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Ortsvorsteher Yannick Schwander am Spielplatz „An den Bergen“, der im schlechten Zustand ist.
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Ortsvorsteher Yannick Schwander am Spielplatz „An den Bergen“, der im schlechten Zustand ist.

Das Jahr im Ortsbeirat 13

„Bislang gab es nicht einmal eine Antwort“

  • Judith Gratza
    VonJudith Gratza
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Nieder-Erlenbachs Ortsvorsteher Yannick Schwander spricht im Interview über fehlenden Betreuungsplätze, die Untätigkeit der Stadt in diesem Bereich und über Mobilität im Frankfurter Norden.

Herr Schwander, eine bessere Kinderbetreuung war eines Ihrer Top-Themen für das Ortsbeiratsjahr 2021. Vor kurzem wurde aber bekannt, dass die geplante Kita im Neubaugebiet Westrand gar nicht erst gebaut wird, obwohl in diesem Jahr die ersten Familien in das 2000 Quadratmeter große Areal ziehen. Wann die Kita im neuen Gebiet Am Riedsteg kommt, ist unklar, und die Kinderkrippe „Raupennest“ musste in die Notfallbetreuung gehen, weil zu viele Erzieherstellen vakant sind. Was ist da los in Nieder-Erlenbach?

Zunächst einmal muss man klarstellen, dass vakante Erzieherstellen kein Nieder-Erlenbacher Phänomen sind. Hier sind andere Ebenen gefordert. Insbesondere eine Neuordnung der Ausbildung wäre hier wichtig. Die Notfallbetreuung im „Raupennest“ war allerdings auch nur von kurzer Dauer und vor allem krankheitsbedingten Ausfällen geschuldet. Was die Betreuungsplätze in diesem Jahr betrifft, so muss man einfach sagen, dass das Bildungsdezernat und die Dezernentin hier einfach seit Jahren ihrer Arbeit nicht nachgegangen sind. Schon beim ersten Aufstellbeschluss für das Baugebiet am Westrand war eine Kita vorgesehen. In den Jahren 2017 und 2018 erklärte man in einer Stellungnahme noch, dass das Grundstück vorhanden sei und man nun mit den Planungen beginne. Passiert jedoch ist nichts, außer Ausreden und Ausflüchten.

Was kann der Ortsbeirat angesichts dieses Engpasses tun?

Unsere Kinderbeauftragte ist hier sehr fleißig und hat gemeinsam mit allen Kitaleitungen im Stadtteil Ideen entwickelt und diese an das Dezernat weitergeleitet. Bislang gab es nicht einmal eine Antwort auf dieses Schreiben. Wir haben als Ortsbeirat diverse Anfragen und Anträge gestellt, zuletzt waren unsere Kinderbeauftragte mit vielen Eltern aus dem Neubaugebiet im Bildungsausschuss. Gemeinsame Briefe und Aufrufe gab es zudem etliche. Wir sind seit Jahren hier aktiv und machen das auch öffentlich. Nur sind uns dann die Hände gebunden, wenn von der Dezernentin aus nichts geschieht.

Auch die Spielplätze sind laut Eltern in einem schlechten Zustand – und das in einem Stadtteil, der durch die beiden Neubaugebiete vor allem Familien anzieht. Kann der Ortsbeirat nicht kurzfristig Abhilfe schaffen und neue Geräte aus seinem Budget finanzieren?

Auch hier muss man leider sagen, dass dies kein Nieder-Erlenbacher Phänomen ist. In ganz Frankfurt sind viele Spielplätze in einem bedauernswerten Zustand. Wir haben als Ortsbeirat leider ein sehr bescheidenes Budget. Für unsere jährlich rund 2500 Euro könnten wir nicht einmal ein größeres Spielgerät finanzieren. Ich finde auch, dass dies nicht der richtige Zustand sein kann. Die Stadt, hier das Umweltdezernat, muss ihrer Pflicht nachkommen und die Spielplätze einfach besser in Schuss halten. Wir haben nun aber eine Aktion mit einer Künstlerin und gemeinsam mit Familien gestartet, um doch unkompliziert und möglichst ohne größeren finanziellen Aufwand Abhilfe schaffen zu können. In unserem Rahmen werden wir gern unterstützend tätig.

Mit dem Bau von Frankfurts ersten Parcours-Anlage auf dem Gelände der TSG hat Nieder-Erlenbach sein Angebot für Jugendliche deutlich erweitert. Fehlt nur noch der Bau der Sporthalle für Frankfurts nördlichstem Stadtteil, auf den Sie seit 50 Jahren warten. Gibt es dazu etwa Neues?

