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Auf dem freien Feld hinter Ortsvorsteher Ernst Peter Müller könnte ein neues Gewerbegebiet entstehen. peter juelich
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Auf dem freien Feld hinter Ortsvorsteher Ernst Peter Müller könnte ein neues Gewerbegebiet entstehen.

Das Jahr im Ortsbeirat 15

„Wir sind uns einig, was die Ablehnung angeht“

  • Fabian Böker
    vonFabian Böker
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Ortsvorsteher Ernst Peter Müller (CDU) spricht im Bilanzinterview unter anderem über das mögliche Gewerbegebiet an der Züricher Straße, den Protest dagegen und über ein fehlendes Verkehrskonzept.

Der Bewährungshelfer Ernst Peter Müller (CDU) ist seit 2001 im Ortsbeirat 15, seit 2016 fungiert er als Ortsvorsteher.

Welche Auswirkungen hatte die Corona-Pandemie auf Betriebe und Vereine im Ortsbezirk? Sind die Hilfen angekommen?

Die Mittel des Ortsbeiratsbudgets sind nach den Kürzungen in der Vergangenheit für einen relativ kleinen Stadtteil zu bescheiden, um effektive Hilfe leisten zu können. Ich freue mich, dass wir eine Spende der Eheleute Hübner in Höhe von 2000 Euro aus der Weihnachtsbaumbeleuchtung am Darmstädter Hof unserem TuS Nieder-Eschbach zukommen lassen können.

Bestimmendes Thema war und ist aktuell in Nieder-Eschbach das geplante Gewerbegebiet an der Züricher Straße. Wie sehen Sie die Chancen, dass das verhindert werden kann?

Unser Stadtteil hat eine lange Tradition im Widerstand. Zwar konnten wir die Zwangseingemeindung am 1. August 1972 nicht verhindern, aber der Protest gegen die geplante Verlegung des Frankfurter Schlachthofes in den Bereich, in dem sich heute Hornbach und Ikea befinden, war schon erfolgreich gewesen. Es heißt für den Ortsbeirat 15 jetzt wieder: Nieder-Eschbach wehrt sich.

Warum genau wehren Sie sich gegen die Pläne?

Das sind vor allem drei Gründe: Klima, Naherholung und Verkehr. Die jetzt noch freie Fläche ist ein Bereich der Taunuswinde und ein Kaltluftentstehungsgebiet. Das städtische Klima wäre in Gefahr, wenn die Felder dort bebaut würden. Außerdem dient das Areal seit Jahren der Naherholung, nicht nur für die Nieder-Eschbacher und Nieder-Eschbacherinnen.

Ortsbeirat

Zuständig ist der Ortsbeirat für Nieder-Eschbach, wo 11 518 Menschen leben (Stand 31.12.2019).

In dem Gremium sitzen 19 Personen. Sieben Sitze davon entfallen auf die CDU, je vier auf SPD und Grüne, zwei auf die BFF und je einer auf die FDP und die Freien Wähler.

Die nächste Sitzung findet am Freitag, 15. Januar, um 19.30 Uhr im Saalbau, Ben-Gurion-Ring 110 a, statt.

Die FR blickt mit allen 16 Ortsvorsteherinnen und Ortsvorstehern in Frankfurt zurück auf das Jahr 2020. Die Serie erscheint in loser Folge. bö

Auf das Thema Verkehr kommen wir gleich noch zu sprechen. Wie könnte denn eine Alternative aussehen?

In Nieder-Eschbach gibt es einigen Leerstand, vor allem in den bestehenden Gewerbegebieten. Den müsste man einfach mal erfassen, zum Beispiel mit Hilfe der städtischen Wirtschaftsförderung. Gerade für die kleineren Handwerksbetriebe, die nach Angaben der Stadt ganz besonders von dem neuen Gewerbegebiet profitieren würden, gebe es dann garantiert passende Flächen.

Wie will der Ortsbeirat weiter vorgehen?

Wir sind uns fraktionsübergreifend einig, was die Ablehnung angeht. Das ist bemerkenswert, weil es in der Vergangenheit auch immer mal wieder Druck aus den Römerfraktionen gab. Diesmal nicht. Wir werden weiterhin die Gespräche mit den zuständigen Stellen bei der Stadt suchen. Außerdem möchte ich gerne Planungsdezernent Mike Josef zu einem Vor-Ort-Termin einladen. Und wir werden, wie bisher auch, eng mit der Bürgerinitiative „Nieder-Eschbach wehrt sich“ zusammenarbeiten.

