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Yannick Schwander vor dem Areal am Westrand. Dort hätten schon 2018 Wohnungen stehen sollen.

Nieder-Erlenbach

„Am Westrand ist nichts passiert“

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Ortsvorsteher Yannick Schwander (CDU) über Neubaugebiete und Verkehrsprobleme.

Herr Schwander, die Wohnungsbaugesellschaft ABG will das geschlossene Restaurant im Bürgerhaus in Versammlungsräume umwidmen, weil Sanierung und Umbau zu teuer seien. Ist der Fall erledigt?
Die Gastronomie im Bürgerhaus war ein sehr bestimmendes Thema 2018, weil wir lange im Unklaren waren, wie die ABG sich verhalten würde. So ging es in fast jeder Ortsbeiratssitzung, in einem Großteil unserer Arbeit mit Anträgen und Hintergrundgesprächen und später auch Ortsterminen darum. Stand jetzt ist es nicht so ausgegangen, wie wir uns das gewünscht haben. Es wird erstmal kein Restaurant mehr geben, wir haben aber nach den Weihnachtsferien ein Gespräch mit ABG-Geschäftsführer Frank Junker. Ihm wollen wir nochmal unsere Vorstellung erörtern, wie die Vereine eine Möglichkeit zur Entfaltung bekommen.

Dass wieder eine Gastronomie einzieht, ist unwahrscheinlich?
Zumindest kurz- bis mittelfristig. Wir haben bei den Vereinen ihren Bedarf abgefragt, und gehen mit Ideen in das Gespräch mit Junker. Natürlich wird das kein Wunschkonzert, aber reine Veranstaltungsräume würden den Vereinen nicht reichen, sie brauchen eher Multifunktionsräume, die man auch für Sportkurse nutzen könnte.

Sie wollten sich vergangenes Jahr auch um den Verkehr kümmern. Was haben Sie da erreicht?
Vor allem der ruhende Verkehr im alten Ortskern ist ein Dauerbrenner im Ortsbeirat. Aber auch der Begegnungsverkehr in anderen Straßen ist ein Problem. Die großen Busse, die bei uns durchfahren, halten teilweise auf dem Gehweg, Autos müssen Bürgersteige überfahren, um an den Bussen vorbeizukommen. Für einen neuralgischen Punkt haben wir eine Lösung gefunden: Wo der Erlenbacher Stadtweg auf die Neue Fahrt trifft, sollen zum Schutz der Fußgänger Poller angebracht werden. Denn viele parken auf dem Gehweg und verengen die Kurve, wenn sie an der dort ansässigen Pizzeria schnell eine Pizza holen. Das wollen wir dadurch verhindern.

Den Schilderwald im Vorfeld der Wahlen konnten Sie nicht verhindern. Eine Niederlage?
Leider hat die Stadt unseren Antrag abgelehnt, was schade ist, weil wir von vielen Bürgern angesprochen wurden, die sagten, bleibt da dran, das ist eine gute Initiative. Wir werden das weiter verfolgen, vielleicht finden wir eine freiwillige Basis aller Parteien, die sich zusammen vorstellen können, auf Privatgrundstücken Plakate aufzuhängen. Wir sehen schon die Problematik, wenn man sich an alle Vorgaben der Stadt hält, gibt es kaum noch Punkte, an denen man Plakate hängen darf. Hält man sich nicht dran, greift man in den Straßenverkehr und in das Straßenbild ein, was unschön ist und auch zur Gefahr werden kann. Da sehen wir Gegensätze, die aufgehoben werden können, und durch eine Plakatwand gut beseitigt würden.

Wie laufen die Planungen der beiden Neubaugebiete im Ortsbezirk? Sollten auf dem Areal am Westrand nicht Weihnachten 2018 schon die ersten Bewohner einziehen?
Hier ist im vergangen Jahr so gut wie gar nichts passiert, es gab längere Diskussionen zwischen dem Investor und der Stadt über die Erschließung des Gebiets. Im Frühjahr soll es endgültig losgehen, die Kostenfrage scheint geklärt.

Das sind doch gute Aussichten...
Ja, aber mir haben mehrere Bürger geschildert, dass sie gerne in Nieder-Erlenbach wohnen bleiben würden, allerdings keine Möglichkeit haben, Eigentum zu kaufen, weil diese Baugebiete eben noch nicht fertig sind. Nun überlegen sie wegzuziehen, weil sie nicht wissen, wie lange sie noch warten sollen. Das ist schade. Und dann wirft man den Nieder-Erlenbachern vor, weil wir gegen den Pfingstberg sind, was wir auch bleiben, dass wir nichts gegen den Zuzugsdruck tun würden. Wenn man überlegt, dass in beiden Gebieten etwa 1000 Neubürger wohnen könnten...

Hätte der Ortsbeirat mehr machen können?
An uns lag es nicht, das muss man ganz klar sagen, wir haben das immer positiv begleitet. Wir haben es mit Anfragen und Anträgen versucht. Magistratsmitgliedern und Verwaltungsmitarbeitern angeboten, dass wir sie begleiten und unterstützen, denn wir möchten, dass es vorankommt. Wenn dann nichts passiert, ist das nicht nur ärgerlich, sondern auch schwer bei Ortsbeiratssitzungen oder anderen Terminen zu verteidigen.

Und wie geht es „Südlich am Riedsteg“ voran?
Wir haben letztes Jahr erfolglos versucht, uns die Pläne vorstellen zu lassen, das ist uns für 2019 in Aussicht gestellt worden. Es ist ein sehr wichtiges Gebiet in Nieder-Erlenbach, weil dort nicht nur Eigentum entsteht, wie an vielen Stellen im Viertel, sondern auch eine Sporthalle, die fordern wir seit der Eingemeindung 1972. Darüber hinaus ein Mehrgenerationenhaus, ein Betreuungsangebot und vor allem alles in Geschossbau. Zudem gefördert, Wohnraum für alle, die ein mittleres bis niedriges Einkommen haben. Das wünschen wir uns sehr.

Welches Thema haben Sie 2019 im Blick?
Wir wollen den öffentlichen Nahverkehr in Nieder-Erlenbach zukunftsfest machen. Wir sind ja nur mit Bussen angebunden, und darum immer darauf angewiesen, dass sie pünktlich fahren, sonst verpassen wir den Anschluss an der S-Bahn-Station in Berkersheim oder der U-Bahn-Station Nieder-Eschbach. Wir werden genau drauf achten, wie der S-Bahn-Übergang Berkersheim angeschlossen bleibt, wenn die Bahn dort anfängt zu bauen, und sind auch mit den anderen Ortsbeiräten im Gespräch.

Und in Nieder-Erlenbach selbst?
Es gibt Gebiete, die etwas abgehängt sind. Etwa die Straße Am Steinberg, wo viele ältere Menschen wohnen und der Weg zur nächsten Bus-Station weit ist. Eine Idee wäre, ein Ruftaxi, also einen Bus, einzusetzen, der auf Bestellung oder Anruf kommt und zur Bushaltestelle im Ortskern fährt.

Interview: Judith Köneke

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