Mit Corona-Abstandhalter läuft der Demo-Zug die Oeserstraße entlang zur Bahnschranke. Foto: Maik Reuß
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Mit Corona-Abstandhalter läuft der Demo-Zug die Oeserstraße entlang zur Bahnschranke. Foto: Maik Reuß

Bahnschranke in Nied

Nied Protestzug durch den Stadtteil

Die Bürgerinitiative möchte erst ruhen, wenn die Schranke an der Oeserstraße endgültig fort ist. Antrag auf einstweilige Verfügung gegen den Bahnverkehr gestellt.

Mit rot-weißen Flatterbändern in den Händen sind am Sonntagabend knapp 150 Bürger durch die Oeserstraße gezogen. Mit ihrer Forderung „Die Schranke muss weg!“ erinnerten sie an das tragische Zugunglück vom 7. Mai, bei dem ein 16-jähriges Mädchen ums Leben kam und zwei Menschen schwer verletzt wurden.

Zur stillen Mahnwache vor zwei Wochen kamen sie mit Schaufeln und Spaten. Jetzt macht die Bürgerinitiative Nied ihrem Unmut lautstark Luft, während wieder Züge die Gleise befahren. „Ich kann das nicht nachvollziehen. Die Unfallursache ist noch gar nicht geklärt und die Züge dürfen wieder fahren“, sagt Dominik J. (20) traurig. Er ist der Bruder der 16-jährigen Cindy, die am 7. Mai gegen 20 Uhr am Bahnübergang an der Oeserstraße von einem Zug tödlich verletzt wurde. Die Schranke war nicht geschlossen.

J. führt mit Peter Stoner von der Bürgerinitiative die Demonstration an. „Es heißt, dass die Sicherheit gewährleistet sei, aber wie soll das gehen, wenn die Ursache nicht feststeht. Ich habe jedes Mal ein ganz übles Gefühl, wenn ich zu Fuß über die Gleise muss.“

Die Initiative von Peter und Heike Stoner hat bereits 1278 Mitglieder. Ein Verein wird derzeit gegründet. An der Schranke stehen fünf Sicherheitsarbeiter der Deutschen Bahn. Sie halten Abstand zu den Demonstranten.

„Unsere Verzweiflung richtet sich nicht gegen die Mitarbeiter“, sagt Stoner. „Seit 100 Jahren ist bekannt, wie gefährlich der Übergang ist. Seit Jahrzehnten setzen wir uns dafür ein, dass wir alle ohne Angst und Katastrophen heil über die Gleise kommen.“ Die Demonstranten halten rot-weiße Bänder. Als Zeichen des Zusammenhalts und als Zeichen des Andreaskreuzes. Die Polizei begleitet vom Kerbeplatz zur Niddahalle.

Auch Cornelia Rosinger (62) ist dabei. „Mein Vater ist bereits vor 63 Jahren genau an dieser Stelle gestürzt“, sagt sie. „Er hatte Glück.“ Ihr Mann war bis zur Rente Lokführer. „Mein Mann hat zwei Mal die schreckliche Erfahrung gemacht, dass von seinen Zügen Menschen erfasst worden sind. Sie wollten sterben. Das junge Mädchen nicht. Das hätte nicht passieren müssen.“ Den Bahnübergang bezeichnet sie als lebensgefährlich. „Ich würde niemals mit dem Rad darüber fahren. Ich steige immer ab.“ Zuletzt sei vor zwei Tagen ein Mann gestürzt.

Die Bahnschranke schließt und öffnet sich jetzt öfter. „Früher mussten wir oft zehn Minuten warten, bis zwei oder drei Züge durchgefahren sind. Jetzt fahren sie langsamer und die Schranke schließt und öffnet sich bei jedem Zug einzeln“, bemerkt Heike Stoner. „Früher fuhren sie zwischen 100 und 120 Kilometer pro Stunde. Jetzt zwischen 70 und 80 Kilometer. Das ergibt zwar weniger Stau, aber wir empfinden es als genauso gefährlich wie vor der Tragödie.“

Dezernent kündigt sich an

Stoner hat Anfragen an die Website „Frag den Staat“ geschickt. J. und die Bürgerinitiative haben auch einstweilige Verfügung beim Gericht beantragt. „Die Züge fahren trotzdem. Wir wissen nicht, ob jetzt irgendetwas sicherer ist, als vorher“, sagt der Bruder der Toten bedrückt. Die Initiative hat Akteneinsicht beantragt. „Wir werden nicht eher Ruhe geben, bis wir sicher über die Kreuzung kommen“, betont Stoner. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) habe zugesagt, nach Nied zu kommen, um Fragen der Bürger zu beantworten. Ebenso wie ein Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn.

Die nächste Mahnwacheist für den 7. Juli angesetzt. Info bei Facebook unter https://www.facebook.com/groups/927223904370234/

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