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Erste Stolpersteine für Nieder-Eschbach

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Von: Sabine Schramek

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Bisher gab es noch keine Stolpersteine in Nieder-Eschbach. Am Montag wurden gleich zehn der Betonquader, auf deren Oberfläche eine Messingplatte Informationen über das Leben der von Nazis verfolgten Menschen eingeschlagen sind, von dem Künstler Gunter Demnig verlegt.
Bisher gab es noch keine Stolpersteine in Nieder-Eschbach. Am Montag wurden gleich zehn der Betonquader, auf deren Oberfläche eine Messingplatte Informationen über das Leben der von Nazis verfolgten Menschen eingeschlagen sind, von dem Künstler Gunter Demnig verlegt. © Sabine Schramek

Messingplaketten von Künstler Gunter Demnig erinnern an Nazi-Opfer. Schüler und Schüklerinnen der Otto-Hahn-Schule haben sich mit der Geschichte der Menschen befasst.

An die Gräueltaten der Nazi-Herrschaft erinnern jetzt auch in Nieder-Eschbach Stolpersteine. Bei Eiseskälte kniet Künstler Gunter Demnig auf Bürgersteigen, entfernt Pflastersteine und schafft Platz für die Betonsteine mit den Messingplatten. Gut 100 Menschen aus dem Stadtteil wollen dabei sein und sehen still und betroffen zu.

Vor dem Bathgartenweg 7 wird Karl Bruder gedacht, der 1940 denunziert und im Alter von 23 Jahren von Nazis „zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ in Gießen zwangssterilisiert wurde. Bruder litt an Epilepsie. Er kehrte zurück in das Haus, in dem heute noch sein Neffe Jürgen Karl Bruder lebt. Schüler:innen der Otto-Hahn-Schule berichten in kurzen, harten Fakten über das Leid des Mannes, der nur 57 Jahre alt wurde und nach der später isoliert blieb.

Jürgen Karl Bruder ist Pate des Stolpersteins. „Jeder soll damit ermahnt werden, dass man nie wieder in die Falle von damals tappt“, sagt er und richtet seine Worte vor allem an die junge Generation. „Informiert Euch, lest Zeitung und im Internet.“ Wichtig sei es, sich eine eigene Meinung zu bilden, „um solche Unmenschlichkeit zu verhindern. Die Geschichte zu kennen, bedeutet nicht, sie zu akzeptieren oder zu verzeihen. Es bedeutet auch, die Gegenwart intensiv mitzugestalten und zu interagieren. Seid kritisch!“

Gleich um die Ecke vor dem Haus Alt-Niedereschbach 15 legt Demnig den nächsten Stolperstein. Insgesamt 96 000 Steine hat er seit 1996 in 24 Ländern verlegt. 2000 davon in Frankfurt als Teil des größten dezentralen Mahnmals der Welt. „Hier wohnte Sidonie Müller, geb. Hess. JG. 1874, deportiert 1942 Theresienstadt. 1942 Treblinka ermordet“ steht auf der Plakette, die kurz danach mit Rosen geschmückt wird. Zehntklässler:innen der Schule haben sich in die Jüdin hineinversetzt auf ihrem Transport ins Ungewisse nach Treblinka.

Ghettohaus in der Niedenau

Martin Dill vom Verein Initiative Stolpersteine Frankfurt erklärt, dass der Ehemann der Jüdin, die von den Nazis ermordet wurde, im Ersten Weltkrieg gefallen ist. Sie blieb allein. Bis 1939 hat sie in Nieder-Eschbach gewohnt, ab März im Jüdischen Altersheim in der Niedenau 25, das damals „Judenhaus“ und „Ghettohaus“ genannt wurde und zur Sammelunterkunft zur Deportation umgewandelt wurde.

Zeitgleich war auch das Ehepaar Ehrlich dort. Seligmann „Sally“ und seine Frau Lina lebten mit ihren Kindern Bernhard und Rodolf An der Walkmühle, die früher Friedenstraße hieß, 19a. Sally war drei Monate im KZ Sachsenhausen. Alle konnten 1939 nach Argentinien fliehen. Siegmund Ehrlich und seine Frau Malchen lebte mit ihren Kindern Frieda und Ilse in der Deuil-la-Barre-Straße 44. 1935 flohen die Kinder in die USA, die Eltern folgten später. Ehrlich war 1936 in Gießen in Haft und wurde später im KZ Sachsenhausen gefoltert.

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