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Christina Leber pflückt während der Corona-Krise Erdbeeren.

Engagement

Nieder-Erlenbach: Erdbeeren sammeln für die Kunst

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Die Leiterin der DZ Bank Kunstsammlung arbeitet auf dem Obsthof am Steinberg und spendet den Lohn an Künstler in Not.

Als die DZ-Bank-Kunstsammlung in der Corona-Krise schließen musste, habe sie sich überlegt, was sie mit ihrem Urlaub anfangen solle, sagt die Leiterin Christina Leber. Reisen innerhalb Deutschlands war nicht möglich. Zwei Wochen zu Hause bleiben wollte sie auch nicht.

„Damals kam die Idee auf, einen Fonds zu unterstützen, der Geld für Künstlerinnen und Künstler sammelt, die von der Corona-Krise betroffen sind“, sagt sie. Leber sprach die GLS-Bank an, die einen Kunstnothilfefonds auf der Onlineplattform Elinor gegründet hatte. Die Bank vermittelte ihr den Kontakt zum Obsthof am Steinberg in Nieder-Erlenbach.

Nun steht sie hinterm Tresen, neben Inhaber Andreas Schneider, und wiegt Erdbeeren. 250 Gramm pro Schale. Die Sorten Manille, Vima Zanta, Clery, Allegro sortiert sie in Kisten nebeneinander.

„Für uns ist es ein historisches Jahr“, sagt Schneider. Die Erdbeerernte habe sonst nie vor dem 25. Mai begonnen. Nun werde seit dem 2. Mai gepflückt. „Der Klimawandel ist bei den Erdbeeren sofort spürbar“, sagt er.

Ein Kunde kommt in den Direktvertrieb und lässt sich Apfelwein abfüllen. Ein anderer kauft eine Schale Erdbeeren, Sorte Manille, die nach Waldbeeren schmecken.

An ihrem zweiten Tag berät Christina Leber die Kunden. Sie sei auch zum Pflücken eingeteilt. „Nachher zeige ich dir noch, wie die Kasse funktioniert“, sagt Schneider.

Arbeit an der frischen Luft macht Spaß

Schon in ihrer Jugend habe sie in der Weinlese geholfen, um sich einen Kassettenrekorder zu finanzieren, erzählt Leber. Die Arbeit an der frischen Luft mache ihr Spaß. Nach Nieder-Erlenbach sei sie mit dem Fahrrad gekommen.

Christina Leber arbeitet aber nicht zwei Wochen durch. Sie teilt sich die Zeit ein. Für zwei Tage muss sie ins Büro zurück, um die Wiedereröffnung des Art Foyer vorzubereiten. Am Dienstag, 19. Mai, mache die DZ-Bank-Kunstsammlung wieder auf.

Natürlich mit Sicherheitsmaßnahmen. „Es dürfen nur 17 Besucher gleichzeitig ins Art Foyer, sie müssen Masken tragen und eineinhalb Meter Abstand zueinander einhalten“, erläutert sie. Die laufende Ausstellung zur deutschen Fotokünstlerin Katharina Sieverding werde bis Anfang September verlängert.

„Gerade in Corona-Zeiten gewinnen die Arbeiten neue Aspekte hinzu“, sagt Leber. Sie erinnert an „Global Desire I“, in dem der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-Un mit Gefolgschaft vor ein Amazon-Zentrum überblendet wird. Amazon, der Krisengewinner. Kim Jong-Un, der wochenlang von der Bildfläche verschwunden war.

Die DZ-Bank-Kunstsammlung verfügt über eine Sammlung von rund 10 000 fotografischen Arbeiten. Von September an veranstaltet sie die Ausstellung „Win win. Synergien in der Kunst“, in der sich Künstlerinnen und Künstler mit kunstfremden Inhalten beschäftigen.

Christina Leber blinzelt in die Sonne. Auch für sie sei die Arbeit auf dem Obsthof eine Win-win-Situation, sagt sie.

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