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Stadtteil-Botschafterin Yasmine Ikradine vor der von ihr mit Street-Work-Art gestalteten Lärmschutzwand an der Werner-Bockelmann-Straße.
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Stadtteil-Botschafterin Yasmine Ikradine vor der von ihr mit Street-Work-Art gestalteten Lärmschutzwand an der Werner-Bockelmann-Straße.

Nied

Stadtteil Botschafterin in Frankfurt: „Multikulti macht Nied aus“

  • Judith Gratza
    VonJudith Gratza
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Die Stadtteil-Botschafterin Yasmine Ikradine hat mit Jugendlichen das Street-Art-Projekt „We Nied Art“ realisiert. Im Interview erklärt sie, was sie und die Jugendlichen daraus mitnehmen.

Frau Ikradine, Sie haben als Stadtteil-Botschafterin mit Jugendlichen eine Lärmschutzwand in Nied gestaltet. Ihr Projekt hieß: We Nied Art. Warum braucht der Stadtteil Ihrer Meinung nach einen künstlerischen Anstrich?

Als jemand, der in Nied aufgewachsen ist, ist mir aufgefallen, dass hier eher ein graues Dasein existiert. Viele Fassaden sind aus Beton, unberührt oder mit Graffiti beschmiert. Deshalb wollte ich sie gemeinsam mit Jugendlichen verschönern und den Jugendlichen das Gefühl geben, stolz auf etwas zu sein.

Woher können Sie so gut mit der Spraydose umgehen?

Ich war in der Mittelstufe in einer Graffiti-AG und beeindruckt von der Technik.

War es für Sie daher leicht, so ein Projekt als Stadtteil-Botschafterin anzubieten?

Nein, ganz und gar nicht. Es war eine harte Entscheidung. Ich dachte erst: Nein, das ist zu belastend, zu anstrengend, da ich in der Zeit auch ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Krabbelstube absolviert habe. Dann habe ich meinen ganzen Mut zusammengenommen, mich beworben, angefangen und gemerkt, es ist gar nicht so furchtbar.

Wie sind Sie dann konkret vorgegangen?

Ich habe mein Projekt im Jugendhaus Nied vorgestellt und kam mit den Jugendlichen in Kontakt. Insgesamt habe ich drei Workshops in Kooperation mit dem Jugendhaus gemacht, mit jeweils zehn bis 15 Jugendlichen unter 14 Jahren, sowie mit Unterstützung der beiden Künstler Max Aurea und Michael Jäger, meine beiden Mentoren.

Stand Ihre Arbeit mit den Jugendlichen unter einem bestimmten Motto?

Ja. Multikulti. Das macht Nied aus. Da wollte ich ein Zeichen setzen: Je bunter, desto besser.

Das Stipendium

Seit 2007 unterstützt die Stiftung Polytechnische Gesellschaft mit einem Stipendienprogramm junge Leute, ihre Ideen in Frankfurt umzusetzen. Bisher haben 165 Stadtteil-Botschafter:innen in 130 Projekten den Zusammenhalt in der Frankfurter Stadtteilen gestärkt.

Ende Oktober startet die Bewerbungsphase für das neue Stadtteil-Botschafter-Stipendium 2022/2023 . Anmeldeschluss ist der 15. Januar. Das Stipendienjahr beginnt Ende April 2022. Nähere Informationen zum Bewerbungsverfahren im Internet unter www.stadtteil-botschafter.de.

Die FR stellt in einer Interviewserie die aktuelle Stadtteil-Botschafter-Generation vor. 15 junge Leute im Alter zwischen 14 und 27 Jahren nehmen am Jahrgang 2020/21 teil.

Am Samstag, 2. Oktober, findet im Instituto Cervantes die Abschlussveranstaltung der aktuellen Generation mit geladenen Gästen statt. Manche Projekte laufen danach noch weiter. dit

Und wie haben Sie dieses Motto in den Workshops umgesetzt?

Wir haben den Jugendlichen erklärt, wie man mit Spraydosen umgeht. Dann sollten sie Planeten auf Papier malen und diese auf eine Leinwand übertragen. Beim nächsten Mal konnte jeder auf Fassaden des Jugendhauses das entwerfen, worauf er Lust hatte: Spiegeleier, Fußballplatz, Ufo, Aliens, Vogel, Affe. Die Motive haben wir mit Bleistift von Papier auf die Wand übertragen und dann entlang der Linien gesprayt. Zum Schluss durfte jeder auf einer Lärmschutzwand der Bahn in der Nähe der Werner-Bockelmann-Straße sein Herkunftsland und weitere Wunschländer als Flaggen in Planeten aufmalen. Entstanden ist ein sehr großes Bild, das auf meiner Instagram-Seite: „we.nied.art“ zu sehen ist.

Wie kamen Sie auf den Projektnamen?

Durch Zufall. Der Name „We Nied Art“ ist ein kleines Wortspiel aus dem Wir, dem Stadtteil und der Kunst, die er meiner Ansicht nach braucht.

Wie kam das Projekt bei den Jugendlichen an?

Für die Jugendlichen war es etwas ganz Besonderes. Während wir an der Wand standen, blieben Passanten stehen und schauten zu, was da passiert. Und jedes Mal, wenn die Jugendlichen heute mit ihren Eltern an der Lärmschutzwand der Bahn vorbeilaufen, können sie stolz sagen: „Schau mal, das habe ich gemacht!“

Werden Sie auch in Zukunft Street-Art-Workshops geben?

Ich würde gerne weitermachen, aber ich fange jetzt mit einem Informatikstudium an, da werde ich keine Zeit dafür haben.

Was hat Ihnen das Projekt gebracht?

Für mich war das eine große Persönlichkeitsentwicklung. Ich bin sehr stolz, dass ich das Projekt angegangen bin, obwohl ich Angst hatte, dass ich das nicht schaffe. Daher kann ich nur jedem raten, es einfach zu machen, nicht so viele Gedanken darüber zu verlieren – was zählt ist die Erfahrung.

Interview: Judith Gratza

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