1. Startseite
  2. Frankfurt
  3. Nied

Treff vor Nahkauf soll bleiben

Erstellt:

Von: Michael Forst

Kommentare

Die Schutzfrau vor Ort, Jana Kaiser, im Gespräch mit Bürge-rinnen und Bürgern in der Dürkheimer Straße 40.
Die Schutzfrau vor Ort, Jana Kaiser, im Gespräch mit Bürge-rinnen und Bürgern in der Dürkheimer Straße 40. © hamerski

Nach der Polizeiattacke von Jugendlichen vor einem Nahkauf in Nied hat der Präventionsrat Frankfurt nun die Menschen vor Ort befragt, wie der Treffpunkt in der Dürkheimer Straße sicherer gemacht werden kann.

Viele Bürgerinnen und Bürger in Süd-Nied fühlen sich in ihrem Quartier nicht mehr wohl: Rauschgiftdealer sind dort fast schon ein vertrautes Bild, abendliche Ruhestörung durch Familienclans auf Parkplätzen oder Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und Polizei längst an der Tagesordnung.

Der Treffpunkt vor dem Nahkauf in der Dürkheimer Straße wird immer wieder zum Brennpunkt: Dort, wo in einem besonders spektakulären Fall Ende Juli Jugendliche zwei Polizisten mit Schlägen und Tritten attackierten und mit Reizgas besprühten, setzten jetzt der Vorsitzende des Regionalrats, Edgar Lühn, Jürgen Krusch vom Präventionsrat Frankfurt, die „Schutzfrau vor Ort“, Jana Kaiser, und Quartiersmanagerin Marja Glage ein ganz anderes Zeichen: Sie befragten Passanten sowie Kundinnen und Kunden, wie der Ort sicherer und attraktiver gemacht werden kann.

Der Redebedarf und mitunter auch der Leidensdruck ist offenbar groß: Ständig waren die Ansprechpartner:innen, vor allem Polizistin Jana Kaiser, von Bürgerinnen und Bürgern umringt, es wurde lebhaft und fair diskutiert. Die Stellwand, auf der Marja Glage die Anregungen und Beobachtungen anbrachte, füllte sich schnell: Sie reichten von „Ich möchte, dass hier im Nahkauf nicht so viele Betrunkene sind und sich die Leute nicht beleidigen“ über „Mehr gegenseitiger Respekt und Verständnis zwischen Polizei, Anwohnern und Jugendlichen“ bis „Streetworker abends! Perspektive geben“. Im Gespräch mit den Organisatoren lobte ein Bürger die Veranstaltung: „Endlich mal Gehör zu finden mit unseren Sorgen, das ist ein guter Anfang.“

Er hatte aber auch Kritisches vorzubringen: „Wenn die Streife einmal am Tag hier langsam durchfährt“, berichtete er, „dann stehen die Jungs daneben und machen ihnen eine lange Nase“. Er habe sogar erlebt, dass Jugendliche die Polizisten mit Äpfeln beworfen haben. Seit 20 Jahren lebe er im Stadtteil – „und nach meiner Beobachtung wird es hier jedes Jahr schlimmer“.

Das bestätigt Frank Hahmel, Bewohnervertreter im Beirat, der davon erzählt, wie er im April selber zum Opfer eines Überfalls geworden sei. Der Täter habe ihn gegen die Wand gedrückt, mit der Stirn einen Kopfstoß verpasst und ihn gefragt, „ob ich den Rest meines Lebens im Rollstuhl verbringen möchte“. Ein Strafverfahren sei noch anhängig.

Ein anderer Mann, der im Block über dem benachbarten Bistro wohnt, beklagt die nächtlichen Ruhestörungen auf dem Parkplatz, wo sich regelmäßig ein Familienclan treffe. „Wenn ich mich bei der Polizei beschwere, rät die mir, mal rauszugehen und die Leute anzusprechen“, sagt er Quartiersmanagerin Glage. „Das machen Sie ein einziges Mal, dann kracht’s!“

Einige junge Menschen aus der Nachbarschaft beklagten sich, bei Polizeikontrollen oft respektlos und grob behandelt, nur ihres Aussehens und Alters wegen pauschal mit randalierenden und kriminellen Altersgenossen in einen Topf geworfen zu werden. Dagmar Thiel vom Vorstand der Projektgruppe „Kind in Nied“ rät ihnen, diesen Vorurteilen entgegenzuwirken: Einen Passanten freundlich zu grüßen, könnte dem Gegenüber die Angst nehmen.

Für Marja Glage steht am Ende der Gespräche fest: Der Treffpunkt vor dem Nahkauf müsse erhalten werden, „denn wir haben nur wenige davon in Nied“. Es müsse um ein friedliches Miteinander der Menschen gehen, die sich dort aufhielten. Der Marktbetreiber müsse zwar für Ordnung sorgen, dürfe aber nicht allein gelassen werden. Ein Appell an die verantwortliche Handelskette Rewe, ihn zu unterstützen und einen Wachdienst zu installieren, sei auf den Weg gebracht.

Auch interessant

Kommentare