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Ibo Bakari ist Quartiersmanager und zuständig für die Siedlung Mainfeld in Niederrad.
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Ibo Bakari ist Quartiersmanager und zuständig für die Siedlung Mainfeld in Niederrad.

Niederrad

Frankfurt-Niederrad: In der Siedlung Mainfeld sind Anlaufstellen für Familien wichtig

  • Fabian Böker
    vonFabian Böker
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In der Niederräder Siedlung Mainfeld sind junge Menschen froh, wenn sie mal rauskommen. Im Jugendtreff sowie im Kinder- und Familienzentrum finden sie eine wichtige Anlaufstelle.

Die Sorgen und Nöte der 18-jährigen Yeri aus der Mainfeld-Siedlung sind nicht anders als die vieler anderer Jugendlicher derzeit auch. Der direkte Kontakt zu anderen „fehlt ihr total“, die Gespräche per Facetime „sind kein gleichwertiger Ersatz“, man kann nicht mehr shoppen gehen. Eine Hochzeit in ihrer Familie musste wegen Corona ausfallen, sie selbst findet aktuell keine Ausbildungsstelle als Flugbegleiterin oder Krankenschwester. Wenn sie es gar nicht mehr aushält, gibt sie zu, „dann treffe ich mich auch mal heimlich mit Freundinnen“.

Warum sollte es Kindern und Jugendlichen aus dem Mainfeld anders gehen als Gleichaltrigen anderswo in Frankfurt? Für Kai Lotz, Leiter des Jugendtreffs im Mainfeld, ist die Siedlung, die früher einmal als sozialer Brennpunkt galt, wie jede andere, die es in Frankfurt gibt. Mit beengten Wohnverhältnissen und deren Folgen. Lotz will sein Corona-Fazit daher nicht nur für das Mainfeld verstanden wissen: „Die Jugendlichen sind die größten Verlierer der Pandemie.“

Ibo Bakari bestätigt das. Er ist seit Ende vergangenen Jahres Quartiersmanager in Niederrad, zu dem die Siedlung Mainfeld gehört. Er sieht den „Mehrwert, den physische Kontakte gerade für junge Menschen haben, aktuell bedroht“.

Ausdruck findet das etwa im Jugendtreff Mainfeld. Das blaue Häuschen fällt einem sofort auf, wenn man in die Siedlung kommt. Es befindet sich in einer Kurve, gegenüber der KGS Niederrad. Ohne Corona wäre dort tagsüber viel los. Die Jugendlichen der Siedlung würden zum Offenen Treff kommen, sich auf der Außenfläche versammeln, im Sportraum ihre Fitness trainieren, am Computer sitzen – oder einfach mit Freunden und Freundinnen abhängen.

Doch diese Möglichkeiten bestehen wegen der Pandemie nur sehr, sehr eingeschränkt. Dennoch: Der Jugendtreff hat – bis auf eine kurze Zeit nach Inkrafttreten der Bundesnotbremse – nicht geschlossen. Darauf legt Lotz Wert. „Wir versuchen, sofern es möglich ist, weiter eine Anlaufstelle zu sein“, sagt er. Denn die Angebote der Einrichtung ließen sich nicht „digitalisieren“, wie es Ibo Bakari ausdrückt.

So ist der Fitnessraum der Einrichtung zumindest für zwei Leute zugänglich. Zum pädagogischen Mittagstisch sind vier Gäste zugelassen. Im Fahrradladen können die Jugendlichen Räder für Touren ausleihen oder selbst unter Anleitung einen Platten flicken. Der Kletterturm hat geöffnet. Und wer möchte, kann sich im Treff beraten lassen, wie man etwa eine Bewerbung richtig schreibt.

