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Yannick Schwander vor dem fast fertigen Musterhaus des Neubaugebiets „Am Westrand“. 

Nieder-Erlenbach

Nieder-Erlenbach: „Das ist moderne Mobilität“

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Ortsvorsteher Yannick Schwander (CDU) spricht im Interview zum Jahresabschluss über den Nahverkehr, Baugebiete und die Sportinfrastruktur im nördlichsten Stadtteil.

Herr Schwander, Nieder-Erlenbach ist nur mit Bussen an den ÖPNV angebunden. Der Ortsbeirat hatte sich für 2019 vorgenommen, dass Frankfurts nördlichster Stadtteil besser zu erreichen ist. Beim Busstreik Ende November haben Sie sich selbst hinter das Steuer gesetzt und gemeinsam mit Freiwilligen die Schüler zur nächsten U- und S-Bahnstation gefahren. Das kann keine langfristig Lösung sein, oder?

Das stimmt. Wir haben zuletzt einen Antrag verabschiedet, der die Installierung eines sogenannten Ride-Sharing-Angebots für Nieder-Erlenbach vorsieht. Unter anderem der Landkreis Offenbach hat damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Über eine App kann ein Bus angefordert werden und über Algorithmen wird die beste Route ausgerechnet, um möglichst viele Mitfahrer innerhalb kürzester Zeit zum ausgewählten Zielort zu bringen. Das ist moderne Mobilität. Es ist schon tragisch, dass dies in der Stadt des weltweit größten Internethubs nicht die Regel ist.

Künftig soll es möglich sein, per Rad von Nieder-Erlenbach nach Nieder-Eschbach zu kommen: Im Frühjahr soll ein Rad- und Fußweg die Stadtteile verbinden. Damit wird ein 40 Jahre lang diskutiertes Projekt tatsächlich realisiert. Welche Großprojekte sind in 2020 noch zu erwarten?

Ich bin zwar von Haus aus Optimist, aber gerade in Sachen Radweg nach Nieder-Eschbach Realist geworden. Wir werden unsere Bemühungen erst einstellen, wenn das erste Rad hier fahren kann. Der Bau wird erst im Herbst beginnen. Weitere Großprojekte sind die Erschließung des Baugebiets „Am Westrand“ sowie zugesagte Straßensanierungen im Ortskern.

Die von Ihnen erwähnte Erschließung des Baugebiets „Am Westrand“ kommt nur schleppend voran. Ende 2018 sollten auf dem Areal die ersten Bewohner einziehen. Woran liegt das?

Im Grunde ist das eine Verkettung verschiedener Ereignisse, die den Bau verzögert haben. Zum einen wurden Reste einer Siedlung aus der Zeit der Bandkeramik gefunden. Danach gab es Diskussionen um die Erschließungskosten. Nun wird ein Musterhaus am Westrand gebaut, das im Frühjahr fertig sein wird. Die Vermarktung der Häuser begann schon, sodass bei optimalem Verlauf die ersten Bewohner Ende 2020 die Häuser beziehen werden.

Mit den Neubaugebieten „Am Westrand“ und „Südlich am Riedsteg“ werden rund 1000 Menschen nach Nieder-Erlenbach ziehen. Neben Wohnraum sollen Betreuungsangebote und im Gebiet „Südlich am Riedsteg“ die lang ersehnte Sporthalle entstehen.

Ich halte die Pläne, derlei Einrichtungen in den jeweiligen Gebieten vorzusehen, für alternativlos und plädiere dafür, dass diese mit der Priorität eins errichtet werden, noch bevor Wohnungen gebaut oder bezogen sind. Bei Bezug beider Gebiete wird Nieder-Erlenbach seit der Eingemeindung 1972 ein Einwohnerwachstum von 100 Prozent vollzogen haben. Das bedeutet, dass die Infrastruktur mitwachsen muss, das haben wir als Ortsbeirat immer gefordert.

Zur Person

Yannick Schwander(CDU), 31, ist Pressesprecher der Stadt Bad Vilbel und seit 2016 Ortsvorsteher von Nieder-Erlenbach. Im Ortsbezirk 13 leben rund 4700 Einwohner auf einer Fläche von 833,6 Hektar, der Bezirk umfasst nur Nieder-Erlenbach.

