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Chefplaner Mike Josef spaziert mit Bürgern durch Nied.

Frankfurt-Nied

Förderprogramm in Nied läuft an 

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Großer Andrang beim Spaziergang mit Planungsdezernent Mike Josef. Stadt hofft auf Impulse aus dem Förderprogramm Soziale Stadt.

Der Frankfurter Planungsdezernent ist beeindruckt. Seit 2016 bietet Mike Josef (SPD) immer mal wieder Stadtteilrundgänge an. Bei denen die Bürger auch Vertreter der Ämter mit Fragen löchern können. So viele Teilnehmer wie am Mittwoch in Nied haben das bislang noch nie wahrgenommen, sagt Josef.

Gut 50 Personen haben sich am Treffpunkt am Kerbeplatz eingefunden. Die Sonne scheint, die Fläche heizt sich auf. Viele Nieder wünschen, sie zu entsiegeln, sagt Timo Szuczynski vom Stadtplanungsamt. Mehr Grün, mehr Aufenthaltsqualität zu schaffen. Das Grünflächenamt überlegt bereits, was möglich wäre. Indes gibt es dort auch andere Interessen. Die Messe&Kongress GmbH möchte die Fläche für die Kerb erhalten. Die braucht zweimal im Jahr festen Untergrund für Fahrgeschäfte.

„Das müssen die Nieder diskutieren“, sagt Szuczynski. Entscheiden, was ihnen wichtiger ist. Das Forum dafür könnte der Beirat des Förderprogramms Soziale Stadt sein. Nied ist seit Ende 2016 dabei. Der Beirat ist in Gründung, referiert Marja Glage vom Quartiersmanagement. Die Institutionen des Stadtteils, die Vereine, Sozialträger, Politik stimmen sich ab, wer die zwölf Sitze im Gremium belegen soll. 13 Bürger bilden die andere Hälfte. 40 haben sich beworben und untereinander geklärt, wer wem den Vortritt lässt. Am 21. August ist konstituierende Sitzung.

Nied: „Wir wollen uns einbringen.“

Das Beteiligungsverfahren, bei dem sich die Bürger mit Anregungen einbringen können, ist gut angelaufen. In wenigen Wochen haben sie ganze 2500 Anregungen angesammelt. Bei rund 20 000 Einwohnern eine beachtlicher Quote, urteilt Josef. Peter Michael Buhr von den Wanderfreunden Nied-Höchst kann erklären, warum die Nieder so erpicht darauf sind, ihre Meinung loszuwerden. „Wir wollen uns einbringen.“ Lange hätte sich der Westen immer ein bisschen benachteiligt gefühlt, sagt er. Jetzt werden die Bürger selbst aktiv.

Die Gelegenheit ist günstig. Die Stadt hat nicht nur in Nied ein Förderprogramm angeleiert. Die Soziale Stadt fördert auch in Sossenheim, in Griesheim ist das Programm Stadtumbau West aktiv. Auch Höchst ist weiterhin im Förderblick. Insgesamt investiere die Stadt in den kommenden Jahren knapp 100 Millionen Euro im Westen, sagt Josef.

Knapp zwei Millionen Euro hat sie in die Hand genommen, um die Straße Alt-Nied zu sanieren (die FR berichtete), sie ist der nächste Halt beim Spaziergang. Jetzt ist die Straße etwas schmaler, das Trottoir dafür breiter. Den Einzelhandel möchte die Stadt in den Stadtteilen fördern, sagt Michael Hootz, im Stadtplanungsamt zuständig für öffentlichen Raum. Die Sanierung soll private Investoren ermuntern, die Ladenflächen zu beleben und Fassaden aufzuwerten.

Förderprojekt: Verkehrsberuhigung für die Straßen

„Wie soll das gehen ohne Parkplätze“, fragt ein Bürger missgelaunt. Zehn davon entfallen wegen des Umbaus. Die 30 verbliebenen seien für eine so kleine Straße schon zu viele, findet dagegen ein anderer. Er sei froh über jeden Parkplatz weniger. Das reduziere die Verkehrsbelastung, vor allem nachts nerven ihn rasende Unholde.

Die hört auch Martin Hinz. Der Nieder hätte sich eine echte Verkehrsberuhigung für die Straße gewünscht, in Form von Schwellen etwa. Das sei aber nicht möglich gewesen, sagt Michael Hootz. Zwei Buslinien fahren durch Alt-Nied, die kämen nicht so gut über die Schwellen.

In Sachen Nahversorgung tut sich am so genannten Nieder Loch etwas, beim Neubaugebiet in der Senke zwischen Mainzer Landstraße und Alt-Nied. Dort errichtet die Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft ABG nicht nur 140 neue Wohnungen, auch einen 3000 Quadratmeter großen Supermarkt. Fast 40 Prozent der Einheiten im Passivhausstandard sollen öffentlich gefördert sein, sagt ABG-Chef Frank Junker. Es wird eine Tiefgarage geben. Zufahrt erfolgt über die Mainzer Landstraße.

Eine neue Ampel soll die Menschen besser über die verkehrsreiche Straße hin zum Main lotsen. Der erste Bauabschnitt hat begonnen, zwei weitere werden folgen, sobald die VGF die Wendeschleife der Tram verlegt.

Sie wendet künftig an einem Bahnsteig. Das spart Platz. Die Stadt baut an der Kreuzung von Alt-Nied, Mainzer Landstraße und Nieder Kirchweg einen großen Kreisel. Den wird die Tram in der Mitte kreuzen, ansonsten bleibt sie im eigenen Gleisbett. Einen Mischverkehr von Tram und Autos hatte sich der Nieder Arbeitskreis Verkehr gewünscht. So wäre an den Rändern mehr Platz für Fußgänger und urbanes Leben. Die städtischen Planer greifen die Anregung aber nicht auf. Die Tram solle nicht mit den Autos im Stau stehen.

Derweil wird Niyazi Sen seinen Nahkauf-Markt an der Dürkheimer Straße vergrößern. Mit Hilfe und Beifall der Stadtplaner, die das Vorhaben als gelungenes Beispiel für Nachverdichtung loben. Statt eines eingeschossigen Supermarkts soll an der Stelle künftig ein viergeschossiges Haus zu finden sein. Der Nahkauf vergrößert sich von 430 auf 800 Quadratmeter. Im vorderen Bereich soll es einen Backshop als Treffpunkt geben, der auch sonntags geöffnet hat. Dafür weichen Dönerladen und Sportsbar. In den Geschossen über dem Markt entstehen 21 neue Wohnungen. Die Bewohner parken in einer Tiefgarage.

Info zur Sozialen Stadt: www.mein-nied.de

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