Angebote für Familien im Mainfeld

Der Jugendtreff , Im Mainfeld 15, bietet montags bis donnerstags, 14 bis 16 Uhr, den pädagogischen Mittagstisch an. Die Fahrradwerkstatt in einem nahe gelegenen Hochhaus (Im Mainfeld 19) öffnet dienstags und donnerstags von 15 bis 17 Uhr. Individuelle Beratungen sind nach Anmeldung möglich.

Kontakt zum Jugendtreff ist möglich unter Telefon 21 27 76 02 oder per Mail an info.jugendtreff-mainfeld@stadt-frankfurt.de. Infos gibt es unter jugendtreff-mainfeld.junetz.de.

Das Kinder- und Familienzentrum Niederrad, Im Mainfeld 5a, ist erreichbar unter Telefon 47 87 00 10 oder per Mail an kifaz-niederrad@ifz-ev.de. bö

Das alles schätzen die Jugendlichen im Mainfeld. Einer von ihnen macht derzeit sein Freiwilliges Soziales Jahr im Jugendtreff, seinen Namen will er nicht nennen. Er ist als Gleichaltriger am Puls der Zeit, kann von sich und seinen Freunden berichten, wie sie die Corona-Zeit mit all ihren Einschränkungen derzeit wahrnehmen. „Früher waren wir immer draußen, das war ganz normal“, erzählt er. „Und zwar mit zehn bis 20 Leuten.“ Jetzt sei die Zeit von Digitalisierung geprägt, wie er sagt. Das habe Vor- und Nachteile. Zu Letzteren zähle vor allem, „dass der direkte, unmittelbare Kontakt zu den Freunden abnimmt“.

Eingeschränkte Kontakte erleben auch die Familien, die ins Kinder- und Familienzentrum (Kifaz) kommen. Wobei auch dort gilt, dass die Verantwortlichen die neue Situation schnell angenommen haben. Zwar musste die Einrichtung im vergangenen Jahr und ab und zu noch heute auf eine Notbetreuung umschalten. Aber generell gilt: „Wir haben unsere Angebote nicht gedrosselt“, betont Leiterin Uschi Perry.

So gibt es im Familienzentrum unter Einhaltung der Corona-Regeln weiterhin eine Spielgruppe für Kinder unter drei Jahren. Das Eltern-Kind-Café darf jeweils eine Familie nutzen. Zudem beantwortet das Team Eltern – aus der gesamten Siedlung – Fragen zur Erziehung, in Einzelterminen. Auch Ausflüge an der frischen Luft werden organisiert, etwa ins Licht- und Luftbad oder in den nahen Elli-Lucht-Park.

In Kita und Kifaz achten zwei Reinigungskräfte darauf, dass die Einrichtungen stets desinfiziert sind. „So können sich unsere Pädagogen und Pädagoginnen auf ihre Kernaufgaben konzentrieren“, erklärt Perry.

Die Kita hat derzeit von 8 bis 15 Uhr offen, früher war es von 7.30 bis 17 Uhr. „Alle Kinder sind willkommen“, betont Koordinatorin Michaela Backes. Denn so eine Kita, ergänzt Leiterin Perry, „ist im Alltag wichtig, sie dient als Fluchtpunkt“. Gerade in einer Einrichtung wie ihrer gelte das, wo rund 80 Prozent der Kinder kein Deutsch sprechen und diese froh sind, mal aus den eigenen vier Wänden rauszukommen und andere zu treffen.

„Ich bin total gerne hier“, sagt ein Kind, „hier gefällt es mir richtig gut.“ Ein anderes sagt: „Ich bin froh, wenigstens in die Kita gehen zu können.“

Froh sind sie im Jugendtreff derweil über die langsam zurückkehrende Hoffnung angesichts der generellen Entwicklung. Die geplante Sommerfreizeit hält Leiter Kai Lotz jedenfalls für nicht ausgeschlossen.

Kai Lotz leitet den Jugendtreff, Im Mainfeld 15, und die Fahrradwerkstatt.
Mulyono Budi kocht das Mittagessen für die Jugendlichen im Jugendtreff Mainfeld.

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