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Einst waren es fünf Äcker in „Aschebach“

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Die Deuil-La-Barre-Straße um 1900. Damals hieß sie noch schlicht Hauptstraße.
Die Deuil-La-Barre-Straße um 1900. Damals hieß sie noch schlicht Hauptstraße. © Heimat- und Geschichtsverein Nie

Vor 1250 Jahren wurde der nördliche Stadtteil erstmals erwähnt. Das Jubiläum feiern die Nieder-Eschbacherinnen und Nieder-Eschbacher mit einem ganzjähriges Festprogramm.

Am Anfang waren es nur fünf Äcker in „Aschebach“ im Niddagau, die in einer Urkunde am 1. Juni 772 erwähnt werden. Ein gewisser Adelhart schenkte das Land im 4. Regierungsjahr von König Karl des Großen an das Kloster Lorsch. Genau 1250 Jahre ist das jetzt her, und aus dem Aschebach, das wohl vom Althochdeutschen ascapah für „Ort“ herrührt, an dessen Bach Eschen wachsen, ist inzwischen der Frankfurter Stadtteil Nieder-Eschbach geworden.

Für das nördliche Quartier ist das Jahr 2022 ein ganz besonderes. Dabei jährt sich nicht nur die erste urkundliche Erwähnung. Es ist auch genau ein halbes Jahrhundert her, dass Nieder-Eschbach nach Frankfurt eingemeindet worden ist. Und als wäre es damit nicht genug, pflegt die einst eigenständige Gemeinde seit runden 55 Jahren eine Städtepartnerschaft mit der französischen Ortschaft Deuil-La-Barre – die einzige Städtepartnerschaft eines Frankfurter Stadtteils. Drei gute Gründe, ein Festjahr auszurufen.

Bereits seit 2007 beschäftigt sich der Heimat- und Geschichtsverein Nieder-Eschbach mit dem großen Jubiläum, berichtet der Zweite Vorsitzende Wolfram Reuter. Damals haben sich die Mitglieder erstmals Gedanken gemacht, ihre Chronik zu überarbeiten. Im Laufe der Jahre nahm das Projekt immer mehr Gestalt an, es folgten Themenlisten. 2018 wurde ein eigener Verein ins Leben gerufen, der sich nur mit der Organisation des Festjahres beschäftigt und entsprechend den Namen „1250 Jahre Nieder-Eschbach“ trägt.

Inzwischen ist die Chronik fast fertig. „Wenn wir Glück haben, wird sie 772 Seiten stark“, sagt Reuter, „ein Monumentalwerk“, dessen Fertigstellung das Land Hessen und weitere Sponsoren unterstützen. An Ostern soll ein erstes Ansichtsexemplar erscheinen.

Der Wälzer wird über die Geschichte Nieder-Eschbachs berichten, von der ersten Besiedlung 6000 vor Christus, den Kelten, dem Dreißigjährigen Krieg und den drei Kaiserparaden von Wilhelm I. und Wilhelm II., bei denen sich bis zu 36 000 Soldaten im kleinen Nieder-Eschbach präsentierten. Auch die Auswirkungen des Ersten und Zweiten Weltkriegs und die Gräueltaten der Nazis an der jüdischen Bevölkerung werden thematisiert sowie die Partnerschaft mit Deuil-la-Barre, erläutert Reuter.

Nieder-Eschbach habe in der Geschichte jedoch nie eine besondere Rolle gespielt, sagt Michael Paul, der Vorsitzende des Organisationsvereins. „Doch von den Menschen hier gibt es viel zu erzählen.“ Sei es von Familien, die nach Nordamerika auswanderten, um sich am Sezessionskrieg zu beteiligen. Oder von den ehemaligen Bewohner:innen der Hofgüter, die es einst im Stadtteil gegeben hat. In den vergangenen Jahren haben die Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins Interviews mit älteren Nieder-Eschbacherinnen und Nieder-Eschbachern geführt sowie Überlieferungen und Tausende Fotos gesammelt, berichtet Reuter. Viele Erzählungen und Bilder werden in der Chronik einen Platz finden.

Das Programm zum Festjahr

Lichtblicke, 9. März, 20 Uhr, Licht- und Schatten-Performance, Otto-Hahn-Schule, Urseler Weg 27.

Sound of Spirit , 19. März, 19.30 Uhr, Konzert mit Mittelalter-, Folk-, Film- und Fantasymelodien in der katholischen Kirche St. Stephanus, Deuil-La-Barre-Straße 2, Eintritt frei. Spenden erbeten.

Lichtblicke mit Abendgottesdienst , 20. März, 18 Uhr, Beleuchtung des Turms und des Gartens der evangelischen Kirche mit Projektionen zur Geschichte Nieder-Eschbachs, Deuil-La-Barre-Straße 74.

Hahnsinn-Ausstellung, 29. März, 16 Uhr, Ausstellung mit Kunstwerken aus allen Klassenstufen der Otto-Hahn-Schule; Schüler:innen führen durch die Aula. Eintritt ist frei, Spenden erbeten.

North-Side-Story Musical , 19. Mai, 18.30 und 19.30 Uhr, Eigenproduktion der Theater- und Musikkurse der Otto-Hahn-Schule, Urseler Weg .

