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Die Schüsse des Schützenvereins 1864 Nieder-Erlenbach an der Straße Am Riedsteg sind vielen zu laut.
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Die Schüsse des Schützenvereins 1864 Nieder-Erlenbach an der Straße Am Riedsteg sind vielen zu laut.

Nieder-Erlenbach

Nieder-Erlenbach: Ärger mit dem Schützenverein

  • Boris Schlepper
    VonBoris Schlepper
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In Nieder-Erlenbach beklagt sich die Nachbarschaft über den Lärm des Schützenvereins. Die Stadt will messen, wie laut die Sportschützen tatsächlich sind.

Anwohner Guido Knaus (Name von der Redaktion geändert) ist genervt. Regelmäßig halle der Lärm von lauten Schüssen durch seinen Garten. Bis zu sechs Stunden am Tag sei der Krach von Gewehren und Pistolen zu hören, zum Teil seien es „richtige Donnerschläge“, so dass er sich wie auf einem „Truppenübungsplatz“ fühle. Nicht nur er sei davon betroffen. Auch auf dem nahen Friedhof und am Flüchtlingsheim knalle es laut.

Knaus ist nicht der erste, der sich über die aktiven Mitglieder des Schützenvereins 1864 Nieder-Erlenbach beklagt, der seit einhundert Jahren sein Gelände am Riedsteg betreibt. Erst vor den Sommerferien waren Anwohner:innen in der Sitzung des Ortsbeirats 13. Danach hatte Ortsvorsteher Yannick Schwander (CDU) ein Treffen mit beiden Parteien in die Wege geleitet. Dieses sei „sehr konstruktiv“ gewesen. Es sei klar geworden, dass nicht der Verein störe, so Schwander, „sondern die Zeiten“, an denen geschossen werde. Beide Seiten seien an einer Einigung interessiert.

Das bestätigt der Schützenverein. Er wolle sich der Sorgen der Anwohner:innen nicht verschließen, sagt der Zweite Vorsitzende Stefan Lang. Daher stimmt er einem weiteren Treffen zu. Dass sich die Nachbarschaft der Anlage ausgerechnet jetzt beklagt, liege nicht am Verein. Dieser habe in den vergangenen 18 Monaten seinen Schießbetrieb erheblich reduzieren müssen. Zwischen März und Mai vergangenen Jahres sei kein Schuss gefallen, so Lang. Seitdem dürften wegen der Pandemie maximal zwei Schützen gleichzeitig auf den Schießstand, wodurch der Betrieb auf 25 bis 30 Prozent zurückgegangen sei.

Auch seien die Trainingszeiten unverändert geblieben, so Lang. Unter der Woche werde an drei Tagen zwei bis drei Stunden bis maximal 20 Uhr geübt. Am Wochenende vormittags, sonntags seien aus Rücksicht auf die Nachbarschaft nur Kleinkaliber erlaubt, „die sind am leisesten“. Über eine längere Zeit schieße nur ein Sicherheitsdienst, der auf dem Gelände des Schützenvereins übe, sagt der Zweite Vorsitzende. Dieser sei jedoch nur zwölf Mal im Jahr vor Ort – und das unverändert seit der zweiten Hälfte 2016.

Lang und Schwander gehen davon aus, dass durch die Pandemie mehr Menschen im Homeoffice arbeiten und sich dadurch eher gestört fühlen. Auch gebe es durch Corona weniger Umgebungsgeräusche, so der Vizevorsitzende, da der Flugverkehr rückläufig sei und zeitweilig weniger Autos unterwegs waren.

Wie laut es tatsächlich ist, will das Umweltamt ermitteln, das nach der Beschwerde bereits erste Lärmmessungen vorgenommen hat, sagt Matthias Muncke, zuständig für Immissionsschutz. Allerdings habe es an diesem Tag „widrige Wetterbedingungen“ gegeben. Der Wind habe so stark geweht, dass die Ergebnisse nicht verwertet werden könnten, „wir müssen die Messungen wiederholen“. Dabei müssten sämtliche verschiedene Kaliber, die auf den Bahnen zum Einsatz kommen, abgefeuert und an zwei Punkten parallel erfasst werden.

Zwar habe der Verein „eine Art Bestandsschutz“, sagt Muncke, dennoch dürfe er nicht zu laut sein. Sicher sei aber auch, dass die Anlage „auf keinen Fall“ geschlossen werden müsse. Seien die Immissionswerte zu hoch, werde vielmehr geschaut, „wie man dagegen vorgeht“. Denkbar sei, dass nicht alle Schießbahnen weiter gleichzeitig genutzt oder große Kaliber nicht mehr abgefeuert werden dürften. Möglich sei auch, Zeiten festzulegen, an denen Ruhe herrschen müsse.

Ruhe wünscht sich Anwohner Knaus, der seit etwa anderthalb Jahren unweit des Schützenvereins lebt. Damals habe ihm keiner gesagt, dass es die Anlage Am Riedsteg gibt. Und Knaus wird nicht der letzte sein, der in das Gebiet unweit des Schießstands zieht. Die Stadt plant dort das Neubaugebiet „Südlich Am Riedsteg“ mit 350 Wohneinheiten für etwa 875 Menschen.

Auswirkungen auf das Baugebiet, dessen Entwurf demnächst offengelegt werden soll, habe der Schützenverein nicht, sagt Mark Gellert vom Planungsdezernat. Im Zuge der Aufstellung des Bebauungsplans seien die Immissionswerte des Schießstands ermittelt worden. Sie lägen innerhalb der Richtlinien und seien deshalb für das Neubaugebiet nicht relevant.

Den Zweiten Vorsitzenden Stefan Lang beruhigt das nicht. Er habe Sorge, dass sich künftig neu Zugezogene über die Sportschützen beklagen werden. Derzeit sei die Wohnbebauung rund 250 Meter entfernt, „künftig werden es nur noch 50 Meter sein“.

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