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Günter Hehl würde liebend gerne mal wieder Gäste in seinem Apfelweinlokal bewirten.
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Günter Hehl würde liebend gerne mal wieder Gäste in seinem Apfelweinlokal bewirten.

Niederrad

„Die Gasthauskultur passt nicht in eine Pappschachtel“

  • Fabian Böker
    VonFabian Böker
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Die beiden Niederräder Apfelweingaststätten Gass und Hehl haben im Lockdown komplett geschlossen und bieten bewusst keinen Abholservice an. Sie hoffen nun auf bessere Zeiten.

Wer aktuell bei Apfelwein Gass in der Schwarzwaldstraße vorbeiläuft, kann bekannterweise nicht rein. Wie die ganze Gastronomie-Branche hat auch das Niederräder Traditionslokal derzeit geschlossen. Aber ein Schild am Eingang kann den Passanten zumindest ein kleines Lächeln auf die Lippen zaubern. Neben einem Bild eines Tellers mit Grüner Soße und vier halben Eiern steht: „Grün ist die Hoffnung… Liebe Gäste, bleibt fit und haltet noch ein bisschen durch – wir kommen wieder!“

Genau das wollen Thomas und Andrea Eckert, die den Gass, wie nicht nur Niederräder sagen, gemeinsam betreiben: wiederkommen. Wenn es die Situation endlich wieder zulässt. 1990 hat Thomas Eckert den Laden übernommen, der zwar nur über sechs Tische verfügt, aber dank seiner familiären Atmosphäre vielen Gästen als zweites Wohnzimmer dient.

Und das ist das Problem, weshalb der Gass auch wirklich zu ist und keinen Abholservice anbietet. „Die Apfelwein- und Gasthauskultur kann man nicht in eine Pappschachtel packen“, sagt Andrea Eckert. Ein Lokal wie ihres sei nicht dafür geeignet, Essen „to go“ anzubieten. „Das geht mit Pizza und Döner, aber nicht mit unseren Gerichten.“ Wer sich dafür entscheide, in eine Apfelweinwirtschaft zu gehen, der mache das nicht einfach nur des Essens wegen, sagt sie. „Der will auch die Atmosphäre erleben.“

Kontakt

Aktuell sind beide Läden zwar geschlossen. Wer sich aber schon einmal informieren will, was es nach einer Wiederöffnung zu essen gibt, kann das tun.

Ebbelwoi Hehl zeigt sein Angebot unter www.ebbelwoi-hehl.de.

Der Gass ist erreichbar unter www.apfelwein-gass.de. bö

Ganz ähnlich sieht es Günter Hehl, der seit 2019 das Ebbelwoi Hehl in der Schwanheimer Straße betreibt. Auch er bietet keinen Abholservice an. Denn zum einen, sagt er, „kommen die meisten Leute eben am liebsten rein in den Laden“. Wenn das nicht gehe, dann würde sich auch kaum jemand ein Frankfurter Schnitzel oder einen Wurstteller zum Mitnehmen bestellen. Und zum anderen, so ehrlich ist Hehl auch, „lohnt sich das Abholgeschäft für uns nicht“.

Es ist generell eine schwierige Zeit für Hehl. Im ersten Lockdown hatte sein Laden komplett zu. Im Sommer konnte er dann wieder öffnen, „aber wir hatten weniger als die Hälfte an Kundschaft“. Aufgrund der anfangs geltenden Fünf-Quadratmeter-Regel pro Gast konnte er nur zehn Leute innen und 20 draußen bewirten. Nachdem die Regel gerichtlich gekippt wurde und normale Abstandsregeln galten, wurde es zwar etwas besser. Doch Günter Hehl ist froh, dass sein Vermieter, zu dem der Niederräder ein gutes Verhältnis hat, ihm sehr bei der Miete entgegenkommt. Außerdem musste er privat ein Darlehen aufnehmen. Seine zwei Festangestellten haben die Branche verlassen, wie es mit den zwei Aushilfen weitergeht, weiß Hehl noch nicht.

Die Aushilfen beim Gass konnten nicht weiterbeschäftigt werden, trotz der Corona-Hilfen, die im November und Dezember geflossen sind. „Aber anders als vielen jungen Gastronomen geht uns nach 30 Jahren nicht ganz so schnell die Luft aus“, gibt sich Andrea Eckert trotzdem optimistisch. Sie hofft auf einen Sommer, der zumindest so wird wie der im vergangenen Jahr. Da war der bereits erwähnte Wegfall der Quadratmeter-Regel „eine gute Basis für unser Geschäft“, erinnert sich die 56-Jährige. Danach seien die Beziehungen zu vielen Gästen „interessanterweise trotz Masken und Abständen intensiver geworden, durch das Ausfüllen der Kontaktformulare und die vielen Corona-Belehrungen“.

Nun aber eint Gass und Hehl der bange Blick in die Zukunft. Eine Idee wie der von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vorgeschlagene Schnelltest der Gäste vor Ort, unter einem Zelt mit einem ersten Getränk dazu, halten beide Gastronomen für „lebensfremd“. Günter Hehl hat daher einen offenen Brief, unter anderem an Hessens Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) geschrieben, in dem er die Situation der Gastronomen beschreibt und unter anderem fordert: „Wir brauchen einen Plan. Sofort.“ Bisher ohne Antwort.

Zudem treibt Hehl gemeinsam mit anderen die Gründung eines Gewerbevereins voran, um auf die Bedürfnisse der Gewerbetreibenden aufmerksam zu machen. Andrea Eckert orientiert sich derweil an dem Schild an ihrem Eingang und sagt: „Es steckt hoffentlich noch viel Zukunft im Gass.“

Ebbelwoi Hehl befindet sich genau in der Ecke zwischen Kelsterbacher Straße und Schwanheimer Straße. renate hoyer
Mit diesem Schild im Eingangsbereich verbreitet der Gass in der Schwarzwaldstraße Hoffnung.

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