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Eltern kämpfen für Erhalt der Karl-Popper-Schule

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Die Kinder der Karl-Popper-Schule in Niederrad fühlen sich verunsichert, sagen die Eltern.
Die Kinder der Karl-Popper-Schule in Niederrad fühlen sich verunsichert, sagen die Eltern. © Renate Hoyer

In einem offenen Brief setzen sich die Eltern der Karl-Popper-Schule in Niederrad für den Erhalt der Schule ein. Sie fühlen sich vom Staatlichen Schulamt im Stich gelassen. Wie berichtet hat das Staatliche Schulamt dem privaten Gymnasium mit Begabtenförderung wegen Verstößen gegen das Schulgesetz die Genehmigung entzogen und die Schließung zum 1. Februar 2023 angeordnet – mitten im Schuljahr.

Wir brauchen unsere Schule.“ Mit diesen Worten ist ein Brief der Elterninitiative überschrieben, die um den Erhalt der Karl-Popper-Schule in Niederrad kämpft. Wie berichtet hat das Staatliche Schulamt dem privaten Gymnasium mit Begabtenförderung wegen Verstößen gegen das Schulgesetz die Genehmigung entzogen und die Schließung zum 1. Februar 2023 angeordnet – mitten im Schuljahr. Die Geschäftsführung der Schule hat vor dem Verwaltungsgericht Widerspruch gegen die angeordnete Schließung eingelegt sowie einen Antrag auf Aussetzung des sofortigen Vollzugs gestellt. „Wir sind entsetzt“, heißt es in dem Brief der Elterninitiative weiter, die eine Petition zum Erhalt der Schule gestartet hat. „Diese Maßnahme ist unverhältnismäßig und ein Schulwechsel für unsere Kinder und Jugendlichen im laufenden Schuljahr unzumutbar.“

Besonders geärgert haben die Mütter und Väter die Aussagen der Leiterin des Staatlichen Schulamts. Evelin Spyra hatte gesagt: „Wir sind uns natürlich im Klaren, dass das schmerzhaft für alle Beteiligten ist.“ Und: „Die Kinder können nichts dafür. Wir werden sie jetzt nicht im Stich lassen.“ Zudem hat sie den Eltern der gut 180 betroffenen Schülerinnen und Schüler – 74 von ihnen kommen aus Frankfurt – geraten, sich an das Staatliche Schulamt zu wenden, um sich dort beraten zu lassen.

„In der Realität sieht die Unterstützung und Hilfe seitens der Behörde so aus, dass die Eltern über die Schule ein Schreiben vom Staatlichen Schulamt mit einer Liste der zuständigen Schulämter und -psychologen, an die man sich wenden kann, erhalten haben. Diese sind uns natürlich bekannt“, sagt Alexander Thomas, Sprecher der Elterninitiative.

Auch das erste Schreiben der Behörde Ende Oktober mit der Ankündigung der Schulschließung sei den Familien als Anhang in einer E-Mail über die Schule. „Schüler in der Sekundarstufe I unterliegen der Schulpflicht. Für deren Einhaltung sind die Eltern verantwortlich“, seien die Mütter und Väter in diesem Schreiben belehrt worden. „Das klingt ja so, als ob wir diese Schulpflicht in irgendeiner Art vernachlässigt hätten“, sagt Alexander Thomas.

Der Vater weist daraufhin, dass sich das Einzugsgebiet der Karl-Popper-Schule weit über die Grenzen Frankfurts hinaus erstrecke. Schüler:innen aus der ganzen Region und aus angrenzenden Bundesländern würden das Gymnasium besuchen. Vergleichbare Schulen suche man vergeblich. „Es ist ja auch hinlänglich bekannt: Die Schulen sind voll, die Klassen überbelegt, es herrscht Lehrermangel“, so Thomas. Das allgemeine Feedback sei entsprechend entmutigend, die Absagen der angefragten Schulen kämen täglich. „Und die Schulpsychologen können auch keine Schulalternativen aus dem Ärmel schütteln, geschweige denn Schulplätze vergeben.“

Zumal es für die Familien eigentlich keine Alternative geben würde. „Wir haben uns bewusst für die Karl-Popper-Schule entschieden. Wir Eltern sind froh, eine Schule gefunden zu haben, wo unsere Kinder so sein dürfen, wie sie sind“, sagt Thomas.

Er berichtet von einem unangekündigten Besuch des Staatlichen Schulamts Anfang dieser Woche. Die Unterrichtsqualität sollte überprüft werden. „Das ist zynisch und für die Kinder in der aktuellen Situation eine Katastrophe, weil sie total verunsichert werden.“ Die Eltern würden sich fragen, warum dies nicht schon vorher, vor der Ankündigung der Schließung geschehen sei. Die Karl-Popper-Schule wurde vor drei Jahren genehmigt und eröffnet – mit dem Ziel, vor allem hochbegabte Kinder und Jugendliche zu fördern. Viele Schüler:innen haben traumatische Erfahrungen an ihren alten Schulen gemacht, wurden gemobbt, haben Ängste und Phobien entwickelt. Manche standen vor dem Schulverweis oder der Nichtversetzung. Einige haben chronische Erkrankungen, ADHS oder Autismus.

„Unsere Kinder sind angekommen an der Schule“, heißt es in dem Brief der Elterninitiative. Viele Kinder hätten zum ersten Mal Anschluss gefunden. Lernlust und Leistung hätten sich verbessert. „Das Staatliche Schulamt lässt unsere Kinder mit der Schulschließung im Stich.“

Am heutigen Donnerstag soll es ein Treffen zwischen der Geschäftsführung der Schule, dem Staatlichen Schulamt und dem Hessischen Kultusministerium geben.

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