Sie hatten das Thema Verkehr angesprochen. Das hängt natürlich auch mit den anderen Baugebieten zusammen, die Ihren Stadtteil und den Ortsbeirat beschäftigen: Eschbachtal/Bonames-Ost, Nieder-Eschbach-Süd, Am Hollerbusch – wo gibt es konkrete Fortschritte?

Aktuell beginnt die Bautätigkeit im Bereich Am Hollerbusch. Wann sich etwas im ehemals Bonames-Ost betitelten Baugebiet tun wird, ist für mich nicht absehbar. Vor dem Hintergrund des aktuellen Wohnraumbedarfs in Frankfurt hätte ich doch sehr erwartet, dass die Stadtplanung dem mit den nördlichen Stadtteilen gefundenen Kompromiss der 1580 Wohneinheiten folgt. Da sie das nicht tut, muss man doch annehmen, dass die Bedarfe gar nicht so groß sind.

Mit einer solchen Verdichtung geht dann meist auch ein erhöhtes Verkehrsaufkommen einher. Welche Probleme erwarten Sie konkret? Und bekommen Sie dabei Unterstützung von der Stadt?

Das Verkehrsaufkommen in Nieder-Eschbach ist in Ermangelung eines Verkehrskonzeptes zur Entlastung der hier bereits lebenden Menschen inzwischen nicht mehr schön. Neben den in den nächsten zehn Jahren zu erwartenden Bautätigkeiten in Nieder-Eschbach entstehen in den Nachbargemeinden und Stadtteilen fröhlich Neubaugebiete, die uns als Durchgangsort weitere Verkehrsbelastungen bringen werden. Von der Stadtplanung, die uns immer nur kleinteilige Vorstellungen bietet, kommt da leider überhaupt nichts. Vor wenigen Wochen hatte ich das Vergnügen, mit Stadtrat Markus Frank und der Stadtpolizei eine sogenannte Sicherheitsbegehung im Quartier zu machen. Als wir dabei in der Höhe unserer Feuerwache in der Deuil-la-Barre-Straße gestanden haben, war Herr Frank doch sehr überrascht gewesen über das äußerst starke Verkehrsaufkommen an einem Mittwochmittag in unserem Dorf.

Gab es denn 2020 auch Positives zu vermelden?

Zu den fraglos positiven Ereignissen im Jahr 2020 zähle ich den Kunstrasenplatz auf der Bezirkssportanlage, die Entscheidung für die Modernisierung unseres Freibades, den Erhalt und die bevorstehende Erweiterung des Bürgeramtes im alten Rathaus und die Ankündigung, dass doch noch nach mehr als 30 Jahren der Radweg nach Nieder-Erlenbach kommen soll. Auch begrüßen wir, dass der Anregung des Ortsbeirats 15 zur Neugestaltung des Außengeländes des Jugendhauses am Bügel gefolgt werden soll. Besonders freue ich mich über die Modernisierung und Erweiterung unserer Otto-Hahn-Schule. In diesem Zusammenhang wird nun endlich bis Ende 2022 auch der Neubau der jetzt maroden Schulturnhalle I erfolgen können.

Haben Sie einen bestimmten Wunsch für 2021, was den Ortsbeirat und den Stadtteil betrifft?

Mein Wunsch für 2021 ist, dass wir gemeinsam die Vorbereitungen zum Jubiläum im Jahr 2022, der ersten urkundlichen Erwähnung Aschebachs im Lorscher Codex vor 1250 Jahren, mit breiter Unterstützung angehen können. In diesem Zusammenhang wäre es sehr schön, wenn Örtlichkeiten wie der lange vernachlässigte Bieberpark und der Waldsprudel im Pfingstwäldchen eine Aufwertung und Reaktivierung durch die Stadt erfahren würden. Die Realisierung der Taufe einer U-Bahn auf den Namen Nieder-Eschbach durch die VGF wäre im Jahr vor unserem Jubiläum auch eine tolle Sache.

Interview: Fabian Böker

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