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„Ausweichflächen am Eschbach sind nötig“

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Von: Fabian Böker

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Ortsvorsteher Müller ärgert sich, dass es an der U-Bahn-Station Nieder-Eschbach seit Jahren keine funktionierende Toilettenanlage gibt.
Ortsvorsteher Müller ärgert sich, dass es an der U-Bahn-Station Nieder-Eschbach seit Jahren keine funktionierende Toilettenanlage gibt. © Rolf Oeser

Ortsvorsteher Ernst Peter Müller (CDU) spricht über die Hochwasser-Gefahren im Stadtteil, die Situation der Schulen und die seit Jahren defekte Toilette an der U-Bahn-Station Nieder-Eschbach.

In einer Serie blicken wir zurück auf das Jahr 2022 in den 16 Ortsbeiräten. Was waren die wichtigsten Themen, die den Ortsbezirk in den vergangenen Monaten bewegt und beschäftigt haben? Welche Erfolge oder Niederlagen gab es für das Stadtteilparlament? Wie geht es in diesem Jahr weiter? Heute der Ortsbeirat 15 (Nieder-Eschbach).

Herr Müller, am 14. September 2022 gab es eine Überschwemmung in Nieder-Eschbach, weil der Eschbach über die Ufer getreten ist. Der Ortsbeirat fordert von der Stadt Frankfurt, dass sie zusammen mit Bad Homburg ein Frühwarnsystem einrichten soll. Haben Sie diesbezüglich schon etwas von der Stadt gehört?

Nein, bisher haben wir da nichts gehört. Ich befürchte ehrlich gesagt auch, dass das so bleiben wird. Was es aber nach dem letzten Hochwasser gab, waren Gespräche mit den städtischen Ämtern, Vertretern vom Regierungspräsidium Darmstadt, der Feuerwehr Nieder-Eschbach und Ortsbeiräten. Dabei hat der Wehrführer die Auffassung vertreten, dass die Zeitschiene für einen Notruf aus dem Bereich des Oberlaufs zu kurz sei.

Sehen Sie denn noch andere Möglichkeiten, diesem Thema zu begegnen? Es ist ja schon länger akut in Ihrem Stadtteil.

Es ist ja einfach so, dass es Überschwemmungen schon immer gab. Allerdings sind sie in den vergangenen Jahren, gerade nach Starkregenereignissen, immer häufiger und heftiger vorgekommen. Dies hat seine Ursache in dem Fehlen von Ausweichflächen im Niederschlagsgebiet, also im Bereich der Nachbarstadt Bad Homburg. Da müssen also – nach Abstimmung der Stadt Frankfurt mit der Stadt Bad Homburg – Ausweichflächen am Eschbach dringend geschaffen werden, sie sind nötig. Verstärkt wird das Ganze durch den zu niedrigen Durchfluss im Bereich der Eschbachbrücke an der Bezirkssportanlage. Das Brückenbauwerk müsste also angepasst werden.

Seit einem Jahr fährt der Rufbus „Knut“ auch durch Nieder-Eschbach. Sind Sie mit dem Angebot zufrieden?

Zu Beginn der Rufbus-Einführung habe ich die Fahrzeuge noch öfter im Stadtteil gesehen. Das ist in den letzten Wochen weniger der Fall geworden. Woran dies liegt, kann ich nicht sagen. Verbesserungen in Form der Erweiterung der Anfahrziele sind meiner Meinung nach bereits erfolgt.

Die Grzimek-Schule soll zwei Container erhalten, um die Raumnot zu mildern. Eine gute Lösung?

