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Die prominenten Stifterinnen und Stifter mit Martin Wentz (Sechster von links) in der Mitte beim Empfang in den Römerhallen. Es fehlt der frühere Frankfurter CDU-Chef Udo Corts.

Neues Opernhaus

Opern-Stiftung will Wettbewerb

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OB und Magistrat empfangen prominente Spender für ein neues Opernhaus. Die ersten fünf Millionen Euro sind da.

Es ist ein denkwürdiger Auftritt. Der Oberbürgermeister und die Spitzen der Römer-Koalition empfangen persönlich im Rathaus die zwölf namhaften Bürgerinnen und Bürger, die Frankfurt ein neues Opernhaus schenken wollen. Zuvor hat deren Stiftung im OB-Büro ein Memorandum zu ihren Absichten übergeben.

In diesem Papier und in der gemeinsamen Pressekonferenz deutet sich erhebliche Bewegung bei den Positionen der Stiftung an, die von dem früheren Planungsdezernenten Martin Wentz (SPD) angeführt wird. Die Stifter stimmen jetzt einem Architektenwettbewerb für eine neue Oper zu, allerdings nur einem, „den die Bürgerstiftung durchführt“. Projektentwickler Wentz will mit seinem Planungsbüro an dieser Konkurrenz teilnehmen.

In der Pressekonferenz versichert der Projektentwickler Heinz-Günter Lang, man werde auch den Entwurf eines anderen Büros finanzieren, wenn er sich als der beste herausstelle. „Das Beste ist der Feind des Guten.“ Für die Oper geht die private Initiative jetzt von Baukosten in Höhe von 240 Millionen Euro aus. Die Bruttogrundfläche des Gebäudes wird mit etwa 40 000 Quadratmetern beziffert. Berücksichtigt werde außerdem ein zehnprozentiger Risikoaufschlag und eine Steigerung der Baukosten von 6,3 Prozent in drei Jahren.

Zum Vergleich: Das 2017 vorgestellte Gutachten im Auftrag der Stadt hatte die notwendigen Investitionen für einen Neubau von Oper und Schauspiel auf knapp 900 Millionen Euro beziffert. Die Stiftung möchte 50 Millionen Euro von privaten Spendern einsammeln und den Rest über Kredite finanzieren. „Die ersten fünf Millionen haben wir“, sagt ein stolzer Martin Wentz.

Lang versichert: „Wir haben keine Grundstücksinteressen“. Allerdings möchte die Stiftung das Filetgrundstück der Bühnen am Willy-Brandt-Platz auf 30 Jahre in Erbpacht von der Stadt übernehmen. „Wir wollen kein Grundstück dauerhaft“, beteuert der Projektentwickler.

Auch gebe es keine kommerziellen Interessen seitens der Stifter: „Meine Motivation sind meine beiden Töchter,“ sagt Lang. Sie sollten das neue Opernhaus erleben. So breitet sich eine Stimmung von Friede und Harmonie in der Wandelhalle des Römer aus, dem Ort der improvisierten Pressekonferenz. Der Oberbürgermeister dankt den Initiatoren für ihr bürgerschaftliches Engagement. Feldmann legt sich aber nicht fest, ob es überhaupt zu einem Neubau der Bühnen kommen wird.

Die Sprachregelung der Politiker heißt an diesem Tag: Es gilt, die Empfehlung der Stabsstelle Städtische Bühnen unter dem Vorsitz des Managers Michael Guntersdorf abzuwarten. Sie untersucht derzeit die Alternativen Sanierung oder Neubau der Bühnen und will bald eine Empfehlung abgeben. „Ich bin nicht vom Fach“, gibt der OB zu – insofern sei er auf den Ratschlag der Fachleute angewiesen. Auf Nachfrage der FR versichert der Oberbürgermeister, er werde auch die Initiative ins Rathaus einladen, die für eine Rekonstruktion des alten Schauspielhauses von 1902 am Willy-Brandt-Platz eintritt. „Es wird niemand ausgegrenzt in der Stadt, aber einige sind schneller“, sagt Feldmann lächelnd.

Baudezernent Jan Schneider (CDU) bleibt nur noch, darauf hinzuweisen, dass ja die Stadtverordneten ihre Entscheidung über Neubau oder Sanierung noch nicht getroffen haben. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) positioniert sich entschieden gegen eine Rekonstruktion des alten Schauspielhauses von 1902. „Es ist ein minderwertiger Bau, dessen Rekonstruktion nicht wünschenswert wäre.“ Außerdem reiche das Volumen des alten Schauspielhauses nicht aus, um die notwendige moderne Technik unterzubringen.

Personaldezernent Stefan Majer (Grüne) begrüßt die „Klarstellung“ der Stiftung, dass sie jetzt einem Wettbewerb zustimme. Denn „darauf hätten wir als öffentliche Hand nicht verzichten können“.

Die Stiftung

Zwölf prominente Bürgerinnen und Bürger haben sich in der Stiftung Neue Oper Frankfurt  zusammengeschlossen. 

Es sind dies: der Ex-Stadtrat Udo Corts (CDU), der Präsident der Handwerkskammer, Bernd Ehinger, die Beraterin Gabriele Eick, die Unternehmerin Julia Heraeus-Rinnert, der Rechtsanwalt Helmut Häuser, der Anwalt Nikolaus Hensel, der Projektentwickler Heinz-Günter Lang, der Generaldirektor der Senckenberg-Gesellschaft, Volker Mosbrugger, die Unternehmerin Susie Freifrau von Verschuer, der Bankkaufmann Hans-Jörg Vetter, der Ex-Planungsdezernent Martin Wentz und der Unternehmer Claus Wisser.

Sie engagieren sich, weil sie glauben, dass die Stadt nur außerordentlich schwer das Geld für neue Bühnen aufbringen kann.

Sie wollen aufwendige Zwischenspielstätten für die Bühnen vermeiden. Oper und Schauspiel sollen erst umziehen, wenn ihre neuen Spielstätten fertig sind.

Die Stifter wollen einen Beirat einrichten, in dem Vertreter der Kommunalpolitik und der Bühnen vertreten sind.

Die Stadt soll das fertiggestellte neue Opernhaus von der Stiftung mieten. Die Miete soll nur dazu dienen, die aufgenommenen Darlehen zu tilgen.

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