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Neues Wohnzimmer auf Zeit

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Von: Clemens Dörrenberg

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In der Teestube Jona geht es gemütlich zu.
In der Teestube Jona geht es gemütlich zu. © Rolf Oeser

Der Rückzugsort und Treffpunkt für Obdachlose ist in die Gutleutstraße 121 umgezogen. Dort gibt es nun bedeutend mehr Platz.

Schon vom dunklen Treppenhaus her ist am Sonntagnachmittag Stimmengewirr durch die offenen Türen zu hören. Nachdem die „Teestube Jona“ von der Pforzheimer Straße nur ein paar Hundert Meter weiter in die Gutleutstraße 121 gezogen ist, sind kurz nach der gewohnten Öffnungszeit um 16 Uhr bereits alle Bistrotische besetzt.

Der neue Raum ist wie der alte quietschgrün gestrichen, jedoch bedeutend größer. Computer mit Internetanschluss gibt es wie in der Pforzheimer Straße, ein Regal mit Gesellschaftsspielen, Toiletten und eine kleine Theke, an der Tee und Kaffee für 30 Cent verkauft werden. Dahinter sind in der ehemaligen „Kaffestube“ der Evangelischen Hoffnungsgemeinde eine Küche und ein Büro eingerichtet.

Vor mehr als 30 Jahren wurde die Teestube ins Leben gerufen, die von der „Projektgruppe Bahnhofsviertel“ betrieben wird und hauptsächlich von Obdachlosen als Rückzugsort und Treffpunkt genutzt wird. Seitdem war sie im Erdgeschoss des Hauses in der Pforzheimer Straße 7 untergebracht, an deren Schaufensterscheiben nun Hinweise auf die neue Adresse kleben. An den Innenwänden, durch die man von außen hineinschauen kann, wurden Sprüche wie „33 Jahre Teestube – schön war’s“ und „Servus & Goodbye, auf ein Neues“ geschrieben.

Rund 30 Gäste sind am Sonntagnachmittag am neuen Ort, die meisten Männer. Viele unterhalten sich. Jörg Robert und Günter Eifert sitzen zusammen an einem Tisch. „Sehr zufrieden“ sei er mit dem neuen Gastraum, sagt Robert. Es gebe bedeutend mehr Platz. Auch die Raumdecke sei höher.

Soziale Kontakte pflegen

Nachdem der 67-Jährige früher wohnungslos war und teils im Wald geschlafen hat, ist er vor zwei Jahren in eine Wohnung gezogen. Er komme täglich in die Teestube, um soziale Kontakte zu pflegen. Donnerstags mache er beim Kochkurs mit. Robert zeigt auf seinen Tischnachbarn, den er seit Jahren kenne. Auch Eifert gefällt der neue größere Raum. „Früher war es klein und eng“, sagt er. „Es wäre schön, wenn die Teestube hier bleiben könnte.“

Ein Problem gibt es, das auch Robert erwähnt. Die Teestube liegt im ersten Stock, ist also nicht barrierefrei. Gleich mehrere Treppenläufe müssen Besucher bewältigen, um in die Teestube zu gelangen. Nadine Müller, Leiterin der Teestube, sagt: „Wir sind sehr froh, dass wir die Räume hier haben.“ Ende vergangenen Jahres hatte sie die Kündigung ihres Vermieters für die kleinen, gemütlich eingerichteten Räume in der Pforzheimer Straße erhalten. Das Haus soll verkauft werden. Mit dunklen Vorhängen und gemütlicher Beleuchtung habe ihr Team versucht, den neuen Gastraum „noch ein bisschen mehr wie in einem Wohnzimmer“ zu gestalten.

Dennoch seien die Räume in der Gutleutstraße nur eine „Übergangslösung, bis wir etwas anderes haben“. Denn nicht nur die fehlende Barrierefreiheit sei ungünstig. „Es ist schwer einsehbar, was an der Treppe und unten passiert“, sagt Müller. Ein Kamerasystem solle Abhilfe schaffen. Ideal wäre für Müller jedoch eine „ebenerdige Fläche mit 150 bis 200 Quadratmetern, die fußläufig vom Stadtzentrum erreicht werden kann“. Viele ihrer Besucher könnten sich nämlich kein Bahnticket leisten.

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