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Nicole Wächtler (links) hilft den Künstlerinnen und Künstlern beim Verschönern.

Nied

Kunst am Gleis der Bahnstation Nied 

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Nicole Wächtler und der Regionalrat verschönern die Wartehäuschen und Papierkörbe der S-Bahnstation in Nied. 

An der S-Bahnstation Oeserstraße geht die Sonne auf. Und das rund um die Uhr. Wer auf den Bahnsteig Richtung Höchst tritt, fängt die ersten Strahlen ein. Die Sonne prangt am Stationshäuschen, in einem bunten Bild sendet sie eine Botschaft der Farbe und Freude.

Der Regionalrat hat Künstlerin Nicole Wächter eingespannt, um den Bahnhof zu verschönern. Die Bad Vilbelerin ist spezialisiert auf Projekte, bei denen alle mitmachen können, alt und jung, begabt oder weniger. Die Gruppe hat die Motive zusammen entworfen, in dieser Woche kommen sie auf die Wände, die Wartehäuschen, Papierkörbe, Strom- und Splittkästen. Zunächst Richtung Höchst, in der zweiten Augustwoche Richtung Frankfurt. Wächtler zeichnet ganz fein vor, alle anderen schwelgen in Farbe.

„Die Nieder sind sehr engagiert“, lobt Wächtler. Helfer zu finden sei kein Problem. Die Regionalratsmitglieder malen, eine Abiturientin, am Mittwoch tauchen Kunststudentinnen auf. Für den Donnerstag haben sich zwei Bewohnerinnen der Unterkunft für Geflüchtete angekündigt.

„Ich mag den Stadtteil“, sagt eine Frau im beklecksten Kittel. Ihren Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen, aber sich für ihr Viertel engagieren, in dem sie seit 25 Jahren lebt. Und sie hat Freude an Farben und am Malen, am kreativ sein. Auch Jürgen Krusch von der Geschäftsstelle des Präventionsrats schaut vorbei. Er ermahnt zunächst die Künstler, sie mögen genug trinken. Die Hitze behindert das Projekt ein bisschen. Eigentlich wollte die Gruppe auch nachmittags malen, mit Hortkindern zusammen. Aber es ist zu heiß. Und die Farben trocknen ein. Daher beschränkt sich Kunst auf den Vormittag.

Den Bahnhof bunt anzumalen hat sich bewährt, findet Krusch. Der Regionalrat hat mit Wächtlers Hilfe bereits den Aufgang von der Oeserstraße zum Bahnsteig Richtung Frankfurt verziert. „Dort sind keine Schmierereien dazu gekommen“, sagt Krusch. Jetzt soll die ganze Station schöner werden.

Die Bahn hat gleich zugestimmt, sagt Krusch. Sie stellt die Materialkosten und hat die fraglichen Flächen auch grundiert. Vorgehalten hat das allerdings nicht. Als die Maler am Montag anrücken, haben Frevler die weißen Flächen mit schwarzen Hieroglyphen beschmiert. „Eine weiße Wand wird als Provokation wahrgenommen“, sagt Krusch. Wenn sie aber hübsch bemalt sei, hätten Frevler Hemmungen, etwas drüber zu kritzeln.

Die Menschen vor Ort einzubinden, das ist der Grundgedanke der Regionalräte, erklärt Krusch. Die Leute sollen sich in ihrem Stadtteil wohl fühlen, sie sollen aufeinander aufpassen. Das dient auch der Prävention, der Sicherheit. Und tatsächlich, die Leute steigen aus der Bahn, staunen und freuen sich. „Es tut einfach gut, dass zu sehen“, sagt eine Dame schwärmerisch. „So fröhlich! Der Bahnhof ist ja sonst eher schmutzig und trist.“

Eine Weile schaut sie zu, dann schreitet sie beschwingt von dannen. „Manche malen spontan mit“, erzählt Edgar Lühn, Vorsitzender des Nieder Regionalrats. Am Montag habe sich eine verschleierte Frau so über die frischen Schmierereien aufgeregt, dass sie kurzerhand beim Übertünchen geholfen hat.

Die Station übt auf Randalierer eine seltsame Anziehungskraft aus. „Leider“, sagt Friedrich Willems und seufzt. Unholde haben die elektronische Zuganzeiger so oft zerstört, dass die Bahn sie nicht mehr ersetzen möchte, erzählt der stellvertretende Stadtbezirksvorsteher. Inzwischen habe die Bahn immerhin den alten Jägerzaun, der ständig kaputt war, durch einen aus Metall ersetzt.

Wer mitmalen möchte, melde sich bei Nicole Wächtler unter Telefon 0172 / 677 98 67. Vernissage ist Ende der zweiten Augustwoche, genauer Termin folgt.

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