorge beschäftigt.

In der Diaspora aufgewachsen

Geboren und aufgewachsen ist Vetter-Jung als Tochter einer württembergischen Familie im bayerischen Teil Schwabens. „Dort bin ich kirchlich sozialisiert in der Diaspora aufgewachsen, es war selbstverständlich, dass ich nach der Konfirmation Kindergottesdienste betreue“, erinnert sie sich. Sie entschied sich 1982 für ein Germanistik- und Theologiestudium, studierte dann aber als Volltheologin bis 1989 in München, Edinburgh und Heidelberg, wo sie ihren Mann Andreas Jung kennenlernte, heute Pfarrer in Rüsselsheim.

Damals entschied sich das Paar für ein Vikariat in Weiterstadt und Langen. 1990 und 1995 kamen die Kinder Anna und Jakob zur Welt. Nach ihrer ersten Gemeindestelle in Wiesbaden-Biebrich entschloss sich Vetter-Jung im Pfarrvikariat, in die Altenheimseelsorge zu wechseln: Von 2001 bis 2020 arbeitete sie im Pflegeheim in Wiesbaden-Biebrich und an der Deutschen Klinik für Diagnostik in Wiesbaden-Bierstadt. „Ich empfand es als Privileg, mich individuell um einzelne Menschen kümmern zu können.“

Die eigenen Lebenserfahrungen, die Geschichten und Erlebnisse an den Krankenbetten, die immer wieder reflektierten Glaubensfragen – Vetter-Jung verspricht eine Schatzkiste für die Niederräder zu öffnen, die sie in den kommenden Wochen näher kennenlernen wird.

„Mit 40 bis 50 Gläubigen pro Gottesdienst haben wir recht gute Besucherzahlen“, stellt die Pfarrerin fest. Auch wenn Corona einige Einschränkungen fordert, das Gemeindeleben sich derzeit auf das Gemeindezentrum an der Gerauer Straße konzentriert.

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