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Neun-Euro-Ticket in Frankfurt: Bund soll Nachfolge finanzieren

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Von: Florian Leclerc

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Das Neun-Euro-Ticket kann man unter anderem am RMV-Ticketautomaten kaufen. Renate Hoyer
Das Neun-Euro-Ticket kann man unter anderem am RMV-Ticketautomaten kaufen. Renate Hoyer © Renate Hoyer

Frankfurt hat gute Erfahrungen mit den Neun-Euro-Ticket gemacht, will selbst aber keine eigene Flatrate bezahlen.

Das Neun-Euro-Ticket geht in seinen dritten und vorerst letzten Monat. Die Verkehrspolitik in Frankfurt ist froh, dass es das Ticket gibt, und kann sich eine Fortsetzung mit einem anderem Preis vorstellen. Solange die Stadt das nicht selbst bezahlen muss.

„Das Neun-Euro-Ticket hat gezeigt, wie erfolgreich ein bundesweit einheitlicher Tarif mit einer einfachen Struktur sein kann“, sagt Katharina Knacker, die verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Römer.

„Es wird bundesweit bereits über ein Nachfolgemodell diskutiert“, sagt Uwe Schulz, der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Fraktion. Die Verkehrsunternehmen seien allerdings auf die Einnahmen aus den Ticketverkäufen angewiesen. Daran müsse sich der Preis orientieren. Eine Monatskarte in Frankfurt kostet momentan 97,10 Euro.

Traffiq: Interesse ist groß, Akzeptanz hoch

Zum Hintergrund: Das Neun-Euro-Ticket hat der Bund über das Regionalisierungsgesetz finanziert. Regionalisierungsmittel in Höhe von etwa 2,5 Milliarden Euro wurden an die Länder weitergegeben, die das Neun-Euro-Ticket umsetzten. Der Verband der Verkehrsunternehmen (VDV) hat vorgeschlagen, von September an als Anschluss an das Neun-Euro-Ticket eine Fahrkarte für 69 Euro pro Monat anzubieten. Sie soll in den Regionalzügen, U- und S-Bahnen, Straßenbahnen und Bussen in Deutschland gelten.

In Frankfurt hat die Nahverkehrsgesellschaft Traffiq die Erfahrungen mit dem Neun-Euro-Ticket ausgewertet. Die Zahl der Fahrgäste stieg demnach um 19 Prozent im Vergleich zum Mai. Das klingt nach viel. Allerdings wurden die Fahrgastzahlen aus der Zeit vor der Pandemie immer noch nicht erreicht. Sie waren um bis zu einem Drittel eingebrochen. Besonders oft nutzten die Fahrgäste das Neun-Euro-Ticket laut Traffiq am Wochenende, im Freizeitverkehr. Samstags waren demnach 22 Prozent mehr Fahrgäste unterwegs, sonntags sogar 23 Prozent.

„Man hat schon gemerkt, dass die Bahnen voll waren, aber nicht übervoll“, sagt Katharina Knacker. Sie habe das Neun-Euro-Ticket unter anderem auch in Berlin genutzt. „Ich habe aus meinem Umfeld vernommen, dass die Menschen mit dem Neun-Euro-Ticket zufrieden sind“, sagt Uwe Schulz. Er selbst fahre in der Stadt nur Fahrrad und Auto, für weite Strecken nutze er den ICE.

Laut Traffiq hat eine Mehrheit der Befragten, nämlich 54 Prozent, den öffentlichen Nahverkehr vorher nicht oder nur selten genutzt. 53 Prozent der Befragten fuhren den Angaben zufolge mit dem Neun-Euro-Ticket öfter mit Bus und Bahn als zuvor. „Das Neun-Euro-Ticket ist sehr bekannt. Es wird häufig gekauft. Das Interesse und die Akzeptanz sind hoch“, sagt Traffiq-Sprecherin Christina Spannuth.

VGF hat bislang etwa 430 000 Tickets verkauft

„Viele Menschen, die vorher nicht mit Bus und Bahn gefahren sind, haben das mit dem Neun-Euro-Ticket getan. Das zeigt, das Ticket ist ein Erfolg“, sagt Wolfgang Siefert, Referent von Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne). Majer wiederum hält fest: „Wenn der Bund für die Finanzierung sorgt, leisten solche Angebote einen wichtigen Beitrag zur Mobilitätswende“.

Die Finanzierung eines Nachfolgeangebots ist allerdings die Krux. „Für die Kommunen wäre die Nachfolge unfinanzierbar. Das Angebot muss vom Bund und dem Land kommen“, macht Siefert klar.

Bereits im April hatte die Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt in Frankfurt den Magistrat beauftragt, die Kosten für ein 365-Euro-Ticket für alle Menschen in der Stadt zu prüfen. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund hatte 2021 eine erste Berechnung vorgelegt. Demnach würde ein 365-Euro-Ticket in Frankfurt pro Jahr etwa 55 Millionen Euro kosten – das wären die Mindereinnahmen bei den Ticketverkäufen.

Verkehrsdezernent Majer hatte im Februar im Mobilitätsausschuss des Römers klargemacht, dass Frankfurt auch ein 365-Euro-Ticket nicht allein finanzieren könne: „Die Entscheidungen dafür müssen auf übergreifender Ebene getroffen werden.“

Bezogen auf das Neun-Euro-Ticket sagte sein Referent Wolfgang Siefert, ein Nachfolgemodell für das Neun-Euro-Ticket, das zunächst bis Jahresende laufen könnte, sei sehr wünschenswert. „Wir können nicht einfach zur alten Tarifstruktur zurückkehren.“

Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt teilt mit, bislang habe sie etwa 430 000 Neun-Euro-Tickets verkauft, jeweils etwa die Hälfte im Juni und im Juli. „Erfahrungsgemäß, und da die Tickets vom Monatsersten an gelten, wird der Verkauf vor dem 1. August noch mal anziehen“, sagt Sprecher Bernd Conrads.

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