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Tierschützer Christian Haak steht im Wasser, zwei Helferinnen reichen den Krötenkäfig an. Foto: Maik Reuß
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Tierschützer Christian Haak steht im Wasser, zwei Helferinnen reichen den Krötenkäfig an.

Frankfurt-Nied

Frankfut-Nied: Umzugshelfer für Erdkröten

  • VonHolger Vonhof
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Naturschützer wollen die Tiere von der Straße fernhalten. Die Kröten sollen künftig nicht mehr im Grill’schen Altarm sondern im Lindensee laichen.

Im Jahr 1997 wurde im Niedwald zum ersten Mal eine größere Krötenwanderung registriert. Deshalb wird von den Helfen der BUND-Ortsgruppe Frankfurt-West jedes Jahr im zeitigen Frühjahr entlang der Straße ein Krötenzaun aufgebaut.

Das ist eine knapp kniehohe Plane, die von den Kröten nicht überwunden werden kann. Sie arbeiten sich an diesem Zaun entlang, plumpsen in eingegrabene Eimer, werden herausgeholt und über die Straße getragen. In den Eimern stehen kleine Äste – so kommen Mäuse oder andere Tiere heraus, die etwas behäbigeren Kröten aber nicht.

Denn wegen der Zersiedelung der Landschaft sterben jedes Frühjahr viele Kröten unter Autoreifen: Kommt ihre Fortpflanzungs- und Laichzeit, zieht es sie in das Gewässer zurück, in dem sie geschlüpft sind und als Kaulquappe gelebt haben.

Derzeit ist es für die wechselwarmen Tiere eigentlich noch zu kalt. Der Zaun steht seit dem vorigen Wochenende; ein Tier ist bislang nur in einen Eimer geplumpst. Bis zu 1500 sind aber schon in einer Saison gezählt worden. 2004 und 2005 waren die Zahlen dramatisch zurückgegangen, inzwischen sind sie wieder an der Tausender-Marke.

Die Erdkröte, der häufigste einheimische Lurch, verbringt den Winter eingegraben im Erdboden. Wenn die Tage wieder länger werden, erwacht sie aus der Winterstarre. Jetzt geht es bald los: „Die Kröten sind wechselwarme Tiere“, sagt Christian Haak, der seit Jahren als Mitglied des BUND und des Vereins „Waldwerk“ im Niedwald aktiv ist.

Sprich: Jetzt, wo es nachts noch in den Tieftemperaturbereich geht, kommen die Tiere noch nicht so richtig in die Gänge. Am Samstag haben Haak und andere Helfer aber die zweite Ausbaustufe der Krötenrettung installiert: Hölzerne Hasendrahtkäfige wurden im Lindensee, auch als „Scheidloch“ bekannt, versenkt. Der Lindensee ist ein Waldtümpel zwischen dem früheren Pumpwerk und der Waldschulstraße.

Dieser Tümpel, lange versandet, ist 2017 ausgebaggert worden, denn: Mit Hilfe des Stadtentwässerungsamtes sowie des Biologen Andreas Malten vom Senckenberg-Forschungsinstitut wurde ein Kröten-Neuansiedlungsprojekt konzipiert. Dafür werden Kröten, die im „Doppelpack“ in die Eimer fallen – also Männchen, die bereits eine Partnerin gefunden haben und sich an ihrem Rücken festklammern – nicht über die Oeserstraße getragen, sondern im Lindensee in die Drahtkäfige gesteckt. Wenn es gelingt, dass sie dort ablaichen, wird die nächste Generation nicht mehr über die Straße in Richtung des Grill’schen Altarms ziehen wollen, sondern quasi auf autofreiem Terrain bleiben.

Ein saisonbedingtes Fahrverbot auf der Oeserstraße ist kaum durchzusetzen, ein Amphibientunnel zu teuer – also leisten die Naturschützer ihre Arbeit, kontrollieren morgens und abends die Eimer, registrieren Kröten, tragen die einen hinüber und die anderen zum Lindensee. In den Käfigen gibt es Äste, um die Laichschnüre zu halten. Ob es bereits eine Krötengeneration gibt, die im Lindensee geschlüpft ist, ist nicht gewiss, aber wahrscheinlich: „Voriges Jahr haben wir hier Kaulquappen beobachtet“, sagt Haak. Aber nicht nur die braune, mit Warzen übersäte Erdkröte profitiert: „Auch der Teichmolch oder der Froschlurch“, sagt Christian Haak. Und so steigt er wieder mit der Wathose ins kalte Wasser: Umweltschutz braucht Leidenschaft.

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