Umstritten: der Bahnübergang in der Oeserstraße.
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Umstritten: der Bahnübergang in der Oeserstraße.

Nied

Schranke schließt schon wieder nicht

  • vonHolger Vonhof
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Erneut kommt es zu einem gefährlichen Zwischenfall am Bahnübergang in Nied. Die neue Anlage war blockiert.

Der Vorfall hätte wieder Menschenleben kosten können: Gegen 19.35 Uhr haben sich am Donnerstagabend die Schranken des Bahnübergangs an der Oeserstraße geschlossen – bis auf eine: Die bei dem tödlichen Unfall zerstörte und danach ersetzte Schranke an der Ecke zur Birminghamstraße blieb offen und rührte sich nicht.

„Dann passierte bei geöffneter Schranke ein Zug den Bahnübergang“, sagt Thorsten Deeg, als Anwohner einer der Zeugen des Zwischenfalls. Die Geschwindigkeit des Zuges der Königsteiner Kleinbahn, der in Richtung Hauptbahnhof unterwegs war, sei aber sehr gering gewesen. Andere Zeugen berichteten, der Lokführer habe sich geradezu in den Bahnübergang hineingetastet. Offenbar hatte er über den Funktionsausfall der Schranke noch rechtzeitig informiert werden können.

Noch am Donnerstagabend ist die erst vor kurzem nach Reparatur und Sicherheitsüberprüfung freigegebene Bahnstrecke wieder gesperrt worden, und noch am Donnerstagabend mühten sich Techniker der Bahn damit, die Schranke wieder gangbar zu bekommen. „Was das Verwaltungsgericht Frankfurt nicht geschafft hat – die Sperrung der Bahnstrecke -, schafft nun die Bahn selber“, sagt Tobias Fechler, der Vorsitzende der CDU Nied – er war infolge des tödlichen Unfalls vom Mai mit seinem Antrag auf einstweilige Verfügung zur Sperrung der Strecke vor Gericht gescheitert.

Zwischenfall kocht in sozialen Medien hoch

Der Zwischenfall, bei dem niemand zu Schaden kam, kochte noch am gleichen Abend in den sozialen Medien hoch – weil es genau dieselbe Situation war, die im Mai ein Menschenleben gekostet hatte. Damals war der Zug ungebremst durchgefahren. Das Verhalten des Lokführers am Donnerstagabend entspricht der Gesetzeslage: An einem mit Andreaskreuz kenntlich gemachten Bahnübergang hat der Zugverkehr Vorrang – auch wenn die Schranken oben sind.

Die Missachtung dieser Vorfahrt kostet andere Verkehrsteilnehmer übrigens – auch wenn nichts passiert – 80 Euro und einen Punkt in Flensburg. Der Verstoß gegen die Wartepflicht, obwohl die Schranken sich senkten, ein Bahnbediensteter „Halt“ gebietet oder ein hörbares Signal des herannahenden Zuges ertönt, schlägt mit 240 Euro und zwei Punkten zu Buche; dazu kommt ein Monat Fahrverbot. Die Überquerung eines Bahnübergangs bei geschlossener Schranke oder Halbschranke kostet motorisierte Verkehrsteilnehmer 700 Euro, zwei Punkte und drei Monate Fahrverbot; wer zu Fuß drüberläuft oder mit dem Rad drüberfährt, bezahlt 350 Euro.

Auf Twitter antwortete die Deutsche Bahn am Donnerstagabend der Initiative Frankfurt-West auf ihre Anfrage, was denn wieder mit der Schranke sei: „Das ist natürlich alles andere als gut. Man steckt leider in der Technik nicht drin, und es kann, wie überall, auch mal zu einer Störung kommen. Und dann muss sich so was erst mal ein Techniker anschauen.“

Die Techniker der Bahn waren auch gestern Vormittag noch zugange; am Mittag war die Störung dann behoben, der täglich von 265 Zügen genutzte Streckenabschnitt ist seitdem wieder freigegeben. Wie ein Sprecher der Bahn sagte, sei ein Schrankenantrieb blockiert gewesen.

Die Forderung nach Beseitigung dieses Bahnübergangs – des letzten von Hand betriebenen in ganz Frankfurt – besteht seit Jahrzehnten; nach dem Unglück vom 7. Mai hat sich eine Bürgerinitiative gebildet und mehr als 4000 Unterschriften gesammelt. Mit der Fertigstellung einer Unterführung rechnet der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) in frühestens acht Jahren; zusammen mit der DB sei die Genehmigungsplanung beauftragt worden. Oesterling schließt Klagen von Anwohnern gegen die Unterführung nicht aus, weil Eingriffe in Grundstücke notwendig sind.

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