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Die vierte Klasse hat Modell von Nied gebaut. 

Nied

Junger Blick auf Stadtentwicklung in Frankfurt-Nied

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Die Grundschüler in Nied wünschen sich mehr Spielgeräte, weniger Müll und weniger Verkehr auf den Straßen. Mit einem Projekt machen sie darauf aufmerksam, was sie am Stadtteil stört.

Häuser aus Spülschwämmen, eine grüne Tischtennisplatte aus einer Streichholzschachtel, die Zündhölzchen als Sportgeräte und eine Riesen-Rutsche aus Klopapierrollen: So haben Viertklässler der Fridtjof-Nansen-Schule ihr Quartier als Modell auf einer grün gestrichenen Holzplatte nachgebaut. Am Donnerstagmorgen präsentieren sie die Ergebnisse ihres Projektes „my Nied. Stadtteilexpert*innen Nied-Süd“, das die Neun- bis Elfjährigen, unterstützt von Mitarbeitern des Jungen Museums Frankfurt, seit November umgesetzt haben.

Und sie möchten einiges verändern. Neue Spielgeräte, insbesondere für die größeren Kinder, hätten sie gerne auf den Spielplätzen, dazu Fitnessgeräte. Was die meisten Kinder stört: „Dass es hier ungepflegt ist, und überall Müll herum liegt, berichtet der zehnjährige Arthur. „Sehr viel weniger Müll“, wünscht sich auch seine Klassenkameradin Zeynepsu mit eindringlicher Stimme, etwa rund um den Nahkauf. „Normaler Müll, den man in die Tonne werfen kann, wird auf den Boden geworfen“, sagt die Zehnjährige. Sperrmüll, der vor ihrem Zuhause im Nieder Kirchweg auf dem Gehweg liege, erschwere der Zehnjährigen das Inline-Skaten. Auf dem Bürgersteig parkten außerdem häufig Autos und versperrten Fußgängern den Weg, fügt Arthur hinzu.

Neben ihren Eindrücken haben die Mädchen Jungen unter dem Titel „Wie klingt Nied?“ auch Stimmen weiterer Bewohner aufgezeichnet. Zeynepsu hat sich für das Teilprojekt „Wie riecht Nied?“ ein Spiel ausgedacht, bei dem die Teilnehmer mit Schlafmaske auf den Augen Gerüche erraten. Die Grundschüler haben dazu Fundsachen aus ihrer Umgebung gesammelt und in verschließbare Dosen gesteckt. Einen Zigarettenstummel, einen nasser Grashalm und das Blatt eines Baumes.

Mancher munkelt, dass an dem Blatt Exkremente hingen. Und das betrifft die Kinder auch. Auf dem „Bolza“, dem Bolzplatz, fordert Sofia: „Hunde verboten, weil die auf den Rasen kacken“. Stattdessen wünscht sich die Zehnjährige wieder Bänke, „die alle weggemacht worden sind“.

Den Schleichweg hinter dem Nahkauf, zwischen Alzeyer und Dürkheimer Straße, den alle nur „Gruselweg“ nennen, würde Nawid gerne besser beleuchten lassen. „Wenn man da im Dunkeln durchläuft, denkt man, dass einen jemand verfolgt“, sagt der Elfjährige. Überhaupt sei mehr Beleuchtung im Viertel wichtig, finden die Schüler.

„Sie haben ein bisschen Feuer gefangen und Interesse für ihr Umfeld entwickelt“, sagt Klassenlehrer Christian Fabian, wo vor Beginn des Projektes eine „gewisse Gleichgültigkeit“ geherrscht habe. Welche Wünsche umgesetzt werden, kann Timo Szuczynski vom Stadtplanungsamt noch nicht sagen. Zunächst müsste das „Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept“ entwickelt werden. Davor stünde die Ideensammlung. „Alle Anregungen werden aufgenommen“, sagt er.

Die Wunschzettel, die die jungen Nieder geschrieben und an die Tafel ihres Klassenzimmers gehängt haben, will Quartiersmanagerin Marja Glage mitnehmen, um die Bedürfnisse des Nachwuchses besser zu beachten. Ein neues Müll- und ein besseres Verkehrskonzept seien in Planung. „Das sind die Klienten oder Kunden von morgen, die einen lebenswerten Wohnort brauchen“, sagt Glage. Im Stadtteilbüro, Alt Nied 13, will sie das Modell der Schüler ausstellen.

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