Gefängnis Höchst

Diebe und Manager

Die Eröffnung des Neubaus in der JVA Preungesheim bedeutet das Aus für den Höchster Knast - nach 100 Jahren.

Von Jutta Ochs

Der Brite Nick Leeson, der spektakulär Milliarden seiner Baring-Bank verspekulierte, begann im Höchster Knast seine Memoiren zu schreiben. Bürgermeister aus dem Main-Taunus-Kreis haben hier wegen Bestechlichkeitsverdacht eingesessen. Trauriges Aufsehen erregte die Selbsttötung eines Ikea-Managers an diesem Ort. Salopp gesagt, saß in Höchst „vom Hühnerdieb bis zum Topmanager alles seine U-Haft ab“. So beschrieb das Frank Lob, Chef der JVA Frankfurt I, zu der die Zweigstelle Höchst gehört.

Bislang. Mit der Eröffnung des Neubaus in Preungesheim endet nun die 100 Jahre alte Geschichte des Höchster Gefängnisses in der Hospitalstraße. Auch die dortigen Insassen dürfen in Preungesheim neue Räume beziehen. Im Höchster Altbau war Platz für 155 U-Häftlinge – und für den ein oder anderen Bürger, der seine Geldstrafe nicht zahlen mochte und einen Kurzaufenthalt hinter schwedischen Gardinen vorzog.

Das Gebäude aus dem Jahr 1911 mit dem 60er-Jahre-Anbau wird voraussichtlich Ende des Jahres komplett geräumt sein. Langer Leerstand aber ist auf dem insgesamt rund 6000 Quadratmeter großen Areal dann nicht zu befürchten. Denn kaum war die absehbare Räumung bekannt, da meldeten viele Seiten Bedarf beim Eigentümer Land an. Als Erste die Wohnraum-Initiative Frankfurt (WiF), die händeringend bezahlbaren Wohnraum für Studenten sucht. Mehrere Zellen sollten in Eigenarbeit zu Studenten-WGs zusammengelegt werden, Guido Risse von der WiF fand die Räumlichkeiten und die Lage „ideal“.

Das fand aber auch die Kinderbeauftragte im Stadtteil, die Platz im Knast für die sehr beengte, benachbarte Robert-Blum-Schule, eine Grundschule, einforderte. Pausenhof, Sportwiese, Küche, Werkräume würden ganz dringend benötigt. Hinter hohen Betonmauern und Nato-Stacheldraht hatte das Gefängnis beispielsweise einen Fußballplatz vorzuweisen.

Die nahe Höchster Klinik braucht aber auch Platz. Insbesondere braucht sie Ausweichräume für die Verwaltung während der großen Umbauphase des städtischen Krankenhauses. Und so wird Letzteres wohl das Rennen um den alten Höchster Knast machen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare