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„Wir brauchen in beiden Neubaugebieten eine Kita“

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Von: Judith Gratza

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Ortsvorsteher Yannick Schwander auf dem Spielplatz „An den Bergen“, der in diesem Jahr neu gemacht wird.
Ortsvorsteher Yannick Schwander auf dem Spielplatz „An den Bergen“, der in diesem Jahr neu gemacht wird. © Michael Schick

Das Jahr im Ortsbeirat 13: Ortsvorsteher Yannick Schwander über fehlende Betreuungsplätze, Leerstand und eine bessere Anbindung in Nieder-Erlenbach

In einer Serie blicken wir zurück auf das Jahr 2022 in den 16 Ortsbeiräten. Was waren die wichtigsten Themen, die den Ortsbezirk in den vergangenen zwölf Monaten bewegt und beschäftigt haben? Welche Erfolge oder Niederlagen gab es für das Stadtteilparlament? Wie geht es in diesem Jahr weiter? Heute der Ortsbeirat 13 (Nieder-Erlenbach).

Herr Schwander, in unserem letzten Bilanz-Interview hatten Sie gesagt, Sie wollten sich 2022 vor allem um die Themen Kinderbetreuung, äußeres Erscheinungsbild des Stadtteils und Verkehr kümmern. Wie zufrieden sind Sie mit dem Ergebnis?

Wir müssen hier wohl ein gespaltenes Fazit ziehen. Wir haben uns natürlich um alle Themen gekümmert und sind auch vorangekommen. Aber insbesondere beim Thema Kinderbetreuung wurden wir ein Stück weit vom zuständigen Dezernat im Stich gelassen, sodass wir zwar Zusagen auf Papier haben, aber nichts Zählbares bisher herumgekommen ist.

Dabei haben Sie sich doch die ganze Zeit für eine Containeranlage eingesetzt, um den hohen Bedarf an Kita-Plätzen zu decken, der durch den Zuzug vieler junger Familien entsteht. Woran liegt es, dass nichts passiert ist?

Der Rufbus Knut fährt nun auch durch Nieder-Erlenbach.
Der Rufbus Knut fährt nun auch durch Nieder-Erlenbach. © christoph boeckheler*

Ich will hier gar nicht den Stab über das Dezernat brechen, denn uns ist bewusst, dass es nicht unendlich viele Container gibt. Wenn uns aber gesagt wird, dass nach den Herbstferien die Container stehen, damit eine provisorische Kita eingerichtet werden kann und diese bis heute nicht stehen, erwarte ich zumindest eine Erklärung hierfür. Die gab es aber nicht.

Unklar war auch, in welchem der beiden Neubaugebiete eine Kita entstehen soll. Erst hieß es im Gebiet „Am Westrand“, dann im Gebiet „Südlich Am Riedsteg. Was machen die Familien, die jetzt einen Betreuungsplatz brauchen, bis der Bau fertig ist?

Das Unverständnis ist auf allen Seiten enorm. Im Gebiet Westrand hat die Stadt ein Grundstück für eine Betreuungseinrichtung reserviert, schon in den ersten Plänen und im Bebauungsplan ist das so festgesetzt und auf einmal hieß es, dass diese Einrichtung gar nicht benötigt wird. Jetzt wird das für „Südlich Am Riedsteg“ angepeilt, aber das hilft den Familien derzeit überhaupt nicht. In meinen Augen brauchen wir perspektivisch in beiden Gebieten eine Einrichtung. Die Familien, die jetzt dringend einen Platz benötigen, können nur zum Teil in den bestehenden Einrichtungen unterkommen, einige müssen lange Wege auf sich nehmen, um ihre Kinder betreuen zu lassen. Es ist eine unbefriedigende Situation.

Angesichts zwei neuer Baugebiete fehlt es nicht nur an Kita-Plätzen. Auch die Spielplätze sind marode. Nun soll der Spielplatz „An den Bergen“ neu gebaut werden. Ist das für Sie ein Erfolg?

In der letzten Sitzung des Ortsbeirats 2022 wurde uns das Konzept vorgestellt, mit welchem der Spielplatz unter Beteiligung aller interessierten Bürgerinnen und Bürger neugestaltet wird. Dieses partizipative Projekt soll bereits im Frühjahr beginnen und der Bau wird im Sommer vollzogen. Daher müssen die Familien nicht mehr lange warten, und es kann getobt und gespielt werden. Wir freuen uns darüber wirklich sehr.

Im vergangenen Sommer hat Nieder-Erlenbach 50 Jahre Eingemeindung gefeiert. Seither wartet der Stadtteil auf seine versprochene Turnhalle. Nun soll sie im Baugebiet „Südlich Am Riedsteg“ entstehen. Gibt es schon ein Datum?

