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Die Menschen wehren sich gegen Mieterhöhungen.
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Mieter solidarisieren sich: Die Menschen wehren sich gegen drohende Mieterhöhungen durch teure Modernisierungen.

Wohnen in Frankfurt

Wut auf teure Modernisierung in der Corona-Pandemie: Bewohner protestieren gegen Baumaßnahmen

  • Clemens Dörrenberg
    VonClemens Dörrenberg
    schließen

Mieterinnen und Mieter in der Adolf-Miersch-Siedlung in Niederrad ärgern sich über Baumaßnahmen mitten in der Pandemie.

  • Frankfurt: Mieter:innen protestieren gegen Modernisierungen in der Corona-Pandemie
  • Bewohner befürchten gravierende Mieterhöhungen und haben eine Initiative gegründet
  • Nachrichten bleiben unbeantwortet: Kritik an Kommunikation der Nassauischen Heimstätte

Die beiden Frauen, die am Samstag mit einer Handvoll Unterstützer:innen an der Melibocusstraße stehen, sind wütend. Joanna Abbou und Gabrielle Kinateder wohnen schon seit Jahren um die Ecke in der Jugenheimer Straße. Der Unmut gilt ihrer Vermieterin, der Nassauischen Heimstätte. Drei Wohnblöcke will die Wohnungsbaugesellschaft an der Melibocusstraße vollständig modernisieren lassen. Deshalb haben Abbou und Kinateder die „Mieterinitiative Adolf-Miersch-Siedlung Frankfurt-Niederrad“ gegründet.

Hinter den Wohnblöcken aus den 1960er-Jahren stehen schon vereinzelt Bagger. Erdhaufen wurden aufgeschüttet und vor den Häusern Balken in die Erde gerammt. „Wir sind gegen diese Vollmodernisierung und die damit verbundene Mieterhöhung“, sagt Kinateder. Küchen und Bäder der etwa 70 bis 80 Wohnungen wolle die Nassauische Heimstätte komplett sanieren, dazu Heizkörper sowie Leitungsrohre austauschen und die Dielen im Flur erneuern. Die Kosten dafür würden auf die Gesamtmiete und die Betriebskosten aufgeschlagen. Die beiden Aktivistinnen haben beispielhaft errechnet, dass für eine 57 qm große Wohnung mit einer Mieterhöhung von etwa 260 Euro monatlich zu rechnen sei.

Mieterhöhung droht: Modernisierung soll drei Millionen Euro kosten

Am Samstag versuchen Kinateder und Abbou mit Unterstützung von Aktiven der Nachbarschaftsinitiative „Nordend-Bornheim-Ostend (NBO)“ Passant:innen auf die Lage aufmerksam zu machen. Vorbeigehende können auf einem Reißbrett ihre Adressdaten hinterlassen, um sich künftig weiter informieren zu lassen. Sabrina Bohrmann und ihr Partner Timo Gremme haben sich sofort eingetragen. Das junge Paar wohne zwar einige Straßen weiter, berichtet er. Doch sie wollten sich mit den Nachbar:innen solidarisch zeigen, sagt sie. „Es kann ja irgendwann passieren, dass wir auch betroffen sind“, fügt Gremme hinzu.

Drei Millionen Euro sollen die Modernisierungen in der Jugenheimer Straße kosten. Das hätten die Mieter:innen aus einem Ankündigungsschreiben der Nassauischen Heimstätte erfahren. Eine der wenigen Nachrichten, die sie erhalten hätten. „Die Nassauische Heimstätte möchte keinen Dialog“, sagt Abbou. Auf etliche Briefe hätten die Verantwortlichen nicht geantwortet. Auch eine „rechnerische Aufstellung über Einzelposten“ der Modernisierung, die ihnen bei einer Versammlung zugesagt worden sei, hätten sie nicht erhalten.

Erhöhung der Miete in der Corona-Pandemie sei untragbar

Außerdem sei den Bewohner:innen nicht mitgeteilt worden, dass die dreigeschossigen Mietshäuser mit einer vierten Etage aufgestockt werden sollten. Folge: Die Mieter:innen verlören die Dachböden als Stauräume. „Wir werden belastet von einem Unternehmen, das mehrheitlich staatlich ist“, sagt Abbou. Im Hinblick auf die Covid-19-Pandemie fügt sie hinzu: „Und das in einer Rezension, einer wirtschaftlichen Situation, die deprimierend ist“. Kinateder sagt: „Die Leute sind sowieso gebeutelt“. Viele seien am Flughafen sowie in der Gastronomie beschäftigt und derzeit in Kurzarbeit oder arbeitslos.

Die Nassauische Heimstätte teilte auf Nachfrage mit, dass jede Mieterin und jeder Mieter die jeweiligen Baukosten für die Wohnung anfordern könne. Man arbeite ganz transparent. Zudem wünsche man sich durchaus den Austausch mit den Bewohner:innen und würde bei Anträgen beispielsweise auf Wohngeld behilflich sein. (Clemens Dörrenberg mit mic)

Bereits vor einem Jahr hatten sich die Anwohner zum gemeinsamen Protest gegen die Modernisierung versammelt. Schon damals sei absehbar gewesen: Eine Mieterhöhung ist für viele nicht tragbar.

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