Nieder-Erlenbach

Offensive für einblühendes Quartier

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Grüne verteilen Samen für Bienenweiden. Eine Aktion gegen das Insektensterben.

Die Papiertütchen mit den Samen rascheln in den Händen der Besucher. Unter dem Motto „Nieder-Erlenbach blüht auf“ verteilen am Sonntagnachmittag Parteimitglieder der Grünen im Bürgerhaus Samen der „Veitshöchheimer Bienenweide Süd“, um damit dem Insektensterben entgegen zu treten. Die Stadtteilbewohner sollen die Samen in ihren Gärten einsäen, um so Insekten eine Nahrungs- und Bestäubungsgrundlage zu bieten. Gemeinsam mit dem Hobby-Imker Andreas Glienke hätten sie die Mischung, die bis zu 50 verschiedene Pflanzenarten enthalte, ausgesucht, berichtet die Grünen-Stadtteilgruppensprecherin Annegret Rach. „Die Mischung ist speziell auf diese Region und auf die Bedürfnisse der hiesigen Insektenarten abgestimmt“, sagt Rach, bevor sie einen Korb mit den Samen herum reicht.

Rund 80 Besucher sind gekommen und der kleine Raum im Bürgerhaus reicht kaum aus. Einige müssen stehen, während Hobby-Imker Glienke einen Vortrag über das Insektensterben hält. Ursachen für den dramatischen Rückgang der Populationen sei die Zerstörung von Lebensräumen sowie Pflanzenschutzmittel, berichtet Glienke. Auch durch „Lichtverschmutzung“ würden viele Tiere sterben. „Wir brauchen Flächen, wo Tiere noch leben können.“

Der Nieder-Eschbacher rät von Pflanzen aus dem Bau- oder Supermarkt ab, weil diese häufig mit Pestiziden behandelt seien. Auch sollten Gartenbesitzer keine „immergrünen Pflanzen“ wie Buchsbäume oder Kirschlorbeer erwerben, die nie blühten, sondern besser Weiß- oder Schwarzdorn, Hasel oder Himbeere, um den Insekten das Bestäuben zu ermöglichen. Obstbäume seien besser als Nadelbäume.

Christa Thiel hat sich gleich mehrere Tütchen mit Samen eingepackt, weil sie auch ihre Nachbarn versorgen wolle. Die 67-Jährige, hat dem Vortrag von Glienke gespannt gelauscht. „Ich wusste zum Beispiel nicht, dass viele Süßwasserfische Insekten fressen“, sagt Thiel. Als „Neu-Gärtnerin“ habe sie bislang beim Pflanzenkauf hauptsächlich „nach Schönheit geguckt“. Auch bei der Gestaltung des Gartens habe sie sich an der Ästhetik orientiert und sei dankbar für den „Perspektiv-Wechsel“ und zu erfahren, dass etwa steinern angelegte Vorgärten den Insekten keinen Lebensraum böten. Der Ratschlag „regionale, saisonale und Bio-Produkte“ zu kaufen, sei dagegen nicht neu für sie gewesen.

Sebastian Schmidt hat ebenfalls bei den Samen-Tüten zugegriffen. Während seine Frau den Vortrag verfolgt habe, sei er mit den Kindern beim Malen im Nebenzimmer gewesen, berichtet Schmidt. „Wir haben viel Fläche hinter dem Haus“, sagt er. Es gebe „zu viel Bebauung“ und es müsse wieder ein „Gleichgewicht geschaffen werden“.

Die Nieder-Erlenbacher Grünen möchten auch die Stadtpolitik in die Verantwortung nehmen. Dazu hatten sie Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) eingeladen. Sie sagt in ihrer kurzen Rede, dass stadtweit rund 80 Flächen als „Wiesen für Insekten“ ausgeschildert sind, unter anderem an der Kurt-Schumacher-Straße in der Innenstadt und der Stresemannallee in Sachsenhausen. „Die Grünstreifen werden sich selbst überlassen“, sagt Heilig. Damit sich Anwohner über die vermeintliche Verwahrlosung nicht beschwerten, würden die gelben Hinweisschilder dazu gestellt.

Glienke appelliert zum Abschluss seines Vortrages: „Es bedarf der Anstrengung von uns allen, das Insektensterben aufzuhalten“. Die Samentütchen haben zu diesem Zeitpunkt fast alle die Besitzer gewechselt.

Keine Pflanzen aus

dem Baumarkt

Die Nieder-ErlenbacherStadtteilgruppe der Grünen fordert bei ihrer Aktion gegen das Insektensterben: „Einen Quadratmeter Insektenfutter in jedem Erlenbacher Garten“.

Zwei Kilogramm Samender „Veitshöchheimer Bienenweide Süd“ haben die Mitglieder der Gruppe dazu in Tütchen abgefüllt. Aus dieser Menge können rund 2000 Quadratmeter Wiese wachsen, auf denen Insekten Pflanzen zum Bestäuben finden.

Wer gerne Samenhaben möchte, kann sich per Mail wenden an: erlenbacher-gruene@gmx.de melden. Einige wenige sind noch zu haben. cd

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