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Die letzte Marktfrau vor der Niddahalle

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Von: Holger Vonhof

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Timea Frenzel verkauft jeden Mittwoch ihre Wurst- und Fleischwaren vor der Niddahalle in Nied.
Timea Frenzel verkauft jeden Mittwoch ihre Wurst- und Fleischwaren vor der Niddahalle in Nied. © holger vonhof

Timea Frenzel hält mit ihrem Metzgereistand jeden Mittwoch die Stellung vor der Niddahalle. Sie ist die letzte Beschickerin, die vom Wochenmarkt, den es einst in Nied gab, übrig geblieben ist.

Die Frau, die da kommt, möchte 200 Gramm Mailänder Salami“, sagt Timea Frenzel und grinst. Sie kennt ihre Kundschaft. Das Erste, was Margitta Danitschek bestellt, sobald sie vor dem Metzgerei-Verkaufswagen vor der Niddahalle steht und „Guten Tag“ gesagt hat, ist – Salami. Die Niederin lobt die Verkäuferin hinter dem Tresen des Verkaufswagens: „Sie hält hier die Stellung.“ Denn Timea Frenzel ist die letzte Marktfrau, die von der Idee des Wochenmarkts auf dem Parkplatz der Niddahalle übrig geblieben ist.

Im Mai vorigen Jahres wurde der Markt vom Gewerbeverein und der SG Nied aus der Taufe gehoben. Nach und nach dünnte sich das Angebot dann aus. Seit Mai diesen Jahres steht Frenzel mittwochs mit dem Verkaufswagen der Landmetzgerei Rainer Kaufmann aus Büdingen-Rinderbügen meist allein vor der Halle. Die SG Nied ist Geschichte; nun prangt der Eintracht-Adler dort. Was gleich geblieben ist: Am Vormittag füllt sich nach und nach der Parkplatz; Frauen mit Gymnastikmatten unterm Arm gehen zum Training – und wenn sie wieder aus der Halle kommen, machen viele bei Frenzel Station. „Von zehn, halb elf bis eins ist durchgehend Betrieb“, sagt die Frau, die den Verkaufswagen für ihren Chef jeden Mittwoch von Büdingen nach Nied steuert, und an den anderen Tagen der Woche in Offenbach, Heusenstamm oder Dietzenbach steht.

In Nied gebe es viel Stammkundschaft, aber in letzter Zeit auch viele neue Gesichter, meist jüngere Leute. „Die Älteren kommen wegen der Wurst, die Jüngeren fürs Fleisch“, sagt Frenzel. Persönlich geht es zu. „Ich bin mit fast jedem per Du.“ Es plaudert sich gut über die Theke hinweg. Frenzel weiß, wie die Kinder ihrer Kundschaft heißen, wann wer in Urlaub war und was es am Sonntag zu Essen gibt. „Die Leute sind ausgesprochen nett“, sagt sie; das sei nicht überall so.

Als der Feinkostwagen und der Kartoffelmann nicht mehr aufgetaucht seien, hätten viele Angst gehabt, dass auch sie nicht mehr kommt. Sie habe aber nur die Öffnungszeiten geändert: War früher von 9 bis 16 Uhr Marktzeit, öffnet sie jetzt um 8 Uhr und klappt den Deckel um 14.30 Uhr wieder herunter.

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