FR-Altenhilfe

Nicht genug Geld für die U-Bahn

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Doris A. hat viele Schicksalsschläge erlebt. Heute erschwert die geringe Rente die Teilhabe am kulturellen Leben.

Doris A. ist Familienmensch, beschreibt sich als „ein bisschen harmoniebedürftig“. Gleichzeitig spürt die 81-Jährige viel Verantwortung. „Die Mutter hält die Familie zusammen“, sagt sie über ihre eigene Rolle.

Umso näher gehen A. die schweren Schicksalsschläge in ihrer Familie. Unter Tränen erzählt sie: Ihr jüngster Sohn ist unheilbar an der Lunge erkrankt. Der andere Sohn heiratete eine Drogenabhängige, die an einer Überdosis starb, als die Kinder zwei und acht Jahre alt waren. Zur Tochter und deren Kind hat Doris A. seit Jahrzehnten keinen Kontakt: „Ich habe mein 14-jähriges Enkelkind noch nie gesehen.“ Ihr Mann starb 2013 an Krebs.

Viele Hiobsbotschaften, aber längst nicht alles an Lebenslast. A. wuchs in Dessau auf, als es auf dem Schulweg Bomben hagelte. Sie hatte Glück und überlebte. Später floh die Familie aus der DDR, weil ihr Vater „dieses System nicht ertragen“ konnte.

Rund 1200 Euro stehen zur Verfügung 

Heute sorgt sich die gelernte Kauffrau um ihre finanzielle Situation – obwohl sie als dreifache Mutter weiter gearbeitet hat. „Dieses wenige Geld macht einen ja auch kaputt“, sagt sie und rechnet vor: Rund 1200 Euro stehen ihr pro Monat aus regulärer Rente und Grundsicherung zur Verfügung.

Mehr als die Hälfte davon geht allein schon für die Miete ihrer Eschersheimer Erdgeschosswohnung weg – „auf gar keinen Fall“ aber wolle sie nach 20 Jahren umziehen: Sie habe eine sehr nette Hausgemeinschaft, die sich kümmert und nach ihr fragt. Dies ist A. wichtig, weil sie seit einem Sturz im Jahr 2013 eine künstliche Schulter hat und „kaum noch was im Haushalt machen“ kann. Eine Fachkraft und ihr jüngster Sohn pflegen sie.

„Ich lese viel“, sagt A. über ihren Alltag. Sie interessiert sich für Handarbeit, Politik – und Fußball und bezeichnet sich als wahrscheinlich einzige Frankfurter Oma, die Abseits erklären kann. Gerne würde A. öfter mit der U-Bahn ins Stadtzentrum fahren oder am kulturellen Leben teilhaben. Es stimmt sie traurig, dass sie dafür nicht genug Geld hat.

Seit 2014 bekommt A. Geld von der Altenhilfe der Frankfurter Rundschau. Auch 2018 will sie sich davon eine Jahresbefreiung von Rezeptzuzahlungen leisten. Das kostet knapp 50 Euro.

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