Festkommers, 24. Juni, Auftakt zum Festwochenende in der Gaststätte Darmstädter Hof, An der Walkmühle 1.

Bläserkonzert mit Sybille Mahni, 25. Juni, in der evangelische Kirche.

Auftakt zum Festwochenende , 1. Juli, Darmstädter Hof, An der Walkmühle 1, mit einer Lesung von Meddi Müller mit musikalischer Begleitung.

Markt der Vereine und ökumenischer Gottesdienst, 3. Juli, Festplatz an der Deuil-La-Barre-Straße.

Eschbacher Erzählungen , 3. Juli, Geschichten und filmische Erzählungen des Heimat- und Geschichtsvereins im Darmstädter Hof

Ausführliches Programm und Buchungen im Internet unter www.1250nieder-eschbach.de bos

Am Festwochenende Anfang Juli soll das Buch erstmals verkauft werden. Die Nieder-Eschbacher und Nieder-Eschbacherinnen wollen ihr Jubiläum dann mit einem umfangreichen Programm feiern, sagt der Zweite Vorsitzende des Organisationsvereins, Gerhard Raab. Ein Markt der Vereine sei geplant, an dem sich alle Institutionen und Clubs aus dem Stadtteil vorstellen können. Auf einer Bühne soll es Musik geben und Platz für Tanz und Aufführungen. Vertreter:innen der Partnerstadt Deuil-la-Barre haben ihr Kommen angekündigt.

Doch auch in den Monaten davor und danach wird einiges geboten. So finden Konzerte in der katholischen und evangelischen Kirche statt, der Heimat- und Geschichtsverein organisiert die „Eschbacher Erzählungen“, bei der Anekdoten von früher erzählt werden. Die Leiterin des Denkmalamts, Andrea Hampel, habe zugesagt, einen Vortrag zu Ausgrabungen und Funden in der Region zu halten.

Noch steht nicht das ganze Programm. Der Verein arbeite etwa daran, im September einen Mittelaltermarkt nach Nieder-Eschbach zu holen, verrät Michael Paul. Allerdings sei dies kompliziert, „da gibt es vorher noch einiges zu klären“. Diese und nächste Woche finden bereits Veranstaltungen in den beiden Kirchen und an der Otto-Hahn-Schule statt.

Die Kooperative Gesamtschule spielt für das Festjahr eine große Rolle. Bereits 2018 hat sie sich mit dem Organisationsverein zusammengesetzt und überlegt, wie sie sich einbringen kann, sagt Lehrer Daniel Scharfenberger. Dabei habe nicht etwa nur eine Klasse mitgewirkt, sondern die ganze Schulgemeinschaft, „wir haben fach- und jahrgangsübergreifend gearbeitet“. Herausgekommen sind eine ganze Reihe von Angeboten, wie etwa die Veranstaltung Lichtblicke am 9. März, bei der Schülerinnen und Schüler Gäste mit Chemie, Schatten, Lightpainting und Lichtinstallationen begeistern wollen. Im Mai wird das Musical North-Side-Story von Theater- und Musikkursen uraufgeführt.

Auch am Geschichtspfad, den der Heimat- und Geschichtsverein als bleibende Installation einrichten will, haben sie sich beteiligt. Dafür haben Schülerinnen und Schüler zum Ersten Weltkrieg geforscht, Feldpostbriefe und Bilddokumente ausgewertet und etwa das Kriegerdenkmal in Nieder-Eschbach untersucht. Die Ergebnisse werden beim Markt der Vereine zu sehen und zu hören sein, kündigt Lehrer Scharfenberger an: „Geschichte findet nicht nur in der Welt statt, sondern auch vor der eigenen Haustüre.“

Der Organisationsverein ist froh, dass sich die Otto-Hahn-Schule so intensiv in das Festjahr einbringt. Auf diese Weise werde „die Saat gesät, sich mit der Geschichte des Stadtteils zu beschäftigen“, sagt Michael Paul. Erfreulich sei zudem, dass durch die Schule das Quartier Am Bügel, das zu Nieder-Eschbach gehört, stärker eingebunden werde, denn etwa die Hälfte der Schüler:innen wohnen dort, so Scharfenberger.

Bislang sei die Rückmeldung aus dem Viertel am Ben-Gurion-Ring bescheiden, sagt Gerhard Raab. Doch der Verein 1250 Jahre Nieder-Eschbach will möglichst alle Vereine, Institutionen, die Kirchengemeinden und Bürgerinnen und Bürger in beiden Gebieten in das Jubiläum integrieren. Durch die Corona-Pandemie hätten sich bisher noch nicht so viele gemeldet, bedauert er. Daher bestehe nach wie vor Bedarf an Unterstützung. Gesucht werden Leute, die anpacken können, aber auch finanzielle Spenden.

Die Deuil-La-Barre-Straße heute, hier die selbe Ansicht.
Die Deuil-La-Barre-Straße heute, hier die selbe Ansicht. © Heimat- und Geschichtsverein Nie
Foto des ehemaligen Hofguts Seibold, Alt Nieder-Eschbach, aus dem Jahr 1912.
Foto des ehemaligen Hofguts Seibold, Alt Nieder-Eschbach, aus dem Jahr 1912. © Heimat- und Geschichtsverein Nie

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