Die Raumnot an unserer Grundschule ist allseits bekannt. Auch unserer Bildungsdezernentin Sylvia Weber, spätestens seit der Vorbereitung auf ihren Besuch im Ortsbeirat am 4. November. Container aufzustellen ist nach meiner Ansicht nur dann eine Lösung, wenn es sich zum Beispiel auf Bauphasen an einer Schule bezieht. Unsere Grundschule ist dreizügig ausgelegt, aber inzwischen fünfzügig belegt. Das heißt, alle Fachräume müssen inzwischen als Klassenräume genutzt werden. Eine baldige geeignete Entlastung für Schüler, Lehrer und auch die betroffenen Eltern sehe ich auf absehbare Zeit nicht.

Außerdem soll laut Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) eine zweite Grundschule im Stadtteil entstehen. Wie stehen Sie zu dieser Idee?

Den Bau einer weiteren Grundschule und auch des Gymnasiums Nord im Bereich der Steinernen Straße oberhalb der U-Bahn-Strecke nach Bonames würde ich sehr begrüßen. Ein weiterer Standort im Bereich des Ben-Gurion-Rings ist zumindest bei der Bewohnerschaft am Ring aber umstritten, weil diese ihre angrenzenden Spiel- und auch die Freiflächen dadurch verlustig sieht.

An der U-Bahn-Station Nieder-Eschbach ist die Toilette seit zwölf Jahren verschlossen. Der Ortsbeirat möchte Geld in den städtischen Haushalt eingestellt sehen, die FES würde die Anlage übernehmen, die aktuell vom Amt für Bau und Immobilien betrieben wird. Wie könnte aus Ihrer Sicht eine – vor allem schnelle – Lösung aussehen?

Der Zustand ist einfach nur traurig. Gespräche vor Ort hatte ich bereits mit dem früheren Dezernenten Jan Schneider und auch der VGF geführt. Meine ganze Hoffnung ruht nun darauf, dass die Anlage wieder instandgesetzt wird und dann der Betrieb von der VGF auf die FES übergeht.

Der Bügel soll grüner werden, aus einem Stadtteilbeirat und einer Bürgerbeteiligung ist ein Konzept entstanden. Die Planungen werden intensiviert, die Umsetzung soll bis zu 5,7 Millionen Euro kosten. Was genau ist dort geplant?

Das kann ich noch nicht sagen. Im Beirat am Bügel wurden die unter Bürgerbeteiligung entstandenen Pläne für eine Aufwertung der Außenanlagen und auch der Infrastruktur bereits von der Stadt vorgestellt. Ich hoffe, dass wir diese Vorstellung bei einer Sitzung im Jahr 2023 am Ben-Gurion-Ring, also vor Ort, auch den Bürgern vorstellen können.

Zur Person

Ernst Peter Müller (CDU) ist seit 2001 Mitglied im Ortsbeirat 15, seit 2016 ist der Bewährungshelfer auch der Ortsvorsteher.

Die Sitzverteilung im Gremium sieht sieben Plätze für die CDU vor, fünf für die Grünen, vier für die SPD, zwei für die BFF, einen Sitz für die FDP.

Zuständig ist der Ortsbeirat 15 ausschließlich für den nördlichen Stadtteil Nieder-Eschbach, wo 11 855 Einwohner und Einwohnerinnen (Stand: 30. Juni 2022) leben.

Die erste Sitzung des Ortsbeirats 15 in diesem Jahr ist für Freitag, 20. Januar, um 19.30 Uhr in der Gaststätte „Darmstädter Hof“, An der Walkmühle 1, vorgesehen. bö

Sind Sie mit den bisherigen Ideen zufrieden?

Die geplanten Aufwertungen und die Verbesserungen werden von mir sehr begrüßt. Es ist auch ein Ausdruck der Wertschätzung für die Menschen am Ring, etwas für eine Verbesserung der Wohnanlage zu investieren.

Wann, glauben Sie, könnte die Umsetzung abgeschlossen sein?

Die baulichen Veränderungen können nur Zug um Zug erfolgen. Das Projekt ist insgesamt auf etwa zehn Jahre angelegt. Der Ortsbeirat 15 würde es begrüßen, wenn die Gabionen mit den Steinen der ehemaligen Ziegelei Hermann 2023 ihren Platz am Weiher finden könnten.

