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Die Höchster Uferpromenade ist ein Stück gewachsen.

Nizza-Ufer

Neuland in Höchst

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Stadt und Hafenbetriebe eröffnen 120 Meter lange Promenade am Mainufer. Nizza-Ufer nächster Sanierungsfall.

Die Augen des Stadtrats leuchten. Markus Frank (CDU) eröffnet am Freitag in seiner Funktion als Hafendezernent die schmucke neue Zusatzpromenade in Höchst. Er darf sie vom Wasser aus inspizieren, in einem Feuerwehr-Schnellboot. Und die Kollegen verwöhnen ihren Chef – für die Feuerwehr ist er ja auch zuständig – mit einer Spritztour über denn Main. So viel Wind und Freiheit um die Nase hat der Dezernent auch nicht alle Tage.

Wasser entschleunigt, da sind sich hernach alle einig. Aber Wasser fließt zuweilen auch ganz schön schnell. Und dann hat es Kräfte, die der Uferbefestigung zusetzen. So wie in Höchst. An der Spundwand dort haben auch noch die Wellen der Schiffe genagt.

2014 sackten schließlich Teile des Ufers einfach ab. Die Stadt sperrte die Promenade zu Teilen mit Bauzäunen, die Höchster bangten um ihr schönes Ufer und auch das Schlossfest. Der Rummelplatz des Festes ist traditionell am Mainufer.

Taucher stellten fest, dass die Kaimauer undicht ist, teilweise gar komplett marode. „Das kann bei einer 100 Jahre alten Wand schon passieren“, betont Dezernent Frank. Die Hafenbetriebe ließen die Wand zunächst provisorisch stabilisieren. Die Planungen für einen Neubau dauerten zwei Jahre. Reine Bauzeit war von November 2017 bis Dezember 2018. Die Arbeiter setzten nicht nur eine Wand, sie haben innerhalb der 13 Monate etwa 360 Kubikmeter an Hohlräumen ausgefüllt.

Die genaue Planung ist nötig, weil die Stadt bei einer Investition von rund sechs Millionen Euro nichts überstürzen möchte. Zudem müssen alle möglichen Ämter mit beraten, zum Beispiel die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung in Aschaffenburg. Immerhin ist der Main an der Stelle nun drei Meter schmaler als zuvor.

Den Abstand zum Ufer haben die Fachleute benötigt, um eine neue Spundwand aus Stahl in den Boden rammen zu können. 20 Meter lange Anker halten das Bauwerk im Boden, sie verlaufen unter der Promenade in Richtung Schloss.

Den Raum zwischen den zwei Wänden haben Fachleute verfüllt, so ist ein zusätzlicher Uferbereich entstanden, der nicht so hoch sein darf wie das alte Ufer. Wegen des Hochwasserschutzes, durfte das neue Bauwerk nur so wenig wie nötig vom Main abzwacken. Das Plateau ragt etwa 1,20 Meter über die Wasseroberfläche hinaus, die alte Promenade liegt einen Meter höher. „450 Quadratmeter zusätzliches Höchst sind entstanden“, sagt Frank dazu.

Sie sind über Treppen zu erreichen oder behindertengerecht über eine Rampe. Bänke stehen dort am Ufer, ein dunkelgraues Metallgeländer trennt die Flaneure vom Main. Schiffe können anlegen, es gibt Törchen mit gelben Treppen.

120 Meter ist der Abschnitt lang, den die Hafenbetriebe komplett neu bauen lassen mussten. Die 90 Meter flussabwärts Richtung Leunabrücke und 150 Meter flussaufwärts Richtung Fähre haben die Experten ohne neue Wand saniert. 60 bis 70 Jahre wird die insgesamt 360 Meter lange Uferpromenade halten, schätzt Ingenieur Martin Schumacher.

Dafür beginnen nun die Planungen für eine Sanierung der Uferwand am Nizza. Auch dort haben Taucher Schäden entdeckt, wenn auch nicht so gravierende wie in Höchst. Die Hafenbetriebe überpüfen alle Uferabschnitte im Turnus von drei Jahren, sagt Geschäftsführer Ralf Karper. So eine teuere Überraschung wie in Höchst wolle niemand mehr erleben.

Die Höchster flanieren derweil über ihre neue Promenade. „Ein Gewinn“ ist die, sagt Bernd Bruch vom Vereinsring. Nicht nur optisch ein Hingucker. „Es hat was, näher am Wasser zu sein, man kann fast einen Schritt auf den Main machen.“ Und sie macht auch bei der Runde mit einem Feuerwehrboot einen guten Eindruck vom Wasser aus.

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