Der Ortsbeirat 13setzt sich aus fünf Parteien zusammen. Stärkste Fraktion ist die CDU mit vier Sitzen. Es folgen die Grünen mit zwei Mandaten, SPD, BFF und FDP haben jeweils eins.

Die erste öffentliche Sitzungim neuen Jahr ist am Dienstag, 14. Januar, um 20 Uhr im Saalbau Nieder-Erlenbach, Im Sauern 10, Clubraum 1. bos

Auch die Sportinfrastruktur soll ausgebaut werden. Ursprünglich geplant war für dieses Jahr eine Outdoor-Parkour-Anlage auf der örtlichen Sportanlage. Warum sieht man noch nichts?

Hier hat sich eine engagierte Projektgruppe in der TSG Nieder-Erlenbach gegründet, die hauptsächlich aus Jugendlichen besteht, die ihre eigene Anlage mitplanen möchten. Diese soll im kommenden Jahr gebaut werden. Es gab einen langen und konstruktiven Austausch, um Standort, Größe und Ausstattung abzusprechen. Ich freue mich auf die Eröffnung 2020, bei der ich versprochen habe, die Anlage selbst aktiv zu nutzen.

CDU und BFF in Harheim wollen gegen die Stimmen von SPD und Grüne die Mittel für ein Jugendhaus in Harheim Ihrem Stadtteil zuschlagen. Zugleich favorisieren die Fraktionen eine stärkere Kooperation mit dem Ki-Ju in Nieder-Erlenbach. Was halten Sie von diesem Vorstoß?

Kooperationen mit Nachbarstadtteilen halte ich für absolut sinnvoll. Insbesondere wir im Frankfurter Norden sind auf allen Ebenen gut vernetzt. In interne Angelegenheiten des Ortsbeirats in Harheim mische ich mich aber nicht ein. Ob in der Konsequenz mehr Mittel für die Arbeit des Kinder- und Jugendclubs in Nieder-Erlenbach herauskommen und Kooperationen mit Harheim finanziert oder organisiert werden, wird die Zeit zeigen. Wir verschließen uns dem ganz sicher nicht.

Was ist eigentlich aus der Gastro im Bürgerhaus geworden? Läuft die Catering-Küche, die ABG-Chef Frank Junker anstelle eines Restaurants eingerichtet hat?

Im Bürgerhaus wird fleißig gewerkelt. Schließlich ist der Umbau ja eine deutlich größere Maßnahme als nur der Ausbau der alten Küche und die Installierung der Catering-Küche. Es werden neue Clubräume hergerichtet, die insbesondere unseren Vereinen entgegenkommen, die mehr Möglichkeiten für Trainings-, Übungsstunden und Versammlungen haben. Was die Küche betrifft, so haben wir Pläne gesehen, die uns vollends überzeugen. Das wird eine klasse Möglichkeit für Vereine und Privatpersonen. Es haben schon viele Nieder-Erlenbacher angekündigt, die die Küche für Feiern, Feste und Veranstaltungen nutzen möchten. Im Frühjahr soll der Umbau abgeschlossen sein, dann kann auch die Küche genutzt werden.

Die Straße Alt-Erlenbach soll nach dem Willen der Grünen mit Bäumen aufgewertet werden. Halten Sie das für notwendig?

Ich würde einmal behaupten, dass niemand auf die Idee käme, in Nieder-Erlenbach gäbe es zu wenig Bäume und Bepflanzungen. Als ländlicher Stadtteil haben wir sicher ein Alleinstellungsmerkmal im Gegensatz zu anderen Stadtteilen. Die Idee der Grünen ist charmant. Im oberen Teil der Straße, Richtung Bad Homburg, kann man im Zuge der Erschließung des Baugebiets „Südlich am Riedsteg“ darüber nachdenken, eine solche Allee anzulegen. Dort gibt es ausreichend Platz und man könnte die Versiegelung der Fläche des Baugebiets direkt vor Ort ein Stück weit kompensieren.

Interview: Judith Gratza

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