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Messerschleifer Peter Abel aus Hoechst sitzt an seiner alten Schleifmaschine. 

Nied

Nied: Messer schleifen mit Präzision

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Der Gewerbeverein im Frankfurter Stadtteil Nied macht eine Gewerbeschau, um Menschen in lokale Geschäfte zu locken.

Messerschleifer Peter Abel bedient die antike Schleifmaschine, die er am Sonntag zur Gewerbeschau in Nied mitgebracht hat, mit höchster Präzision. Nach ein paar Umdrehungen des originalen Höchster Gerätes ist die Klinge wieder scharf. „Im Gegensatz zum Großhandel bieten wir echte Qualität“, sagt Abel, der seine kleine, weltberühmte Manufaktur in Höchst inzwischen seit 55 Jahren betreibt. Leider ist er einer der wenigen Einzelhändler, die sich in den westlichen Stadtteilen keine Sorge um Kundenzulauf machen müssen. Wie in den meisten Frankfurter Vororten leiden auch hier vor allem Einzelhändler an mangelnder Kundschaft.

Um wieder mehr Menschen in die lokalen Geschäfte zu locken, organisierte der Gewerbeverein in Nied deshalb am Sonntag eine Gewerbeschau für kleine und mittelständische Unternehmen aus den umliegenden Stadtteilen.

Rund 35 Aussteller, von Bäckereien, Schreibwarenläden bis hin zur Gebäudereinigung, haben sich dafür im Saalbau des westlichen Stadtteils versammelt. Neben einer Übersicht über Waren und Dienstleistungen, gibt es ein buntes Unterhaltungsprogramm von Piratenmusik über Turnvorführungen.

Unterstützt wird die Veranstaltung, die es auch schon in Oberrad und Rödelheim gab, von der Wirtschaftsförderung der Stadt. Im Rahmen ihres Programms „Frankfurt am Start“, sollen so Gewerbetreibende auch in den äußeren Stadtteilen gefördert werden.

Ohne Zwang umschauen

„Oft trauen sich die Leute kaum noch in die Geschäfte bei ihnen um die Ecke, aus Angst etwas kaufen zu müssen“, meint der Vorsitzende des Gewerbevereins in Nied, Gerhard Gabler. Stattdessen tendierten immer mehr Menschen zum Onlineshopping oder besuchten das nächstgelegene Einkaufszentrum. „Hier haben wir inzwischen nicht mal mehr einen Metzger“, berichtet Gabler. Die zweitägige Gewerbeschau soll die Anwohner deshalb dazu einladen sich ohne Zwang anzuschauen, was in ihrem Stadtteil so verkauft, produziert oder als Service angeboten wird.

Anders als in der Innenstadtgegend kämpft der Gewerbeverein in Nied für jedes Unternehmen. „Aktuell haben wir circa 60 Mitglieder“, so Gabler. Nicht alle sind jedoch in Nied angesiedelt, auch Höchster, Zeilsheimer, Goldsteiner sowie Gewerbe aus dem Gallus sind dabei. Dort gibt es nämlich keine eigenen Gewerbevereine.

Die Gewerbeschau sei dabei auch ein Ort der Vernetzung: „Wir haben an diesem Wochenende mehrere neue Mitglieder gewinnen können“, berichtet Gabler. Für Melisa Atmis, die Nieder Bäckerei „Mein Bäcker“ ihrer Mutter vertritt, hat sich die Veranstaltung gelohnt: Wir konnten hier unsere Produkte verkaufen und anderen Unternehmer aus dem Stadtteil kennenlernen“, so die 21-Jährige.

„Wir hoffen durch solche Veranstaltungen den Frankfurter Westen wieder lebendiger machen zu können“, so Gabler. Sein großes Ziel: Ein eigener, ökologischer Wochenmarkt im Stadtteil. Nachdem die Idee zunächst wegen zu geringer Standbeteiligung gescheitert war, hofft er im kommenden Frühjahr einen kleinen Markt auf dem Gelände der SG Nied aufbauen zu können. Dort soll auch im kommenden Jahr die Gewerbeschau stattfinden. „Das Konzept funktioniert so gut, dass wir dabeibleiben wollen“, sagt der Vorsitzende des Gewerbevereins

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