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Alles bereit für den Umzug.

FR zieht um

Ein neues Zuhause für die Frankfurter Rundschau

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Großer Umzug: Die FR-Redaktion hat eine neue Adresse. Zuvor hieß es, viele Kisten zu packen und sich zu fragen: Was nehme ich mit?

Wladimir Putin bleibt allein zurück. In den alten Räumen der Frankfurter Rundschau hängt die Postkarte von einem augenzwinkernden Putin mit dem ironischen Spruch „Follow your Dreams“, festgemacht mit bunt gepunkteten Tesastreifen. „Wir haben ihn dort an der Wand hängenlassen“, sagt FR-Redakteur Andreas Sieler vom Panorama-Ressort. Mode-Redakteur Manuel Almeida Vergara hat derweil schon seine Vogue-Magazine ordentlich eingeräumt. „Ich fühle mich hier schon sehr wohl. Ich vermisse nur noch den Champagner“, sagt Almeida Vergara und lacht. Ansonsten gibt es noch viele volle Umzugskisten und leere Schränke in den neuen Redaktionsräumen in der Frankenallee.

Wladimir Putin ist nicht mit umgezogen.

Die Frankfurter Rundschau hat seit Montag ein neues Zuhause. Der alte Mietvertrag war ausgelaufen. Jetzt sitzt die FR-Redaktion mit 85 Arbeitsplätzen unter einem Dach mit der Mediengruppe Frankfurt. Der Umzug war nicht weit. Einmal über die Mainzer Landstraße und dann links rein, hoch mit dem Aufzug in den dritten Stock. Also sind wir immer noch im Gallus.

Chef vom Dienst Stefan Affentranger organisierte alles.

„Der Umzug hat wunderbar geklappt, was angesichts der technischen Herausforderungen ja keineswegs selbstverständlich ist“, sagt Bascha Mika, Chefredakteurin der FR. „Und wir freuen uns, dass wir nicht mehr in einem gesichtslosen Bürohaus arbeiten, sondern wieder mit anderen Verlagsabteilungen unter einem Dach. Auch die FNP hat hier ihre Redaktionsräume, allerdings ist sie in einem anderen Teil des Hauses untergebracht.“

Sportredakteur Jan Christian Müller sagt: „Jetzt fühlt es sich nicht mehr an wie in einer Zahnarztpraxis, sondern wie in einem Verlagshaus.“ Derweil freuen sich vor allem die männlichen Redakteure über die neuen Tische. Diese kann man nämlich hoch- und runterfahren, so dass man auch im Stehen arbeiten kann. Stadtteil-Redakteur Fabian Böker sagt: „Das ist total super. Das könnte ich den ganzen Tag machen.“ Nach drei „Nomadenjahren“ hat er jetzt einen festen Sitzplatz. „Endlich kann ich auch Poster aufhängen.“ Er schwankt da noch zwischen David Hasselhoff, Britney Spears und der Eintracht. Sein Kollege Boris Schlepper freut sich vor allem, weil es als Begrüßungsgeschenk einen Schokoriegel gibt: „Ich habe schon drei gegessen.“ Lokal-Redakteurin Marie-Sophie Adeoso sagt: „Ich fände es toll, wenn wir jeden Tag einen Schokoriegel bekommen würden.“

Alles muss raus. Nichts darf zurückbleiben.

Überall wird ganz viel ausgepackt, die neuen Telefone ausprobiert, ach ja, und tagesaktuell recherchiert. Das ist alles nicht ganz leise. Über den neuen, sehr großen Newsroom sagt FR7-Redakteurin Tanja Kokoska: „Das fühlt sich an wie bei der Washington Post von Frankfurt.“ Und sie mag auch die klimatisierten Räume. In den alten gab es nämlich keine Klimaanlage und im Sommer wurde es oft sehr, sehr heiß.

Die FR-Politikredaktion sitzt im Newsroom: Götz Nawroth , Peter Rutkowski, Karin Dalka und Thomas Vögele (von links).

