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Das Sossenheimer Niddawehr vor dem Umbau.

Renaturierung

Nidda: Nächste Etappe für Forelle und Nase

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Der fischfreundliche Umbau des Sossenheimer Niddawehrs ist genehmigt. Die Bagger kommen aber nicht vor 2021.

Schon wieder ein Grund zur Freude für Meerforelle, Barbe, Döbel und Nase: Die wasserrechtliche Genehmigung für den Umbau des Sossenheimer Niddawehrs ist da. Bis 2021 wird es aber mindestens noch dauern, ehe die steile Stufe verschwindet und die Fische auf einem weiteren Teilstück der Nidda leichter flussaufwärts in ihre Laichgebiete wandern können.

Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid (Grüne) überreichte am Dienstag die Papiere an den Frankfurter Verkehrsdezernenten Klaus Oesterling (SPD). Die Pläne sehen vor, das alte Wehr abzureißen. Stattdessen entstehen 250 Meter flussaufwärts ein Streichwehr und ein Zulauf in den sogenannten Grill’schen Altarm, der 100 Meter flussabwärts dann wieder in die Nidda zurückfließt. Alles in allem ein Stück Rückkehr zum natürlichen Verlauf und eine weitere Schwelle, die nicht mehr künstlich geöffnet werden muss, damit die Fische hinaufgelangen.

„Wir wollen diese Hindernisse beseitigen“, sagte Lindscheid. Bestes Beispiel ist das Höchster Wehr einige Hundert Meter entfernt, das bereits renaturiert und längst ein Ort mit Anziehungskraft ist: „Optisch sehr reizvoll, auch für Fische sehr attraktiv“, wie Oesterling beschrieb. Er sieht gute Chancen, dass in einigen Jahren alle Frankfurter Stufenwehre beseitigt sind.

Angst vor Hochwasser

Wie vor rund zehn Jahren in Höchst gibt es jedoch auch in Sossenheim Bedenken. „Unsere Vorfahren hatten bei Hochwasser einen halben Meter Wasser im Keller stehen“, berichtete Anwohner Willi Kleinschmidt aus Zeiten vor dem kanalartigen Umbau der Nidda. „Ich bin noch sehr skeptisch, was bei einem extremen Hochwasser passiert, wenn das hier renaturiert wird. Das Wasser drückt dann von unten hoch.“ Auch Walter May macht sich Sorgen. „Die Häuser stehen ja unmittelbar dran am Altarm – was ist, wenn das Niddawasser da wieder durchgeleitet wird?“, fragte er.

Nichts wird passieren – solange es kein sogenanntes hundertjähriges Hochwasser gibt, versicherten die Fachleute vom Amt für Stadtentwässerung (SEF). „Wir haben Grundwassergutachten erstellt, verschiedene Messstellen gebohrt und Berechnungen gemacht“, berichtete Ingenieurin Stefanie Toth, „es kommt nicht zu Verschlechterungen, im Gegenteil.“ Von dem entsprechenden Grundwasser-Monitoring könnten sich die Anwohner im Internet überzeugen.

Bei Hochwasser soll ein Überlauf dafür sorgen, dass das Wasser ins Niddabett fließt, nicht in den Altarm. „Wir sind uns sicher, dass keine Schäden auftreten können im Rahmen des Üblichen“, sagte SEF-Leiter Roland Kammerer. „Die Messungen sind sicher wie Gürtel und Hosenträger zusammen“, versprach Elisabeth Geselle vom Regierungspräsidium.

Die Fische klettern über einen sanften Anstieg

Das Bauwerk am alten Wehr soll möglichst als Niddabrücke erhalten bleiben. Weitere Brücken werden an den Stellen entstehen, an denen die Zu- und Abflüsse des Grill’schen Altarms die Uferwege unterbrechen. Im entstehenden Dreieck zwischen Altarm und Nidda soll die Vegetation sich selbst überlassen bleiben, auf dass ein wenig Natur erwächst.

Warum dauert es so lang bis zum Baubeginn? Weil der nahe Autobahnknoten erneuert wird – vom Fortschritt dort hängt die Zufahrt der Baufahrzeuge ab. Die Pläne fürs Wehr wird die Stadt noch einmal für 14 Tage auslegen, dann folgt eine einmonatige Frist für etwaige Klagen. In rund zwei Monaten könnte also Rechtskraft für das Projekt hergestellt sein. Die Kosten, 5,5 Millionen Euro, teilen sich Stadt und Land.

Das interessiert die Fische wenig. Sie klettern, wenn’s fertig ist, über einen sanften Anstieg. „Die Leistungsschwächeren“, wie sie Stefanie Toth nannte, schwimmen noch gemütlicher durch den Altarm. Dann bietet die Nidda schon eine ordentliche Strecke ohne hohe Stufe. Die Wehre Hausen, Praunheim und Eschersheim harren noch der Umbaupläne. Dahinter geht’s schon heute barrierefrei bis hinter die Stadt Nidda, rund 75 Kilometer weit.

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