Das Kinderhaus am Bügel hat 2022 seinen 40. Geburtstag gefeiert. Wie wichtig ist diese Einrichtung für die Kinder und Jugendlichen im Stadtteil, gerade auch mit Blick auf die Corona-Zeit?

Das Kinderhaus ist nunmehr seit vier Jahrzehnten ein lebendiger Mittelpunkt für die Kinder im Bereich der Siedlung am Ben-Gurion-Ring. Es steht räumlich tatsächlich im Mittelpunkt der Wohnstadt am Bügel.

Gleichzeitig wartet das Jugendhaus am Bügel auf eine Sanierung, einige Räume können nicht genutzt werden. Gibt es da einen aktuellen Stand?

Bereits im Jubiläumsjahr 2022 konnte die auf Anregung des Ortsbeirats neu gestaltete Außenanlage des Jugendhauses seiner Bestimmung übergeben werden. Eine Sanierung der Innenräume wird die Einrichtung nun hoffentlich auch recht bald bekommen. Auch wird der Mädchentreff im Jugendhaus die Hälfte des Erlöses der Beleuchtungsaktion 2022 von Andreas Hübner, Besitzer des Darmstädter Hofs, auf meinen Vorschlag hin erhalten.

Das Gymnasium Nord soll an seinem geplanten Standort in Nieder-Eschbach ohne Schwimmbad gebaut werden. War das erwartbar für Sie?

Die Errichtung eines Lehrschwimmbeckens sehe ich weiterhin als dringend geboten an. Es wäre eine vertane Chance, dieses jetzt nicht zu realisieren. Eine Traglufthalle am Freibad Nieder-Eschbach in der kalten Jahreszeit kann nach meiner Ansicht ein Lehrschwimmbecken nicht ersetzen. Übrigens: Nach der zwangsweisen Eingemeindung 1972 hatte der damalige Oberbürgermeister Rudi Arndt den Nieder-Eschbachern sogar ein Hallenbad versprochen.

Der Radweg nach Nieder-Erlenbach wurde trotz jahrelanger Versprechungen nicht auf den Weg gebracht. Sind Sie optimistisch, dass es wenigstens 2023 klappt?

Es ist eine endlose und traurige Geschichte. Es wäre schön, wenn unser Radweg nur dieselbe Priorität wie das rote Abmarkieren von Fahrradwegen in der Innenstadt hätte. Auf ein Datum will ich mich nach den bisherigen Erfahrungen mit der Stadt nicht mehr festlegen.

2021 war geprägt von dem Kampf gegen ein neues Gewerbegebiet; sowohl der Ortsbeirat als auch eine Bürgerinitiative waren da aktiv. Im vergangenen Jahr ist es ruhig um das Thema geworden. Wie ist der aktuelle Stand?

Wir haben die zuständige Dezernentin Stephanie Wüst für dieses Jahr wieder in den Ortsbeirat eingeladen.

Interview: Fabian Böker

Mit dem Rufbus-Angebot „Knut“ ist Müller durchaus zufrieden.
Mit dem Rufbus-Angebot „Knut“ ist Müller durchaus zufrieden. © Christoph Boeckheler
Beim Jugendhaus am Bügel wurde 2022 die Außenfläche erneuert. Nun steht die Sanierung innen an.
Beim Jugendhaus am Bügel wurde 2022 die Außenfläche erneuert. Nun steht die Sanierung innen an. © Peter Jülich
Um das Gewerbegebiet ist es ruhig geworden. Der Ortsbeirat hat die zuständige Dezernentin zu einer der kommenden Sitzungen eingeladen.
Um das Gewerbegebiet ist es ruhig geworden. Der Ortsbeirat hat die zuständige Dezernentin zu einer der kommenden Sitzungen eingeladen. © peter-juelich.com

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