Leider gibt es noch kein Datum für den Baubeginn, weder für die Wohnbebauung, noch für die Sporthalle. Wir haben jedoch immer gefordert, dass zunächst die Halle errichtet wird, damit diese frühstmöglich zur Verfügung steht.

Zur Person

Yannick Schwander (CDU), 33, ist Sprecher der Stadt Bad Vilbel und seit 2016 Ortsvorsteher von Nieder-Erlenbach. Im Ortsbezirk 13 leben 4798 Einwohner:innen (Stand 30. Juni 2022) auf einer Fläche von 836,7 Hektar. Der Bezirk umfasst nur Nieder-Erlenbach.

Der Ortsbeirat 13 setzt sich aus fünf Parteien zusammen. Stärkste Fraktion ist die CDU mit vier Sitzen. Es folgen die Grünen mit zwei Mandaten, SPD, BFF und FDP haben jeweils einen Sitz im Stadtteilparlament.

Die erste Ortsbeiratssitzung des neuen Jahres findet am Dienstag, 17. Januar, im Bürgerhaus Nieder-Erlenbach, Im Sauern 10, um 20 Uhr statt. dit

Viel Geduld braucht Nieder-Erlenbach auch beim Thema Verkehr. Seit mehr als 40 Jahren soll der Radweg, der Nieder-Erlenbach mit Nieder-Eschbach verbindet, realisiert werden. Im Frühjahr 2023 soll der Bau der 1,8 Kilometer langen Strecke losgehen. Glauben Sie daran?

Das Amt für Straßenbau und Erschließung hat sowohl bei uns als auch in Nieder-Eschbach diese Planungen vorgestellt und die Ausschreibung für das erste Teilstück ist bereits erfolgt. Ja, ich glaube wirklich daran!

Stets eingesetzt haben Sie sich auch für eine bessere Anbindung des nördlichsten Stadtteils Frankfurts an den öffentlichen Nahverkehr. Seit diesem Jahr gibt es den elektrischen Rufbus Knut, der durch die Nachbarstadtteile bis nach Bad Vilbel fährt. Wie sind Ihre Erfahrungen als Fahrgast?

Ich bin wirklich begeistert von Knut. Egal zu welcher Tageszeit ich den Rufbus bislang bestellt habe, es hat immer alles hervorragend geklappt und durch die Erweiterung des Bediengebiets und der Fahrzeiten ist das System noch attraktiver geworden.

Vor allem alte Menschen haben sich anfangs mit dem Rufsystem via Handy und App schwer getan. Gibt es diese kritischen Stimmen immer noch?

Mit einer Fahrraddemo fordern die Menchen in Nieder-Erlenbach einen Radweg nach Nieder-Eschbach.
Mit einer Fahrraddemo fordern die Menchen in Nieder-Erlenbach einen Radweg nach Nieder-Eschbach. © peter jülich

Ich habe zumindest zuletzt keine Kritik mehr vernommen, sie ist mir jedenfalls nicht zugetragen worden. Aber bei uns hilft man sich auch gegenseitig, wenn es nötig wird, vielleicht liegt es auch daran, dass die Kritik mindestens leiser geworden ist.

Der Ortsbeirat ist ja bekannt für seine unbürokratischen, kreativen Lösungen, um Wartezeiten bei Ämtern zu überbrücken. Vor dem Einsatz des Rufbusses etwa haben Sie selbst einen Fahrdienst für die Schülerinnen und Schüler organisiert. Haben Sie auch eine Idee, wie Sie den Ortskern wieder beleben können, in dem derzeit viele Läden und Gewerbeflächen leer stehen?

Mich haben viele interessierte Menschen angesprochen, um die leerstehenden Räumlichkeiten anzumieten. Ich bin daher sehr optimistisch, dass wir diesen Leerstand nicht lange sehen werden. Man darf auch nicht vergessen, dass dieser Leerstand im Grunde einseitig daher rührt, dass die Sparkasse und die Volksbank ihre Filialen aufgegeben haben und sich daher auch erst nach deren Auszug überhaupt die Einsicht entwickelt hat, dass man hier etwas anderes machen kann.

Der Kampf geht weiter. Um welche drei Themen wollen Sie sich in diesem Jahr vorrangig bemühen?

Wir müssen uns dringend mit dem ruhenden Verkehr im Ort beschäftigen und schauen, dass wir hier zu guten Lösungen kommen. Natürlich wird uns dann auch weiterhin die Kinderbetreuung beschäftigen. Und über kurz oder lang müssen wir schauen, inwiefern die Schulplatzversorgung ausreichend ist. Als drittes Thema nenne ich gern symbolisch „Zusammenhalt“, das heißt, dass wir uns auch im kommenden Jahr um unsere Vereine und die vielen ehrenamtlich tätigen Menschen im Stadtteil kümmern werden.

Interview: Judith Gratza

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