Die Bürgerinitiative hat darüber informiert, wie sie den Georgshof gerne gestalten möchte. peter jülich
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Die Bürgerinitiative hat darüber informiert, wie sie den Georgshof gerne gestalten möchte.

Nied

Nied: Lernbauernhof als Nonplusultra

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Erster Treffen der Bürgerinitiative Georgshof. Die hat bereits mehr als 2000 Unterschriften für den Erhalt des Niddastrands gesammelt.

Nicht nur ihre Kontaktdaten, auch ihre Unterschrift hinterlassen die meisten der Besucher des Niddastrandes am Dienstagabend. Neben der obligatorischen Notiz von Name, Adresse und Telefonnummer zur Benachrichtigung bei Corona-Fällen liegt am Eingang des Beachclubs eine Unterschriftenliste aus. Darauf steht: „Pro Niddastrand sowie Lern- und Kinderbauernhof“.

Die neu gegründete „Bürgerinitiative Georgshof“ (BIG) hat an diesem Abend zu ihrem ersten Treffen eingeladen. Eine lange Schlange bildet sich vor der Liste. Mehr als 2000 Unterschriften seien bereits zusammengekommen, berichtet Frank Rusko, Mitgründer von BIG. Während die einen nach ihrer Signatur die Liegestühle auf der großen Sandfläche aufsuchen, setzen sich andere auf aus Euro-Paletten gezimmerte Sitzmöbel, um Statements der aktuell knapp zehn Mitglieder zählenden Bürgerinitiative zu lauschen. Etwa 80 Interessierte sitzen zusammen.

Seit rund zwölf Jahren können die Gäste am Georgshof des verstorbenen Landwirtes Georg Diehl, bei Getränken und Essen, in Ruhe sowie idyllischer Umgebung entspannen. Nur einige hundert Meter entfernt lärmen die Autos an der stark befahrenen Oeserstraße. Zuletzt hat die Stadt das 40 Hektar große Areal unweit des Niddaufers gekauft, das an einen Polo-Klub mit Pferdehof angrenzt. Bislang ist unklar, was damit passieren soll. Eine Idee der BIG zur künftigen Gestaltung ist ein Lernbauernhof für Kinder und Jugendliche, wo sie mehr über Flora und Fauna erfahren.

Konstanze Reichenbach besucht den Strandklub im Stile eines Biergartens und ohne Eintritt schon seit Anfang an. Letzte Woche erst habe sie mit Besitzer Holger Hauke einige Palmen aufgestellt. Man kenne sich eben im Quartier. Und auch, wenn die gebürtige Niederin seit einiger Zeit in Höchst lebt, kommt sie mit dem Rad an der Nidda entlang regelmäßig vorbei.

Heute sei sie nach einem Frühstück am Morgen schon das zweite Mal da. Ihre Malteser-Mix-Hündin sowie ihren Mann habe sie sonst im Schlepptau, diesmal eine Freundin. Mit der „Harley-Motorradgruppe“ hätten sie dort im Sand schon Sommerfeste gefeiert. Die 53-Jährige sagt: „Der Niddastrand ist eine ruhige Oase, wo man sich nach der Arbeit entspannen kann.“ Und weiter: „Wie ein bisschen Urlaub, ich möchte nicht, dass er weg ist“. Für Kinder könne sie sich einen Lernbauernhof gut vorstellen.

Florian, ein junger Vater, der erst vor einigen Jahren nach Nied gezogen ist und gerade für den Erhalt unterschrieben hat, sagt: „Es ist insgesamt der schönste Beachclub in Frankfurt“. Der 36-Jährige ergänzt: „Viel Landschaft, wenig Stadt rundherum“. Auch er findet die Idee eines Lernbauernhofs gut, insbesondere für seine ein Jahr alte Tochter. Dann folgt er einer Gruppe von Freunden Richtung Sandfläche.

Frank Rusko betont, dass seine Gruppe offen sei für Engagement und Vorschläge. „Wir wollen mit Ihnen etwas mit Bestand entwickeln und niemanden vergessen, auch aus anderen Stadtteilen nicht“, sagt er. „Gediegen und relativ ruhig für einen Freizeitbetrieb“, so beschreibt Anika Fabijanovic den Niddastrand. Die 40-Jährige hat sich BIG vor allem angeschlossen, um einen Lernbauernhof einzurichten. „Stadtkinder sind relativ naturfremd“, sagt die Mutter einer fünfjährigen Tochter. Sie sollten jedoch „in Kontakt mit ihren Lebensmitteln kommen“, findet sie.

Ursula und Peter Stahl aus der benachbarten Eisenbahnersiedlung sehen das ähnlich. Auf einem Notizzettel, der von BIG-Mitgliedern verteilt wurde, haben sie abgedruckte Vorschläge wie „Versuchsgarten für Kita- und Schulprojekte“, „Sommerkino“ oder „Theater im Grünen“ angekreuzt und „Kräutergarten“ sowie „Bienenwiese“ hinzugefügt. „So ein Lernbauernhof wäre das Nonplusultra, damit die Schulen nicht in den Taunus fahren müssen und Umwelterziehung im Nahbereich in ihren Unterricht einfließen lassen können“, sagt der 69-Jährige.

Seine Frau befürwortet, dass der Ortsbeirat dem Erhalt des Geländes positiv gegenüberstehe. Claudius Swietek (FDP), Mitglied des Ortsbeirates 6, der als privater Unterstützer gekommen ist, berichtet, dass sich das Stadtteilgremium geschlossen für einen Erhalt ausgesprochen habe.

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