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Daumen hoch, Daumen runter: Jan Thielmann nimmt die Anregungen einer Bürgerin auf.

Stadtentwicklung

Nied: Besser geht immer

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Bürger beraten die Stadtplaner an den Infoständen des Programms Soziale Stadt.

Die kleine Grünfläche neben den Fahrradständern an der S-Bahn-Station nahe der Oeserstraße ist ungewöhnlich gut besucht am Freitagnachmittag. Der Wind lässt lustig ein paar Flyer flattern. Daneben zeigt eine Bürgerin dem Stadtplaner Jan Thielmann, wo er Markierungen auf einer Karte setzen soll. Es geht darum, schöne und weniger schöne Orte im Stadtteil zu benennen.

„Sind Sie eine Partei?“, fragt eine Bürgerin interessiert. Nein, im Gegenteil. Moritz Thielmann vom Stadtentwickler Projekt-Stadt und Marja Glage, Quartiersmanagerin der Caritas, wollen ein Konzept erarbeiten, wohin die Millionen aus dem Programm Soziale Stadt in den kommenden Jahren fließen sollen. „Die Ideen sollen aber nicht von außen kommen“, findet Thielmann. Sondern von den Experten vor Ort, also den Bürgerinnen und Bürgern. Aber Ideen muss man erst einmal haben.

Also tingeln die Projekt-Mitarbeiter durch den Ort, bauen an allen erdenklichen Ecken ihren Infostand auf. Quartiersspaziergänge und Werkstattsitzungen sollen folgen. Die Bürger können den Planern ihre Ideen auch per Postkarte schicken, sie können das Vorhaben im Internet kommentieren. Thielmann und Mitstreiter legen auch Info-Bierdeckel in Kneipen aus. „Wir wollen den Leuten viele Wege zur Beteiligung ermöglichen“, sagt er.

Ein bisschen haben sie das Projektgebiet kennengelernt. „Die Einrichtungen im Stadtteil sind sehr gut vernetzt“, sagt Marja Glage. Sie kennt sich ganz gut aus im Westen, hat schon in Unterliederbach und Sindlingen als Quartiersmanagerin gewirkt. Die Schulen und Vereine in Nied seien engagiert. „Es gibt viele Multiplikatoren“, lobt Glage und passt Passantin Sabine Schmidt ab. Die soll ihre Lieblingsorte nennen, und für solche, die nicht so schön sind, Projektideen vorschlagen. Puh, Schmidt muss erst einmal nachdenken. Der Niedwald sei sehr schön, auch die Nidda. Weniger gefällt ihr der Müll, der im Stadtteil herumliegt. Und dass es wenige kleine Läden und Treffpunkte gibt, „Cafés zum Beispiel“.

Auch mit dem Häuserbau könnte die Stadt in Nied kürzer treten. Fast 20 000 Menschen leben im Stadtteil. Ob sie bereit wäre, sich zu engagieren, möchte Glage noch wissen. „Warum nicht“, sagt Schmidt nach kurzem Zögern. Sobald sie im Ruhestand ist, könnte sie beim Café anfangen.

Denn besser geht immer. „Man könnte die soziale Infrastruktur im Stadtteil verbessern“, wünscht sich zum Beispiel Claudia Carbonara-Kaya von der Projektgruppe Kind in Nied. Es bräuchte Elternberatungsstellen im Stadtteil, damit die Mütter und Väter nicht nach Höchst oder ins Gallus fahren müssten.

„Ich bin froh, dass sich endlich was tut“, sagt auch Martin Hinz vom Arbeitskreis Verkehr. Er hoffe nur, dass nicht alles zu spät ist. „Viele Entscheidungen sind gefallen: Alt-Nied wird saniert, das Nieder Loch zugebaut.“ Hinz brummt: „Wenn man alles umbaut und hinterher fragt, was die Leute sich wünschen, naja …“ Auch Ante Ljubas wünscht sich „gute öffentliche Räume“ und „Veränderungen“. Vor allem mehr Bürger, die sich beteiligen. „Damit nicht immer die gleichen fünf bis zehn Leute aktiv sind.“

Nied - Soziale Stadt

Das Programm soll beitragen, die Lebensqualität zu steigern, den Stadtteil attraktiver zu gestalten und das soziale Miteinander zu stärken.

16 Millionen Euro stellen Stadt, Land und Bund dafür bereit. Die Caritas und die Projekt-Stadt der Nassauischen Heimstätten sind beauftragt, ein Konzept zu entwickeln. Außerdem braucht es einen Beirat mit Bürgern und Institutionen vor Ort.

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