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Ein Musterzimmer im künftigen Fünf-Sterne-Haus Diaoyutai Mansion an der ehemaligen Frankfurter Pferderennbahn ist bereits fertig.

Rennbahn

Fünf-Sterne-Hotel an der Rennbahn

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Mitte 2019 soll in Frankfurt-Niederrad ein chinesisches Luxushotel eröffnen - es war ein langer Weg bis dahin.

Natürlich wird sich die Eröffnung des Hotels an der ehemaligen Frankfurter Rennbahn erneut verzögern. Lieferschwierigkeiten bei einzelnen Baumaterialien, die eigens aus China importiert würden, erklärt Hoteldirektor Marco Metge. „Wir planen jetzt die Eröffnung im kommenden Sommer“, sagt Metge und schielt keck rüber zu Bauleiter Hardy Jahn. „Bekomme ich ein Ja von Ihnen?“ Doch Jahn bleibt stumm und geht voran Richtung Großbaustelle Luxushotel.

Seit nunmehr zehn Jahren versucht das chinesische Familienunternehmen Huarong, an der Rennbahnstraße ein Fünfsternehotel zu bauen. Die Betreiber wechselten zweimal, Investoren und der Glaube an das Projekt blieben. Mit „The Diaoyutai Mansion“ kümmert sich nun eine äußerst potente Hotelkette um das Haus in Niederrad. Zum selben Konsortium gehört auch das Bellagio in Las Vegas. In Europa wird es das erste Hotel der Kette sein.

Die Zurückhaltung von Bauleiter Jahn scheint beim ersten Blick ins Erdgeschoss der Baustelle verständlich. Während das geschwungene Dach und die Balkone schon einen guten Eindruck von dem Hotel mit chinesischen Stilelementen vermitteln, dominiert im Inneren noch der blanke Beton. Hoteldirektor Metge und Verkaufsdirektor Clemens Degenhardt führen durch den Rohbau. Ja, auch einen Verkaufsdirektor gibt es schon. Degenhardt ist allerdings noch in der Sondierungsphase, wie er selbst sagt. „Im Erdgeschoss wird es zwei Restaurants geben“, sagt Metge, während er durch die große, zweistöckige Lobby schreitet. Hier lässt sich gut erahnen, welche Dimensionen das chinesische Luxusprojekt mit einer Bruttogeschossfläche von 30 000 Quadratmetern hat.

Nur das Musterzimmer ist fertig

Im ersten Stock wird es einen gut 500 Quadratmeter großen Ballsaal für 300 Personen geben. „Mit Tageslicht auf beiden Seiten“, betont Metge. Wobei der Blick Richtung Osten ungleich attraktiver ist. Während Richtung Westen nur die andere Seite der Rennbahnstraße zu sehen ist, eröffnet sich gen Osten der Blick auf die Skyline, das Grün des zukünftigen Bürgerparks und die Hotelterrasse. Die dürfte von ihren Ausmaßen her einmalig für Frankfurt sein. Die Terrasse zieht sich über eine Länge von 120 Metern, länger als ein Fußballfeld. Neben dem Ballsaal gibt es zwei üppig dimensionierte, private Speiseräume mit eigener kleiner Küche, in die sich größere Gesellschaften zurückziehen können.

Von den 214 Hotelzimmern, die es geben soll, ist eines immerhin schon fertig: ein Musterzimmer im 5. Stock. Auf dem Weg dorthin durch das Treppenhaus sind Arbeiter zu sehen. Die seien hier jetzt gar nicht so selten anzutreffen, sagt Bauleiter Jahn. Bis zu 150 Arbeiter tummelten sich in Spitzenzeiten auf der Baustelle. Gerade geht es eher ruhig zu. Das Musterzimmer ist chic, selbst aus dem großen Bad mit Dusche und Badewanne eröffnet sich dank einer großen Panoramascheibe noch der Blick ins Grüne. Zwischen 200 und 300 Euro soll die Nacht im Deluxe-Zimmer, der günstigsten Variante, kosten.

Eine Etage drüber wird es deutlich teurer. Hier sind die 13 Suiten, darunter auch die Präsidentensuite. Mit ihren 362 Quadratmetern und gleich zwei Schlafzimmern werde es die größte Suite in Frankfurt werden, ist sich Verkaufsdirektor Degenhardt sicher. Von der sechsten und obersten Etage lässt sich auch das ausladende Dach mit den lackierten Ziegeln bestaunen. Die Dachziegel wurden aus China importiert, die dazugehörigen Dachdecker reisten irgendwann hinterher. „Deutsche Dachdecker kamen mit dem chinesischen System nicht zurecht“, sagt Metge. An der Ecke des Dachs sind Figuren angebracht. Tiere, deren Anzahl etwas über die Wertigkeit des Hauses verrät. Der Kaiser von China hatte neun Tiere auf dem Dach, Familienangehörige des Kaisers acht. Auf dem Dach des Diaoyutai Mansion sind sechs Tiere zu sehen, wie Metge mit einem gewissen Stolz verkündet.

Für Metge und Degenhardt ist die Arbeit für ein chinesisches Unternehmen auch ein gewisses Abenteuer. „Wir lernen jeden Tag dazu“, gesteht Metge. Etwa, dass in einem Regal niemals Sachen wie Porzellan und Metall gemeinsam stehen dürfen oder dass ein chinesisches Rot eben ein chinesisches Rot ist und nicht etwas Ähnliches. Bauleiter Jahn spricht sogar schon ein paar Wörter Chinesisch, auch wenn es nicht reicht, sich mit den Arbeitern zu verständigen. Wieder im Erdgeschoss soll die Arbeit von zwei Malern begutachtet werden, die unter einer Plane gerade pinseln. Die Verständigung erfolgt mit den Händen. Die beiden Arbeiter aus dem Reich der Mitte tragen mit einem dünnen Pinsel Goldfarbe auf. „Die Verzierungen sind alle handgemalt“, sagt Metge. Verkaufsleiter Degenhardt ergänzt: „Damit können wir die lange Bauzeit aber wohl nicht ganz erklären, oder?“

Doch Bauprojekte an der Rennbahn scheinen ohnehin langwierig, davon kann der Nachbar DFB ein Lied singen, der nebenan seine Akademie hochzieht, was den Blick gen Südosten etwas einschränken wird. Der DFB baue zum Glück nur dreistöckig. Doch das wird noch ein bisschen dauern. „Vor dem DFB werden wir auf alle Fälle fertig“, sagt Metge mit einem Augenzwinkern.

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