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Eine Suppe wie von Mama

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Von: Sebastian Theuner

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Köchin Theodora Lazou, ihre Helferin Helene Gläser-Gulsad und Stammgast Barbara Steffan (v.l.) vor dem Quartiersbüro im Ben-Gurion-Ring 56. Jeden Donnerstag gibt res dort für 1,50 Euro eine Suppe zum Mittagessen.
Köchin Theodora Lazou, ihre Helferin Helene Gläser-Gulzad und Stammgast Barbara Steffan (v.l.) vor dem Quartiersbüro im Frankfurter Ben-Gurion-Ring 56. Jeden Donnerstag gibt res dort für 1,50 Euro eine Suppe zum Mittagessen. © Monika Müller

Theodora Lazou kocht für die Menschen, die im Frankfurter Ben-Gurion-Ring leben. Ihr Suppenteller-Angebot im Quartiersbüro hat sich zum Treffpunkt entwickelt.

Die ersten Gäste von Theodora Lazou waren Offiziere der US-Armee. Lazou war gerade 17, als sie in den USA in einer Küche aushalf, in der für Soldaten gekocht wurde. Kurz nachdem sie den Job angetreten hatte, erkrankte der Koch. Spontan übernahm Lazou dessen Arbeit. Heute bereitet die 64-Jährige einmal die Woche in der Küche des Quartiersbüros im Ben-Gurion-Ring 56 eine Suppe zu. Für die Bewohner:innen des Viertels in Nieder-Eschbach; für Menschen, die dort arbeiten; oder solche, die zufällig vorbeikommen.

Jeden Donnerstagmittag steht Lazou, die vor 15 Jahren nach Deutschland kam, am Herd. Eine kleine Frau mit herzlich-energischer Ausstrahlung, aber sanfter Stimme. „Suppenteller“ heißt das Angebot, das Anfang April gestartet ist. Die Idee kam Lazou, die selbst im Ring wohnt, noch vor Corona beim Einkaufsbummel mit einer Nachbarin. Diese hatte unterwegs Lust auf ein „Süppchen“. Die Verkleinerungsform kannte Lazou, die im Norden Griechenlands aufgewachsen ist, nicht. Ihre Nachbarin klärte sie auf. „Suppe“, sagt Lazou, „ist eine Sache für Mamas und Omas“.

Frankfurt: Jeden Donnerstagmittag wird gekocht

Das Kochen lernte sie von ihrer Großmutter, die aus Indien stammt. Bei ihren ersten Versuchen sei sie vier Jahre alt gewesen, erzählt sie. Ihr späterer Chef in den USA sei von ihrem Talent so begeistert gewesen, dass er sagte: „Du gehörst in die Schule! Ich bezahle das.“ Nach ihrer Kochausbildung spezialisierte sich Lazou auf das Kochen für Kinder.

Wenn Lazou heute am Bügel kocht, weicht ihr Helene Gläser-Gulzad nicht von der Seite. Die gebürtige Algerierin wohnt ebenfalls im Ring. Eine Kochausbildung hat die 59-Jährige aber nie gemacht. Deshalb ist sie beim „Suppenteller“ vorrangig fürs Lauch- und Möhrenschneiden zuständig.

„Wo ist die Zwiebel? Du musst die Zwiebeln schneiden, Helene!“ weist Lazou ihre Freundin an, als sie zusammen Minestrone zubereiten. Kurz darauf reicht sie eine Tasse mit Brühe. „Das ist die Basis, sehr wichtig!“ Nacheinander verschwinden passierte Tomaten, Tomatenmark, Gewürze und Pasta im Kochtopf.

Frankfurt: „Suppenteller“ hat sich als Treffpunkt in Nieder-Eschbach etabliert

Donnerstags stehen vor Quartiersbüro dekorierte Tischgarnituren. „Es ist einfach schön, wie die beiden drei läppische Tische in ein kleines Restaurant verwandeln“, lobt Joshua Kissel vom Quartiersmanagement. Der „Suppenteller“ habe sich als Treffpunkt etabliert, berichtet seine Kollegin Wibke Hübener. Nach den Corona-Beschränkungen sei ein solches Angebot für die Bewohner:innen wichtig. Wenn es den Leuten schmecke und sie miteinander ins Gespräch kämen, sei sie zufrieden, sagt Lazou.

Das Suppen-Teller-Angebot hat sich zum Treffpunkt etabliert.
Das Suppen-Teller-Angebot hat sich zum Treffpunkt etabliert. © Monika Müller

Vom Verfügungsfonds Frankfurt gab es zum Projektstart 1000 Euro, „damit wir Kochutensilien besorgen und den Küchenraum umbauen konnten“, erklärt Kissel. Der Fonds unterstützt bürgerschaftlich orientierte Projekte und solche, die das gemeinwohlorientierte Engagement stärken.

Frankfurt: Trinkgeld geht an Kinder- und Familienzentrum

Um fünf vor zwölf läuft Theodora Lazou aus der Küche, in ihren Händen hält sie einen großen Topf. „Achtung, Achtung, die Suppe kommt!“, ruft sie ihren Gästen zu. Zu den ersten gehört Barbara Steffan. Sie ist Sozialarbeiterin bei der katholischen Gemeinde und kommt in ihrer Mittagspause zum Quartiersbüro. „Man wird hier liebevoll bedient“, findet sie.

Theodora Lazou (r.) und Helene Gläser-Gulsad am Herd.
Theodora Lazou (r.) und Helene Gläser-Gulzad  am Herd. © Monika Müller

Auf dem Speiseplan standen auch schon orientalische Linsensuppe oder Süßkartoffel-Kichererbsen-Suppe; jede Woche gibt es etwas anderes - jedes Mal mit Brot. 1,50 Euro kostet die Mahlzeit. „Das Trinkgeld geht an das Kinder- und Familienzentrum Regenbogen“, sagt Lazou. Kürzlich hat sie ein Kochbuch geschrieben, dessen Erlöse Straßenkindern in Kambodscha zugutekommen sollen.

Zwanzig bis dreißig Gäste hat der „Suppenteller“ jeden Donnerstag zwischen 12 und 14 Uhr im Quartiersbüro, Ben-Gurion-Ring 56. Fast immer da ist eine Gruppe von Seniorinnen, die im Bügel wohnen. „Wenn man hier zusammensitzt und sich unterhält, schmeckt es noch besser“, sind sich die Frauen einig. Dann kommen sogar Kindheitserinnerungen auf. Die Minestrone etwa schmecke wie Mama sie früher gekocht habe. (Sebastian Theuner)

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