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Das Blaue Haus in Niederrad wird nicht wieder aufgebaut

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Von: Fabian Böker

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Janine Maschinsky betreut die Blaue Wand neben dem Blauen Haus am Niederräder Ufer. Am 5. August wird dort eine neue Ausstellung eröffnet.
Janine Maschinsky betreut die Blaue Wand neben dem Blauen Haus am Niederräder Ufer. Am 5. August wird dort eine neue Ausstellung eröffnet. © christoph boeckheler*

Die Untere Naturschutzbehörde sieht eine Nutzung im Überschwemmungsgebiet kritisch, weil sie nicht an diese Umgebung gebunden sei – zum Ärger des Kunstvereins. Auf dem Gelände wird nun aber erst einmal eine neue Ausstellung eröffnet.

Vor vier Jahren ist das Blaue Haus am Niederräder Ufer abgebrannt. Schnell war klar, dass das Gebäude des gleichnamigen Vereins für Kunst und freie Zeit wieder aufgebaut wird, es gab nur noch Diskussionen über das genaue Konzept. Doch jetzt hat die Sache ein unerwartete Wende genommen: „Leider musste festgestellt werden, dass ein Wiederaufbau des Blauen Hauses an der Stelle nicht zulässig ist“, teilte das Dezernat für Bildung, Immobilien und Neues Bauen mit.

Ein harter Schlag für den Verein, der dort bis zum Feuer im Januar 2018 regelmäßig Theateraufführungen, Filmabende, Lesungen, Konzerte, Ausstellungen, Performances und andere Projekte organisiert hatte. Christine Schottmüller vom Verein ist „verblüfft und enttäuscht“. Sie und ihr Mann Ioannis Kaklamanos fühlten sich getäuscht von der Stadt. 2018, direkt nach dem Feuer, sei ihnen der Wiederaufbau versprochen worden. „Jetzt, nach viereinhalb Jahren, kommt das. Und niemand informiert uns.“

Zu den Gründen für den nun doch nicht möglichen Wiederaufbau sagt eine Sprecherin des Dezernats, dass eine Nutzung des Hauses an den Ort gebunden sein müsse. Sonst sei für einen solchen Eingriff „im Überschwemmungsgebiet des Mains eine Genehmigung nicht möglich“. Es würden aber auch noch „andere Nutzungen, bei denen eine Bindung an den Main wie auch der damit verbundene landschaftsschutzrechtliche Eingriff und die Bebauung im Überschwemmungsgebiet zu rechtfertigen ist, weiterhin geprüft“, so das Dezernat abschließend.

Schottmüller versteht diese Begründung nicht. Es mache den Eindruck, „dass unser Konzept gar nicht gelesen worden sei“. Denn das habe die Umgebung sehr wohl mit einbezogen.

Trotz dieses Rückschlags ist auf dem Gelände noch etwas los. Denn eine Holzkonstruktion ist noch übrig geblieben: die Blaue Wand. Sie wird regelmäßig neu als Ausstellungsfläche bespielt, am 5. August wird die nächste Runde eröffnet. Und diese soll vor allem eins: Hoffnung geben.

Die Ausstellung

Die Vernissage zur Ausstellung findet am kommenden Freitag, 5. August, ab 18 Uhr an der Blauen Wand, Niederräder Ufer 2, statt.

Zu sehen ist das Kunstprojekt dann bis zum 4. September.

Parallel wird das Werk auch digital präsentiert, unter www.janinemaschinsky.de. Dort finden sich auch allerlei Informationen zur Blauen Wand.

Infos zur Künstlerin gibt es zudem unter www.amor-schumacher.de. bö

„Can you remember the future“ heißt das Werk der Schauspielerin und Künstlerin Amor Schumacher. Das mag etwas rätselhaft klingen, aber Schumacher präzisiert das Motto: „Wenn ich eine Zeitreise machen könnte, würde ich immer in die Vergangenheit reisen, die Zukunft wird nur schlimmer.“ Das sind nicht ihre eigenen Worte, sondern eine Aussage, der sie seit zwei Jahren konstant begegne, gerade von Jugendlichen. Deren Zukunftsaussichten hätten sich während der Pandemie erheblich verschlechtert.

Genau dem will Schumacher nun mit ihrer Kunst entgegenwirken. Das weiß Janine Maschinsky, die für die Blaue Wand verantwortlich ist. Sie sei „total gespannt“ auf die neue Ausstellung, die Schumacher eigens für die Blaue Wand konzipiert habe. Zu viel will Maschinsky natürlich noch nicht verraten, „die Leute sollen sich ja vor Ort überraschen lassen“. Aber einen kleinen Einblick gibt sie dann doch. Zu sehen sein wird eine Lamettavorhang-Installation.

Was die Besucher und Besucherinnen dahinter erwartet, sollen diese selbst entdecken. Da die Blaue Wand wie eine kleine Bühne gestaltet ist, „ist es auch denkbar und erwünscht, dass die Leute auch mal hinter den Vorhang greifen oder gehen“.

Vor allem aber sei es auch der Vorhang selbst, der für Überraschungen sorgen kann und soll. „Die Licht- und Windverhältnisse am Mainufer werden durch das Lametta aufgenommen“, so Maschinsky. Soll heißen: Der Blick auf den Vorhang kann an einem Tag völlig anders ausfallen als am anderen. „Es kann alles passieren“, verspricht Maschinsky. Es sei ein Experiment, das vor allem Freiraum für eigene Gedanken bieten soll.

Gedanken, die von „hoffnungsvollen Emotionen geprägt sind, die durch die Ausstellung ausgelöst werden sollen“, beschreibt es die selbstständige Diplom-Designerin noch einmal in anderen Worten. Im Idealfall geht man also mit einem guten Gefühl die Zukunft betreffend wieder nach Hause. So, wie es Maschinsky mit dem diesjährigen Leitthema „Utopia – Jetzt!“ generell an der Blauen Wand vermitteln will.

Zu diesem Thema gibt es alle drei bis vier Wochen eine neue Ausstellung. Diese regelmäßige neue Bespielung ist charakteristisch für das „groß-partizipatorische Kunstprojekt im sozialen Kontext“, wie es sich selbst beschreibt. Es soll offen für alle sein, die sich künstlerisch ausleben wollen. Die Wand wurde schon von Schulen bestückt, von Künstlerkollektiven, von Einzelpersonen. Es gab Plakat- und Installationsformen zu sehen, mal als Sommercollage mit Fotos und Texten, mal als Live-Performance, mal mit bunten Acrylbildern.

Jedes Jahr gibt es ein Leitthema. Das von 2021 – „Utopia – jetzt!“ – wurde für 2022 übernommen. Die Blaue Wand soll neben ihrer Galerie-Plattform auch als Spielraum für neue Ideen, neue Handlungs- und Kommunikationsmöglichkeiten und für gemeinsame Vernetzung stehen, „gerade in verrückten Zeiten wie diesen“.

2018 brannte das Haus ab. Seitdem wartet der Verein auf den Wiederaufbau.
2018 brannte das Haus ab. Seitdem wartet der Verein auf den Wiederaufbau. © Monika Müller
So sah das Blaue Haus vor dem Feuer aus.
So sah das Blaue Haus vor dem Feuer aus. © christoph boeckheler*

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