Blumen erinnern an das Unglück am Donnerstagabend am Bahnübergang Frankfurt-Nied.
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Blumen erinnern an das Unglück am Donnerstagabend am Bahnübergang Frankfurt-Nied.

Bahn

Rätsel um tödlichen Unfall mit der Bahn in Frankfurt

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Im Nachgang des tödlichen Unfalls soll eine Sonderermittlungsgruppe klären, warum die Schranken in Frankfurt-Nied offen waren.

Zur Aufklärung des tödlichen Bahnunfalls in Frankfurt-Nied wird die Bundespolizeiinspektion Frankfurt eine Sonderermittlungsgruppe einrichten. Derzeit sei noch unklar, warum die Schranken offen waren, als am Donnerstag gegen 20 Uhr die Hessische Landesbahn 24762 den Bahnübergang Oeserstraße passierte, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Bei dem Unglück verlor eine 16 Jahre alte Fußgängerin ihr Leben, eine Autofahrerin und ein Radfahrer wurden ebenfalls von der Bahn erfasst und schwer verletzt. Beide waren am Freitag noch im Krankenhaus, ihr Zustand sei stabil, sie befänden sich nicht in Lebensgefahr. Der Lokführer erlitt einen Schock, die 35 Fahrgäste, die in Richtung Hauptbahnhof unterwegs waren, blieben unverletzt.

Bahnübergänge

In Hessen gibt es 1180 Bahnübergänge. 160 davon haben Vollschranken wie in Frankfurt-Nied. Aber nur 41 Bahnübergänge in Hessen sind noch wie in der Oeserstraße „wärterbedingte Anlagen“. Im Jahr 2018 gab es in Hessen 13 Unfälle an Bahnübergängen.

Bundesweit gab es im Jahr 2018 an Bahnübergängen 34 tödliche Unfälle. Insgesamt ereigneten sich 146 Unfälle. Nur vier davon hatten einen „Prozessfehler bei Bahnsicherung“. Auch Unfälle mit Radfahrern oder Fußgängern sind sehr selten. In den meisten Fällen sind Autos in die Unfälle involviert. ote

Der stark frequentierte Bahnübergang in Nied wird nicht vollautomatisch geregelt, sondern von Menschenhand bedient. Entweder über einen Fahrdienstleiter im Stellwerk oder einen Bahnwärter. Zum Zeitpunkt des Unfalls am Donnerstagabend war das Schrankenwärterhäuschen nach Angaben der Bundespolizei von einer Mitarbeiterin besetzt. Warum die Schranke trotzdem nicht schloss, ist noch völlig unklar. Die Ermittlungen seien „sehr komplex“, sagte der Sprecher der Bundespolizei. Die Sonderermittlungsgruppe werde erst am Montag ihre Arbeit aufnehmen, bis dahin sollen viele Informationen zusammengetragen werden. Neben der Schrankenwärterin sollen auch zahlreiche Augenzeugen des Unglücks vernommen werden.

Die Deutsche Bahn zeigte sich von dem Vorfall schockiert. „Unsere Gedanken sind jetzt bei der verunglückten Fußgängerin und ihren Angehörigen sowie bei den beiden Verletzten“, sagte der Konzernbevollmächtigte der Bahn für Hessen, Klaus Vornhusen. Die Bahn werde die Ermittlungsbehörden „vollumfänglich“ bei der Aufklärung des Unfalls unterstützen, versicherte Vornhusen. Die Bahnstrecke zwischen Frankfurt-Höchst und Mainzer Landstraße soll bis Montag gesperrt bleiben. Die Umleitung der Züge erfolge über Griesheim.

Der Bahnübergang in Nied steht seit vielen Jahren in der Kritik, auch beim zuständigen Ortsbeirat 6. „Wir kämpfen schon seit Jahrzehnten dafür, dass dieser Bahnübergang beseitigt wird“, sagte Ortsvorsteherin Susanne Serke (CDU) am Freitag auf FR-Anfrage. Passenderweise hat die Ortsvorsteherin unabhängig von dem Unglück bereits einen erneuten Antrag bezüglich einer baulichen Veränderung präsentiert, der am kommenden Dienstag in den Ortsbeirat eingebracht werden soll. Die Deutsche Bahn hatte bereits 2013 versprochen, den Bahnübergang zu beseitigen und als Baubeginn 2018 genannt. Zuletzt hieß es allerdings, Baubeginn sei erst 2026, da es nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs erneuten Abstimmungsbedarf „zur Anwendung der Honorarforderung für Ingenieurleistungen“ gebe. Serke findet, ein solcher Aufschub sei nicht mehr hinnehmbar. „Wir sind jetzt an einem Punkt, wo das nicht mehr diskutiert werden sollte.“

Von Oliver Teutsch

Nach dem tödlichen Unfall an einem Bahnübergang in Frankfurt-Nied wächst der Druck auf Bahn und Politik. 

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