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Happening rund um den Campus: Das Offene Haus der Kulturen stellt sein Konzept vor.

On Common Ground

Nicht länger Dauermieter sein

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Ein kreatives Abendprogramm steht symbolisch für das Zukunftskonzept des „Offenen Hauses der Kulturen“.

Punkt eins bei der Präsentation des Programms: Ein langer, lauter, bunter Zug Menschen schiebt sich durch die Leipziger Straße, es wird getrommelt, gerufen und gesungen, Plakate und Schilder getragen – die „Rückeroberung des (öffentlichen) Raums“. In der Bockenheimer Flanierstraße lassen Menschen ihre Eiskaffees stehen, filmen und schießen Fotos, Anwohner blicken von Balkonen herab. Autos müssen warten, manche Insassen hupen genervt, andere finden Zeit zum Händchenhalten. Das „Offene Haus der Kulturen“ (OHdK), das offiziell das Studierendenhaus des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) der Goethe-Uni ist, stellte am vergangenen Samstag sein Nutzungskonzept für das Gebäude vor, dem der Abriss droht.

Das Programm der Veranstaltung „On Common Ground“ (dt.: „Auf gemeinschaftlicher Basis“), das unter Beteiligung von 30 Initiativen plus Privatpersonen auf die Beine gestellt wurde, sollte für sich sprechen. Mehrmals war Sänger und Trommler Abasse Ba mit seiner Band Les étoiles de Botan von einem Umzugswagen aus zu hören. Die Musiker habe man ebenfalls im Studierendenhaus kennengelernt, moderiert Tim Schuster, Sprecher des OHdK, die Band an. „Ich bin viel hier“, sagt Abasse Ba nach dem Auftritt. „Wenn hier Livemusik gebraucht wird, spielen wir oder organisieren andere Musiker.“ Ihm gefallen besonders, dass hier Musiker und Künstler zusammenkämen und die Reggaepartys seien gut.

Musikalische Untermalung kommt auch vom Chor des „Dritte Welt Hauses“ und der politischen Samba-Trommel-Gruppe Rhythms of Resistance, die durch ihre pink-silberne Kleidung hervorsticht. Die Organisation Seebrücke und die Gruppierung „Stadt für alle“ tragen Banner mit Forderungen vor sich her. Schilder ohne Worte, stattdessen sich in Farbe und Form ergänzende Kopfmenschen, trägt der Verein „KOMM Ambulante Dienste“ mit sich. Inklusion sei ihr Thema, Pflege und Beratung ihre Dienstleistungen, sagt der stellvertretende Geschäftsführer, Rasim Kohaupt. Ältere, Behinderte sind die Kunden, Kunstprojekte die Lieblingsmethode. „Ein offenes Atelier“, platzt der Wunsch aus Beate Schmitt heraus. Timmo Scherenberg, Geschäftsführer des Hessischen Flüchtlingsrats, bräuchte „Platz für Beratung und Fortbildungen“.

So prunkvoll wie das nebenan liegende Jügelhaus des Senckenberg Instituts ist das Bockenheimer Studierendenhaus mit den markanten „Gewächshaus“-Fenstern nicht, trotzdem hängen viele sehr an ihm. Seit rund zehn Jahren gibt es Bestrebungen, das Haus, 1953 von Max Horkheimer eingeweiht, zu öffnen. „Inoffiziell ist das bereits geschehen“, sagt Kurt Bovensiepen vom OHdK. „In Vorträgen, Filmen, Ausstellungen, Musik spiegelt sich das vielfältige Zusammenleben in Frankfurt wider.“ Das soll ausgebaut werden. „Wir wollen nicht länger Dauermieter des Asta sein.“ Er schnippelt derweil Gemüse für das gemeinsame Essen, wie auch zwei Frauen, die sich beim Sonntagscafé für Geflüchtete engagieren. Daneben sitzt Michael vom Reparatur-Café, bei dem sonntags Fahrräder und Elektrogeräte wieder fit gemacht werden können.

Zwei Sprayerinnen bringen neue Farbe an die Wände, atmosphärische Klänge aus der Radioshow des multikulturellen Senders „Good Morning Deutschland“ schweben über den Hof. Ab 22 folgt eine Tanzveranstaltung. Anette Mönich von der Initiative Zukunft Bockenheim tut in ihrer Ansprache ihre Vorahnung, was dem Areal drohen könnte, kund. „Die Alternative ist steril, kalt, kommerzialisiert und nicht für die Menschen.“ Max Horkheimer habe sich gewünscht, dass im Studierendenhaus der Umgang mit Menschen anderer Nationen und Religionen gelernt werden könne und soziale, künstlerische, sportliche Tätigkeiten möglich seien. Die Liebe zum Denken, Forschen und Diskutieren solle dort gepflegt werden.

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