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Bisher hat das Straßenschild nur symbolischen Charakter.

Erinnerungskultur

Niederrad diskutiert über Ehrung für Ettie und Peter Gingold

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Der Ortsbeirat 5 ist uneins in der Frage, ob ein Platz nach den kommunistischen Widerstandskämpfern gegen den Nationalsozialismus benannt werden soll. 

Ein blaues Straßenschild trägt schon jetzt den Namen der antifaschistischen Widerstandskämpfer Ettie und Peter Gingold. Es wurde bei einer symbolischen Benennung im März an der Fläche zwischen Neuwiesenstraße und Reichsforststraße von der Gingold-Erinnerungsinitiative und ihren Unterstützern aufgehängt. Dabei seien fast 200 Menschen zusammen gekommen, sagt Sprecher und Gründer Peter C. Walther. Dem provisorischen Schild soll ein Echtes folgen.

Schon seit fast zehn Jahren fordert die Initiative mit Unterstützern aus Politik, Gewerkschaften, Verbänden und Bürgern, eine Straße, einen Platz oder eine öffentliche Einrichtung nach dem Ehepaar zu benennen. Da die Gingolds in der Reichsforststraße gelebt hätten, sei die Idee geboren, den Platz, der bislang keinen Namen trage, nach ihnen zu benennen, so Walter. Der Ernennung muss der zuständige Ortsbeirat 5 zustimmen. Doch die Stadtteilpolitiker sind sich nicht einig.

Die SPD steht hinter dem Vorstoß. „Wir wollen versuchen, dieses Jahr einen Antrag dazu zu stellen“, sagt Sozialdemokratin Petra Korn-Overländer. Allerdings wolle sie vorher sicher gehen, dass dieser auch eine Mehrheit bekommt. Denn falls der Antrag abgelehnt wird, kann erst wieder in drei Jahren ein neuer gestellt werden. Und die SPD kommt oft nicht gegen die Koalition im Gremium aus Grünen, CDU und FDP an.

Ettie und Peter Gingold waren Kommunisten. Für CDU und FDP ist das ein Problem.

In der kommenden Sitzung des Ortsbeirats am Freitag, 10. Mai, will die Erinnerungsinitiative in der Bürgerfragestunde nochmal ihr Anliegen vorstellen. Korn-Overländer hofft, dass das ihre Kollegen überzeuge. Man könne ja nicht über dem stehen, was die Bürger wünschen. „Und gerade in den heutigen Zeiten, ist es wichtig, ein klares Bekenntnis gegen Rassismus zu geben.“

Das Engagement der Gingolds sei aller Ehren wert. So sehen es auch die Linken. „Eine Benennung ist längst überfällig“, sagt Knut Dörfel. Er könne nicht nachvollziehen, dass sich einige sperren. Dörfel hofft, dass sich jedes Ortsbeiratsmitglied frei entscheidet - ohne Fraktionsdruck. Die CDU werde den Antrag nicht unterstützen, sagt Fraktionsvorsitzender Martin-Benedikt Schäfer. „Das Engagement gegen den Nationalsozialismus begründet noch keine Platzbenennung.“ Für die CDU spräche die Mitgliedschaft in einer kommunistischen Partei und der SED gegen eine Benennung. Die FDP hatte sich aus den gleichen Gründen bereits öffentlich gegen die Benennung ausgesprochen.

Diese Motive kann Walther nicht nachvollziehen. Man würdige ja das Wirken der Gingolds als antifaschistische Widerstandskämpfer. Das sei bundesweit nicht unüblich. Walther hatte Peter Gingold selbst noch gekannt, sie waren gut befreundet. Auf öffentlichen Veranstaltungen und Schulen habe Gingold als Zeitzeuge von seinen Erlebnissen erzählt und wichtige Aufklärungsarbeit geleistet. „Mit seiner unorthodoxen Art hat er besonders die Jugendlichen angesprochen.“ Die Grünen-Fraktion im Ortsbeirat ist sich noch uneinig. „Wir wollen den Vortrag der Initiative abwarten, bevor wir uns entscheiden“, sagt Mitglied Claudia Zippel. Doch sie hofft, dass der Ortsbeirat zu einer gemeinsamen Lösung kommt und keine knappe Mehrheit entscheidet. Denn eigentlich sollten die meisten Stadtteilpolitiker mit der Benennung einverstanden sein, das sei so üblich. Es gebe ja auch die Möglichkeit sich zu enthalten, sagt Walther, wenn man dem Vorschlag nicht zustimmen wolle.

Die Erinnerungsinitiative spricht in der Ortsbeiratssitzung am Freitag, 10. Mai, um 19 Uhr in der Katholischen Kirchengemeinde Mutter vom Guten Rat, Bruchfeldstraße 51.

Leserbriefe

Nach einem ersten Bericht über den Konflikt hatten mehrere Leserreaktionen die FR erreicht. So zeigt sich Ise Karrenberg "enttäuscht" vom Ortsbeirat und erinnert daran, dass die Gingolds vor dem NS-Regime aus Deutschland fliehen mussten und "in der französischen Résistance ihr Leben für ein freies und friedliches Deutschland riskiert" hatten. 

Leserin Barbara Krämer-van de Loo schreibt: "Wer wie ich im Bildungswesen gearbeitet hat, weiß, wie wichtig es ist, konkrete Personen zu zeigen, die es geschafft hatten, dem Nazi-Terror die Stirn zu bieten und ihr Leben lang für Frieden und ein gedeihliches menschliches Zusammenleben einzutreten." 

Ettie und Peter Gingold seien Kommunisten gewesen, aber keineswegs dogmatisch, sondern freundlich und optimistisch. das betont Marianne Friemelt. In einer Zeit, in der rechte Gewaltfantasien das demokratische Miteinander gefährdeten, sei es an der Zeit, nach Menschen wie den Gingolds nicht nur einen kleinen Platz, sondern am besten eine ganze Schule zu benennen.

Lesen Sie dazu: Silvia Gingold, die Tochter des Paares, klagt gegen den Verfassungsschutz

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