Die Sporthalle ist fest eingeplant im neuen Baugebiet „Südlich am Riedsteg“. Noch ist nicht ganz klar, wann hier die Erschließung beginnt, aber immerhin ist diese Perspektive gegeben und damit steuern wir endlich auf unsere eigene Sporthalle zu, die auch benötigt wird.

Zur Person

Yannick Schwander (CDU), 33, ist Pressesprecher der Stadt Bad Vilbel und seit 2016 Ortsvorsteher von Nieder-Erlenbach. Im Ortsbezirk 13 leben rund 4700 Einwohner auf einer Fläche von 836,7 Hektar.

Der Bezirk umfasst nur Nieder-Erlenbach.

Der Ortsbeirat 13 setzt sich aus fünf Parteien zusammen. Stärkste Fraktion ist die CDU mit vier Sitzen. Es folgen die Grünen mit zwei Mandaten, SPD, BFF und FDP haben jeweils eins.

Die erste Ortsbeiratssitzung ist voraussichtlich am Dienstag, 18. Januar, im Bürgerhaus Nieder-Erlenbach, Im Sauern 10.

Die FR blickt mit allen 16 Ortsvorsteherinnen und Ortsvorstehern in Frankfurt zurück auf das Jahr 2021. Die Serie erscheint in loser Folge. dit

Abreißen will die Stadt dagegen die marode Trauerhalle auf dem Alten Friedhof. Viele Menschen in Nieder-Erlenbacher fühlen sich aber emotional verbunden mit dem Jugendstil-Gebäude, alten Leuten ist der Weg von der Trauerhalle des Neuen Friedhofs zum Alten zu weit. Die Grünen schlagen daher eine Spendensammlung für eine Sanierung vor. Wie erfolgsversprechend ist das Vorhaben?

Derzeit müssen wir abwarten, was die Landesdenkmalbehörde zu unserem Antrag sagt, die Trauerhalle unter Denkmalschutz zu stellen. Danach werden wir eruieren, welche Schritte wir weitergehen. Wir können uns sehr gut vorstellen, hier Spenden einzusammeln, allerdings werden wir nicht die gesamte Summe einsammeln können, die erforderlich wäre. Vielmehr wäre dies ein Zeichen an Stadt und Land, dass wir hier mithelfen möchten.

Weitere Top-Themen aller Fraktionen waren und sind die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, der Ausbau der Radwege und der E-Mobilität. Im Herbst wurden die elektrischen Rufbusse in den nördlichen Stadtteilen eingeführt. Der Ausbau des Radwegs zwischen Nieder-Erlenbach und Nieder-Eschbach soll nach 30 Jahren nun endlich im Frühjahr 2022 erfolgen. Sind Sie mit der Entwicklung zufrieden?

Es geht voran. Das ist sicherlich ein gutes Zeichen. Beim Radweg nach Nieder-Eschbach wäre uns allen lieber gewesen, wenn schon längst gebaut würde. Aber immerhin gibt es auch hier zeitnahe Perspektiven. Die elektrischen Rufbusse sind eine echte Alternative zum raren Angebot im ÖPNV bei uns im Stadtteil. Ich selbst habe sie schon häufig genutzt und kann nur allen Bürgerinnen und Bürgern empfehlen, dies auch einmal zu tun.

Die Grünen-Fraktion betonte genauso wie Ihre CDU-Fraktion mehr Bürgernähe. Unter anderem hat sie eine Postkarten-Aktion initiiert, bei der die Menschen in Nieder-Erlenbach ihre Ideen für den Stadtteil aufschreiben konnten. Die CDU wollte so genannte Freiluftsprechstunden abhalten. Ging das Konzept auf?

Ich kann hier vor allem erst einmal für meine Fraktion sprechen. Vor der Corona-Pandemie hatten wir sehr erfolgreiche Nachbarschaftssprechstunden. Die Pandemie hat es allen Parteien danach schwerer gemacht, derlei Dinge durchzuführen, aber insgesamt gilt für unseren Stadtteil ohnehin, dass wir Ortsbeiräte jederzeit ansprechbar sind. Die Bürgernähe ist damit im Grunde immer gegeben.

Welche drei Themen stehen noch für den Ortsbeirat im kommenden Jahr ganz oben auf der Agenda?

Thema Nummer eins wird ganz klar die Kinderbetreuung sein. Als zweites werden wir uns um das äußere Erscheinungsbild des Stadtteils kümmern, hier lautet das Stichwort Vereinheitlichung, vor allem die ästhetische Gestaltung der Lärmschutzwände entlang der Landstraße. Ein drittes Thema wird dann erneut die verkehrliche Situation im Stadtteil sein: ÖPNV, ruhender Verkehr und natürlich Radwege.

Interview: Judith Gratza

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