Die Sportredaktion hat ein eigenes Büro und bekommt gerade zwei neue TV-Bildschirme angebracht. „Die alten waren zu schwer, um sie an die neuen Wände zu hängen“, sagt Sport-Ressortleiter Jörg Hanau. Was schauen sie dort? Na klar, vor allem Fußball, gerade Tour de France und auch mal Beachvolleyball. Sportredakteur Timur Tinç fühlt sich schon wohl. „Aber es fehlen noch die Rollcontainer, damit ich auspacken kann.“ Die Boris-Becker-Bücher haben sie zurückgelassen, wie auch das WM-Buch „Mexiko 1986“. Denn Umzug heißt natürlich auch, die Chance nutzen zum Aussortieren.

FR-Redakteur Claus-Jürgen Göpfert hat seinen Hut beklebt.

In den vergangenen Wochen sah es in den Gängen der FR-Redaktion aus wie im offenen Bücherschrank. Das Angebot war ziemlich groß: vom „Jahrbuch der Eisenbahngeschichte“ bis hin zu „Die Anatomie der Klitoris. Psychodynamik der weiblichen Sexualität.“ Beide Werke haben übrigens glückliche Abnehmer gefunden. Im Mülleimer sind hingegen alte benutzte Ohropax gelandet, die in einem der Schränke gefunden wurden. Bei den Layout-Kollegen steht in einer Ecke ein Weihnachtsbaum mit LED-Lichterkette, der auch im Karton mitgereist ist. „Klar musste der Weihnachtsbaum mit“, sagt FR-Layouter Ferdinand Datzer.

Die Möbelpacker kamen am Wochenende.

Auf der anderen Seite des dritten Stockes ist es um einiges ruhiger: Die Reporterinnen und Reporter der Lokalredaktion sitzen auf zwei Büros verteilt, die Hessenredaktion mit Jutta Rippegather und Peter Hanack hat auch ein eigenes Büro. Jutta Rippegather hatte beim Ausräumen noch zufällig alte, weiße Flip-Flops gefunden, diese hat sie ebenso eingepackt wie ein Handtuch. „Wenn man mal nasse Füße hat oder Schuhe, die drücken, braucht man doch Flip-Flops“, sagt sie. Das Handtuch besitzt sie, seitdem sie mal aus der Bahn stieg und pitschnass wurde. Die Kollegen des Feuilletons bekommen derweil am Tag eins in den neuen Räumen mehr Besuch als gewollt, denn die Beschriftungen sind noch nicht ganz korrekt. Die Namenstürschilder sind falsch aufgehängt - und so werden die Kolleginnen und Kollegen am Morgen mehrmals aufgesucht, weil viele hier den Konferenzraum vermuten.

FR-Lokalredakteur Claus-Jürgen Göpfert packt derweil alte Kontoauszüge aus den 2000ern und einen Karteikasten mit alten Kontakten aus den 1980ern aus: „Manche leben sogar noch“, sagt er und lacht. Einen großen Koffer voller Bücher hat er wenige Tage zuvor nach Hause gerollt.

FR-Blattmacher Lutz Fischer und FR-Chefredakteurin Bascha Mika.

Ursula Völker, Assistentin der Chefredaktion, ist die wohl Fleißigste an diesem Tag: „Ich habe Hände wie Stroh vom Auspacken der ganzen Umzugskisten“, sagt sie – 20 waren es an der Zahl.

Und dann, gegen mittags, taucht noch ein Gerücht auf. Es soll im Keller Duschen geben, Zwei Reporter suchen sie, finden aber nur eine Tür, auf der steht: „Schmutzwasserhebeanlage“. Was das ist? Wissen wir auch nicht so genau. Aber am Ende hat jemand die Duschen gefunden. Unklar bleibt, ob man diese auch benutzen kann und ob man das unbedingt möchte.

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