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Der 61-Jährige übernahm den Laden in den 1990ern von seinem Vater.

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Unklare Zukunft für Angelladen in Frankfurt-Nied

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Norbert Ulshöfer geht in Rente, noch gibt es keinen Nachfolger für sein Traditions-Geschäft.

Noch füllen unzählige Angeln, Spulen und Köder jede Ecke des kleinen Ladens von Norbert Ulshöfer in der Nieder Kehreinstraße. Der Raum, der etwas tiefer liegt als der Eingang von der Straße, ist ein wahres Sammelsurium an Angel und Outdoorausstattung – alles in sehr guter Qualität. „Wir verkaufen vor allem Markensachen von Shimano“, erklärt Ulshöfer. Im Gegensatz zu Großhändlern oder Internetanbietern kann man in dem familiengeführten Laden seine Ausstattung auch wieder reparieren lassen.

Ob dieser Service noch weiterhin in Nied angeboten werden kann ist momentan allerdings unklar. Der 61-jährige Norbert Ulshöfer, der den Laden in den 1990er Jahren von seinem Vater übernommen hatte, will in Rente gehen.

Zunächst bedeutete das: Mit dem Laden ist Schluss. Inzwischen laufen allerdings Verhandlungen mit einem potentiellen Nachfolger zur Übernahme des Unikatgeschäftes. „Ein junger Mann möchte den Laden gerne weiterführen. Ob das mit der Finanzierung allerdings hinhauen wird, sehen wir in den kommenden Monaten“, berichtet Ulshöfer.

Bis klar ist, wie es mit dem Laden weitergeht versucht er seine Produkte zu verkaufen – aktuell noch bis Ende November mit Rabatten von 30 bis 40 Prozent.

Geschäft 1917 gegründet

Den traditionsreichen Laden wirklich zu schließen würde Ulshöfer, trotz verdienter Rente, schmerzen. Gegründet wurde das Geschäft in Nied bereits 1917 von einem Adam Strauß. Damals war er noch in der Lotzstraße. 1989 – unter der Leitung von Ulshöfers Vater – zogen sie in die Kehreinstraße um. Aktuell sei Ulshöfer noch in ganz Deutschland bekannt, vor allem auch für seinen Reparaturservice. Die Angelbranche habe sich indes verändert: „Viele kaufen billigere Produkte aus dem Ausland im Internet“, so Ulshöfer, der selbst passionierter Fischer ist. 1999 gewann er die Weltmeisterschaft im Karpfenangeln in Rumänien. Vielleicht kommt auch das seinem landesweiten Ruf zu Gute. Während in Osteuropäischen Ländern Angeln immer noch Volkssport sei, habe sich der Sport in Deutschland stark gewandelt. Weltmeisterschaften im Fischen gibt es aus Tierschutzgründen nicht mehr.

Ulshöfer erklärt, dass Angeln heute eher als eine Möglichkeit der Erholung von einem stressigen Alltag in der Bankenstadt Frankfurt gesehen werde. „Viele Kunden sind junge Männer, die sich einfach nach dem Feierabend ein bisschen die Beine vertreten wollen“, erklärt er. Dazu käme ein wachsender Kundenstamm von zugezogenen Osteuropäern. „Bedarf an einem Angelladen besteht also trotzdem“, erklärt Ulshöfer.

Die Hoffnung auf einen Nachfolger gibt er deshalb nicht auf – trotz Rente stünde er auch beratend zur Seite.

Im November ist das Geschäft noch Montag bis Freitag von 9 bis 13 Uhr und 14 bis 18 Uhr, am Samstag von 9 bis 13 Uhr geöffnet, Kontakt@angel-ulshoefer.de.

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