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Foyer von Schauspiel (l) und Oper sind am Abend hell erleuchtet.
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Foyer von Schauspiel (l) und Oper sind am Abend hell erleuchtet.

Pressekonferenz

„Nicht die Kultur zugunsten des Kapitals aufgeben“

  • Claus-Jürgen Göpfert
    VonClaus-Jürgen Göpfert
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Die Frankfurter SPD will den Standort Willy-Brandt-Platz für die Bühnen verteidigen. Der Neubau nach einem internationalen Architektenwettbewerb soll acht Jahre brauchen.

In gereizter Stimmung tritt die sonst so kontrolliert wirkende Kulturdezernentin vor das Medienpublikum im Auditorium des Deutschen Architekturmuseums (DAM) in Frankfurt. Etliche Zahlen, die sie gleich verkünden will, sind schon in der FR und „FAZ“ vom Tag zu lesen. „Ich bedauere es außerordentlich, dass einige etwas durchgestochen haben, das ist kein guter Stil“, sagt Ina Hartwig (SPD) und zielt auf den CDU-Kreisvorsitzenden Jan Schneider, ohne seinen Namen zu nennen.

Hartwig appelliert an den Koalitionspartner, auf „kurzfristige Geländegewinne“ zu verzichten. Der SPD-Unterbezirksvorsitzende Mike Josef, der im Publikum sitzt, steckt im Gespräch mit der FR die politische Auseinandersetzung in der Stadt ab. Er tritt der Absicht der CDU entgegen, den Willy-Brandt-Platz als Standort der Städtischen Bühnen zu verlassen und das Grundstück zu vermarkten.

„Wir werden nicht die Kultur zugunsten des Kapitals aufgeben“, sagt der sichtlich aufgebrachte Josef. Das sei ein völlig falsches städtebauliches und politisches Signal. Das Grundstück von Raab-Karcher im Osthafen, das die CDU immer wieder für die Bühnen ins Gespräch bringt, sei völlig ungeeignet und schlecht erschlossen. Im Übrigen stehe es über viele Jahre nicht zur Verfügung, weil Raab-Karcher über einen Pachtvertrag bis 2033 verfüge.

Frankfurt kann Geld nicht alleine aufbringen

In Frankfurt aber wird jetzt wieder eine öffentliche Debatte beginnen. Darf es sich eine – wenn auch reiche – Kommune leisten, für den Neubau der Städtischen Bühnen mehr als 800 Millionen Euro auszugeben? Auf die Frage der FR nach den Argumenten für eine solch hohe Investition sagt die Kulturdezernentin, der künstlerische Freiraum in Deutschland werde immer stärker angegriffen. 

„Wir sind gefordert, diese Räume zu verteidigen“, argumentiert Hartwig. Die Stadt Frankfurt müsse jetzt eine Debatte darüber führen, „was uns Theater und Oper im 21. Jahrhundert bedeuten“. Die Finanzierung einer Summe von rund 900 Millionen Euro für Oper und Schauspiel werde sich strecken. Frankfurt werde das Geld zudem nicht allein aufbringen müssen – eine Anspielung auf die geforderte Beteiligung des Landes Hessen.

Aber eines macht Hartwig klar: „Die Abschaffung von Theater und Oper kommt für die fünftgrößte deutsche Stadt nicht infrage.“ Gerade als „die globalste Stadt in Deutschland“ müsse Frankfurt hier Flagge zeigen.

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) und Michael Guntersdorf,  der Leiter der Stabsstelle, vor den Journalisten.

Der erfahrene Projektentwickler Michael Guntersdorf, Leiter der städtischen Stabsstelle zur Zukunft der Bühnen, hat für die Kommune bereits das Megaprojekt der neuen Altstadt zwischen Dom und Römer zum Erfolg geführt. Er macht vor zahlreichen Journalisten und Kamerateams die Dimension der neuen Aufgabe deutlich. Selbst „wenn die Politik jetzt zügig entscheidet“, werde das Projekt viel Zeit brauchen. „Bau- und Planungszeit acht Jahre“, sagt Guntersdorf knapp. Da geht ein Raunen durch die Menge und einige Journalisten rechnen flugs hoch, ob sie die Eröffnung der neuen Bühnen noch vor dem Ruhestand erleben werden.

„Die Entscheidungsgrundlage für die Stadtverordneten ist jetzt da“, erklärt Kulturdezernentin Hartwig hoffnungsvoll. Aber wird die Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen tatsächlich noch vor der Kommunalwahl im Frühjahr 2021 die Kraft für einen Beschluss aufbringen? Viele im Auditorium des Deutschen Architekturmuseums bezweifeln es.

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