An der Weimarer Straße im Baugebiet Nieder-Eschbach wird bereits kräftig gebaut. Foto: Monika Müller
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An der Weimarer Straße im Baugebiet Nieder-Eschbach wird bereits kräftig gebaut. Foto: Monika Müller

Nieder-Eschbach

Nieder-Eschbach: Bürger befürchten mehr Staus

Planer stellen Verkehrsgutachten für zwei Neubaugebiete im Süden des Stadtteils vor. Demnach fahren am Hollerbusch künftig etwa 1000 Fahrzeuge am Tag mehr als heute, in Nieder-Eschbach-Süd zusätzlich 2420 Autos.

Dass Nieder-Eschbach unter Staus leidet, ist bekannt. Ob der Bau von 250 Wohnungen am Hollerbusch und weiteren 550 in Nieder-Eschbach-Süd so geplant werden kann, dass der Stadtteil nicht kollabiert, bezweifeln Alteingesessene. Am Freitagabend sind viele Bürger zur Ortsbeiratssitzung gekommen. Sie wollen wissen, wie das Verkehrsgutachten zur Entwicklung der Wohngebiete aussieht. Die Verkehrsplaner Jörg Stellmacher-Hein und Kerstin Dörl vom Stadtplanungsamt stellen die Ergebnisse vor.

Das Gutachten sei nach der höchsten anzunehmenden Verkehrsdichte erstellt worden, sagt Stellmacher-Hein. Gerechnet hätten sie mit der Annahme, dass 60 Prozent der Bewohner mit dem Auto fahren und 20 Prozent als Fußgänger oder Radfahrer unterwegs sind und weitere 20 Prozent die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Immerhin liegt die nächste U-Bahn-Station fast vor der Haustür.

„Dabei gehen wir von 1,2 Autos pro Wohneinheit aus und 3,3 Strecken pro Bewohner am Tag“, sagt Dörl. Am Hollerbusch fahren dann etwa 1000 Fahrzeuge am Tag mehr als heute, in Nieder-Eschbach-Süd zusätzlich 2420. In den Spitzenzeiten sei am Hollerbusch mit 80 und 110 mehr Fahrzeugbewegungen zu rechnen und in Nieder-Eschbach-Süd mit 210 und 240, die aus dem Stadtteil morgens raus und nachmittags wieder reinfahren würden.

Er sei sich bewusst, dass das rechnerisch kein Problem wäre, in der Realität allerdings anders aussehen könne, sagt Dörl. Die Zählungen hat das Amt 2018 gemacht und ebenfalls eine Videobeobachtung des Verkehrs. Stellmacher-Hein sagt, dass er persönlich Testfahrten unter der Woche zu Hauptverkehrszeiten gemacht habe. „Es gab stockenden Verkehr. Im Schnitt habe ich im Stau nicht länger als 2,5 bis 4,5 Minuten gestanden. Wenn man in der Stadt leben und Wohnungen bauen will, ist das vertretbar“. Er bezieht sich auf die Deuil-La-Barre-Straße.

Das sehen Bürger anders. „Wer aus Seitenstraßen kommt, schafft es kaum auf die Straße. Und wenn Müllautos unterwegs sind oder angeliefert wird, geht jetzt schon nichts mehr“, empört sich eine Frau. „Von der Bahnschranke, die ebenfalls regelmäßig den Verkehr stoppt, gar nicht zu reden.“ 250 weitere Autos können nach Ansicht der Besucher nicht funktionieren. Schon jetzt schlängle sich die halbe Wetterau durch Nieder-Eschbach.

„Wir haben die Berechnungen sehr hoch angelegt, damit es später keine bösen Überraschungen geben kann“, sagt Stellmacher-Hein. „Im Stadtgebiet haben wir 35 Prozent Autos, hier gehen wir von 60 Prozent aus.“ Auch das Umland sei berücksichtigt worden und die künftigen Veränderungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln. „Wir stecken mitten in der Verkehrswende.“

Eine Umgehungsstraße am Landschaftsschutzgebiet sehen die Verkehrsplaner nicht. „Die Ämter sehen den ökologischen Nutzen höher an als den Bau einer Straße. Stattdessen setzen wir darauf, den Autoanteil zu senken und den Radverkehr zu verbessern.“

Es bleiben Zweifel. Über die hohe Luftverschmutzung im Ort, zunehmenden Lärm, zu den engen Straßen und der Gefährdung von Fußgängern und Radfahrern. Ortsvorsteher Ernst Peter Müller (CDU): „Wir brauchen eine Gesamtlösung. Für mich ist das Gutachten eine reine Rechtfertigung. Es geht um unser aller Lebensqualität in der Zukunft.“

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