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Schuhe aus beim Turnen.

Niederrad

Niederrad: Ohne Schuhe in der Schule

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Der Neubau der KGS wartet mit einer ungewöhnlichen Gestaltung auf.

Mit ihren Schuhen in den Händen kommen Ali, Dominik, Shantel und Wadiko aus dem Unterricht ins Treppenhaus gerannt. Erst dort ziehen sich die Schüler eilig ihre Treter an. Denn im Neubau der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Niederrad in der Mainfeldstraße herrscht in allen Räumen mit Teppichboden „Hausschuhzwang“.

Das berichtet am Donnerstagmittag Schulleiterin Eva Seifert, die gemeinsam mit Baudezernent Jan Schneider (CDU) durch die halb fertiggestellte Schule führt. Die Pflicht, ohne Schuhe auf den – je nach Stockwerk verschiedenfarbigen – Teppichböden unterwegs zu sein, hätten die Schüler mit den Lehrern eingeführt, sagt Seifert. Ungewöhnlich, genauso wie die Raumgestaltung des zweistöckigen Flachdachgebäudes in Holztafelbauweise, das als Erweiterungsbau der neu gegründeten KGS dienen soll. In der Goldsteiner Straße, einer ehemaligen Außenstelle der Salzmannschule, hatten KGS-Schüler bereits im vergangenen Jahr ihren Unterricht aufgenommen.

„Das neue Lernhaus hat nicht viel mit klassischer Schule zu tun, wo ich hinter mir Türen zumache“, sagt Seifert. Die offenen Räume seien im Gegensatz zu herkömmlichen Klassenzimmern in „Cluster“ aufgeteilt, in denen aktuell Fünft- bis Siebtklässler jahrgangsübergreifend und in Teams lernten. Nach den Herbstferien sind die ersten 150 Schüler eingezogen. Geplant war der Umzug zu Schuljahresbeginn. „Es war ein extrem sportlicher Fahrplan“, sagt Schneider. Ein Grund für die Verzögerung sei gewesen, dass die „Heizungstechnik nicht an die Fernwärme angeschlossen werden konnte“.

Seifert führt durch Flure, von man denen links und rechts durch fast bodentiefe, breite Glasfronten blicken kann. Auf den breiten Fensterbänken könnten sich Schüler zum Lesen und Schreiben niederlassen, auch auf dem Fußboden. „Wir wollen die Kinder radikal verantwortlich machen für ihr eigenes Lernen“, sagt Seifert. „Der Raum trägt sie zu dieser Verantwortung.“ Ungewohnt sei die Gestaltung von Gebäude und Unterricht insbesondere für die Lehrer. Auch sie selbst habe die meiste Zeit ihrer 20 Berufsjahre in einem konventionellen Raumkonzept mit Klassenzimmern gearbeitet.

Rund 29 Millionen Euro werde der Neubau kosten, der vor einem Jahr begonnen wurde und im kommenden Frühjahr vollständig fertig sein soll, berichtet Schneider. Dann sollen dort 750 Schüler von der fünften bis zur zehnten Jahrgangsstufe unterrichtet werden. 7000 Quadratmeter Fläche werden ihnen zur Verfügung stehen. Eine Brücke, die über die Mainfeldstraße führt, verbindet schon jetzt den fertigen Trakt mit dem benachbarten Rohbau. Durch eine Schranke soll die Straße für den Autoverkehr gesperrt und nur für Anwohner geöffnet werden, während Radfahrer und Fußgänger den Weg nach Abschluss der Bauarbeiten voraussichtlich uneingeschränkt nutzen dürfen.

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