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NFL-Football soll die Massen nach Frankfurt locken

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Von: Katja Sturm, Georg Leppert

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Viel los rund um das NFL-Spiel in München. dpa
Viel los rund um das NFL-Spiel in München. dpa © dpa

Im kommenden Jahr findet erstmals ein Spiel der US-Liga NFL im Waldstadion statt, weitere sollen folgen.

Als am Sonntagmorgen um 10 Uhr der Zug aus Frankfurt in den Münchner Hauptbahnhof hineinrollt, fängt in einem Waggon jemand an zu singen: „Deutscher Meister wird nur die SGE.“ Ein anderer ruft: „Falsche Sportart!“ Obwohl viele, die aussteigen, Eintracht-Mützen oder -Schals gegen die Kälte tragen, ist für sie diesmal Football statt Fußball angesagt. Das erste Spiel der nordamerikanischen NFL in Deutschland lockt Massen auch vom Main an. Zum obligatorischen Bier werden Donuts gegessen. „Vor zwei Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich mal wegen eines Footballspiels hierher fahre“, sagt einer der Reisenden. Nicht nach Mainz, wo sich gleichzeitig zum Sieg der Tampa Bay Buccaneers über die Seattle Seahawks in Bayern die Adlerträger mit den Rheinhessen ein ausgeglichenes Bundesliga-Duell liefern.

Der Ei-Sport boomt. Davon soll auch Frankfurt profitieren. In den nächsten drei Jahren sollen zwei NFL-Spiele in der hessischen Großstadt stattfinden, das erste im November 2023.

Diejenigen, die nicht so lange warten wollten, mussten blitzschnell sein. Innerhalb von Minuten waren die Tickets für die Münchner Premiere weg. Drei Millionen hätte die Liga angeblich verkaufen können, 69 811 Zuschauer saßen schließlich in der Arena, Tausende stürmten auch ohne Eintrittskarte auf das Stadiongelände, um sich Devotionalien zu sichern oder an den Mitmachstationen zu versuchen. Schon Tage vorher war die Stadt überflutet von Gästen aus weiten Teilen Europas. Journalisten wie Fans aus Übersee, oft an kurzen Hosen oder Röcken zu erkennen, begleiteten den riesigen Tross der Teams. Hotelzimmer waren nur noch für mehrere hundert Euro zu bekommen.

Viereinhalb Stunden vor dem Kick-off sind die S-Bahnen vollgestopft. Für die am Odeonsplatz Wartenden gibt es nach Passieren der großflächig mit Football-Motiven dekorierten Gänge keinen Platz mehr in den Wagen. Erlösend wirkt die Durchsage, sie könnten auch die Züge nach Moosach nehmen; die würden jetzt Richtung Stadion umgeleitet. Denjenigen, die in den ruhigen Vorort wollten, wird angezeigt, dass „Betriebsstörungen“ dies vorerst verhindern könnten.

Bei der Bewältigung des scheinbar nicht abreißenden Stromes an Menschen bewährt sich die riesige Maschinerie der finanzstarken Liga, für deren Gastspiel die eigentlich nur für Fußball vorgesehene Spielstätte per Sondergenehmigung geöffnet und umgebaut wurde. Sportdezernent Mike Josef erwartet in Frankfurt einen ähnlichen Ansturm. „Wir wollen diesen Hype ja auch, deshalb haben wir uns beworben“, sagt der SPD-Politiker.

Um, wie in München, auch Besuchern ohne Tickets den Eintritt in eine Fanzone auf dem Gelände zu gewähren, will der Stadtrat mit der Eintracht darüber sprechen, die Einlasskontrollen direkt an die Tribünen heran zu verlegen. Dem Run sieht Josef gelassen entgegen. „Wir werden nicht überfordert sein, Frankfurt kann Großveranstaltungen.“ Hotelbranche und Gastronomie sollen profitieren.

Die Begeisterung wird nicht schmälern, dass früher im Jahr noch ein zweites Spiel in Deutschland stattfinden könnte, weil Mexiko-Stadt als weiterer auswärtiger Spielort wegen eines Umbaus im Aztekenstadion passen muss. Etwaigen Kritikern des enormen Aufwands hält Josef entgegen: „Es ist wichtig, dass die Sportstadt Frankfurt mehr als Fußball zu bieten hat.“

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