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Einmal alles ausprobieren und wild gegen Hindernisse springen. Was für ein Spaß!

Bewegung

Nicht nur für fitte Frankfurter

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Die Europäische Woche des Sports soll Besucher in Bewegung bringen.

Konzentriert lässt Clara den Diabolo-Kegel auf der Schnur zwischen den beiden Stöcken hin und her rollen. Zunächst nur auf dem Boden. „Und dann muss man das so hoch machen,“ erklärt sie und versucht den Kegel dabei ruckartig in die Luft zu ziehen. Immerhin ein paar Sekunden balanciert sie den Kegel auf der Schnur, bevor er wieder zu Boden fällt. Das macht der Siebenjährigen wenig aus, breit grinsend fängt sie sofort wieder von vorne an. Mit vielen ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler von der Textorschule Sachsenhausen besucht Clara die verschiedenen Sportstationen, die im Rahmen der Europäischen Woche des Sports nahe des Eisernen Stegs aufgebaut wurden.

Im zugehörigen Veranstaltungszelt trainieren die Kinder in Geschicklichkeits- und Puzzlespielen. Claras Klassekameradinnen Johanna und Amber probieren sich in einem Kartenspiel, das schnelle Reflexe erfordert. Beide wirken begeistert von dem sportlichen Tagesausflug. „Im Sport in der Schule hab ich am liebsten Freies Spiel,“ erklärt Johanna. Also einfach ein Spielzeug nehmen und drauflosspielen. Das funktioniere hier ganz ähnlich.

Eine „computerspielfreie Zone“ soll das Zelt sein erklärt Jago Lehmann, Mitarbeiter des Spiel-Punkts, einem Krifteler Fachgeschäft, das bereits im zweiten Jahr infolge mit der Bewegungsinitiative kooperiert. „Erwachsenen sagen häufig: Ich spiele nicht, weil es mir nichts bringt. Das ist die falsche Denkweise“, so Lehmann. Stattdessen sollen die Kinder hier auch generationenübergreifend mit ihren Eltern spielen, lernen und sich ganz nebenbei bewegen.

Freies Spiel für alle

„Das ist schon das dritte Spiel, dass ich ausprobiert habe,“ sagt Johanna und verweist auf die anderen Stationen, die den Kindern an diesem Vormittag zu Verfügung stehen. Dort, wo vor der Straßensperrung Lastwagen entlang bretterten, spielen nun mehrere Dutzend Zweitklässler Rollstuhlbasketball und Rugby. Daneben wärmt sich eine weitere Gruppe beim Hip-Hop-Tanzkurs auf, schließlich sind die Temperaturen fast schon herbstlich, und auf dem Mini-Fußballplatz herrscht große Aufregung beim Fünf-gegen-Fünf-Spiel. Betreut werden die Stationen von verschiedenen regionalen Sportorganisationen, wie etwa dem Hessischen Behinderten- und Rehabilitations-Sport Verband e.V.

Basketball im Rollstuhl – kein Problem. 

Dass am Mainufer Sport getrieben wird, sollte die wenigsten überraschen. Vormittags finden sich dort in der Regel scharenweise Jogger ein, und auch einige Radsportler machen sich die vergleichsweise leeren Wege am Morgen zunutze. Diese Woche sollen sie aber Gesellschaft bekommen und zwar nicht nur von Gleichgesinnten, sondern auch von Schulkindern, Büromitarbeitern mit Nackenschmerzen und „Couchpotatoes“ (engl. Stubenhocker) auf dem Weg der Besserung.

Das Ziel der Veranstaltung und der damit verbundenen „BeActive“-Kampagne ist es, den Menschen die Bewegung wieder schmackhaft zu machen. Einen dringenden Anlass dafür gibt es: Laut Professor Johannes Peil, Leiter der Sportklinik Bad Nauheim und Unterstützer der Veranstaltung, bewegen sich nur rund 40 Prozent der Bevölkerung ausreichend für ihre Gesundheit. Die restlichen 60 Prozent hingegen „tun gar nichts“. Die mehrheitlich sitzende Lebensweise habe ohne ausgleichende Bewegung massive Auswirkungen auf die Gesundheit.

Sport für mehr Inklusion

Um dagegen anzugehen hat das Land Hessen gemeinsam mit der Europäischen Kommission und der Stadt die europäische Woche des Sports zum dritten Mal in Folge an den Standort Frankfurt geholt. Gerade in Zeiten der Europaskepsis sei dies laut Veranstaltern auch ein Zeichen für den europäischen Zusammenhalt, der in Frankfurt schon lange gelebt werde.

Über die europäische Verantwortung hinaus hoffe man aber auch darauf, dass die Woche nachhaltige Auswirkungen für den Sport in Frankfurt hat.

Gerade der Vereinssport habe sich in den vergangenen zwanzig Jahren mehr gegenüber einem breiteren Publikum geöffnet, so Roland Frischkorn, Vorsitzender des Sportkreises Frankfurt. „Mit Angeboten wie Sport im Park holen wir die Leute ab, wo sie sind. Andere Gruppen wie die Calisthenics am Osthafen machen das schon vor.“ Für Frischkorn repräsentiert diese Woche gewissermaßen einen „Geist des Aktivismus“ für ein gemeinsames Leben. Das schließe andere Bewegungen, etwa für den Klimaschutz, mit ein.

In diesem Sinne wollen die Veranstalter auch einen Schwerpunkt auf Inklusion in allen Aspekten legen. Barrierefrei, tolerant und generationenübergreifend sollen Besucher nach Lust und Laune in verschiedene Sportarten hineinschnuppern können. Neben der Sportlandschaft am Main öffnen dafür sämtliche Vereine und Verbände der Stadt eine Woche lang ihre Türen und bieten kostenlose Probetrainings an.

Bisher wird das Angebot am Mainufer vorwiegend von Schulklassen genutzt. Ab Donnerstag beginnen dann aber auch Workshops und Bühnenprogramm für alle Altersgruppen.

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